Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Pfarrer Jürgen Bogenreuther an der Volkshochschule Neuburg. In seinem fundierten und lebendigen Vortrag führte er durch Leben und Denken Dietrich Bonhoeffers – eines der wichtigsten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts und einer der wenigen kirchlichen Intellektuellen, die sich früh und klar gegen den Nationalsozialismus stellten. Ausgehend von Bonhoeffers familiärer Prägung und seiner akademischen Brillanz spannte Bogenreuther den Bogen über das prägende Studienjahr in den USA, wo Bonhoeffer die Kraft der afroamerikanischen Kirche und die Bedeutung gelebter Nächstenliebe entdeckte. Diese Erfahrungen, so der Referent, markierten einen Wendepunkt: Aus dem hochbegabten Systematiker wurde ein Theologe, der Kirche radikal vom Leben her dachte – und Verantwortung einforderte. Besonders eindrücklich schilderte Bogenreuther Bonhoeffers Konflikt mit der Deutschen Christen-Bewegung und seine Rolle im Predigerseminar in Finkenwalde, das er trotz staatlichen Verbots leitete. Ebenso erläuterte er Bonhoeffers Weg in den politischen Widerstand, seinen Mut zur offenen Kritik am Regime und seine Beteiligung an konspirativen Strukturen. Bogenreuther schlug zugleich den Bogen in die Gegenwart: Bonhoeffers Warnungen vor Nationalismus, rassistischem Denken und moralischer Gleichgültigkeit seien heute wieder erschreckend aktuell. Sein Beispiel lehre, dass christlicher Glaube Mut zum Handeln und zum Widerspruch verlange – auch dann, wenn man allein steht. (Martina Waldbuesser)
Neuburg
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