Für die offizielle Freigabe wurde am Dienstag in der Schmidstraße in der Neuburger Innenstadt ein rotes Band durchschnitten.Foto: Manfred Rinke
Es war eine "schwere Zeit". Darin sind sich Bianca Fichtbauer vom Modetreff und Steffi Fischmann, die im Tchibo arbeitet, einig. Fünf Monate lang mussten sie und ihre Leidensgenossen entlang der 130 Meter langen Schmidstraße in der Neuburger Innenstadt mit einer Baustelle vor ihren Eingangstüren leben. Am Dienstag nun wurde die Straße wieder freigegeben. "Endlich", wie auch Oberbürgermeister Bernhard Gmehling meinte.
Bei dem Termin, zu dem sich viele Stadträte, die zuständigen Vertreter der Fachabteilung bei der Stadt Neuburg und natürlich Anwohner und Gewerbetreibende in der Schmidstraße eingefunden hatten, dankte der Oberbürgermeister vor allem den letzteren "für ihre Geduld, für ihr Verständnis, für ihr Mitmachen". Monate mit Lärm, Dreck, Einschränkungen und so manch anderer Schwierigkeit lägen hinter ihnen. Aber der Rathauschef ist fest davon überzeugt, "dass sich all die Mühen, der Aufwand und das gemeinsame Durchhalten gelohnt haben". All die Strapazen habe man auf sich genommen, um die Unternehmen dauerhaft zu unterstützen und zu stärken. "Uns alle eint das Ziel einer erfolgreichen Neuburger Innenstadt", sagte Bernhard Gmehling.
Sanierung der Schmidstraße in Neuburg ist fertig
Nach der Sanierung und Umgestaltung wirkt die Schmidstraße als eine der zentralen Einkaufsstraßen in der Neuburger Innenstadt "lockerer" und breiter.Foto: Manfred Rinke
Die Gesamtkosten für Schmid- samt Übergang zur Weinstraße betragen 800.000 Euro. Der Freistaat schießt davon 490.000 Euro zu. Von dem Geld gab es unter anderem neue Wasserleitungen und Hausanschlüsse, kostenlosen Glasfaser-Anschluss für die Anlieger, barrierefreie Pflasterung, ein verbautes Blindenleitsystem, eine unterirdisch verlegte Baumbewässerung, drei Bänke mit Hochbeeten und erstmals kompakte Fahrradständer. Mit der Lieferung nach hängt man bei Müllbehältern und versenkbaren Pollern. Die sollen Anfang des neuen Jahres kommen. Die Parkflächen sind Multifunktionsflächen und können künftig flexibel genutzt werden.
Natürlich, gab Bernhard Gmehling zu, laufe bei einer Baustelle dieser Größenordnung nicht alles rund. Aber alle Beteiligten, ob Stadtingenieur Christoph Gastl und sein Team, die Arbeiter der ausführenden Firma Schulz und nicht zuletzt Pressesprecher Bernhard Mahler in enger Zusammenarbeit mit Stadtmarketinggeschäftsführer Michael Regnet hätten immer konstruktiv zusammengearbeitet.
Vor allem deren "bislang einmaliges Baumanagement" stellte der Rathauschef heraus. Neben den optischen Hinweisen auf die während der Bauzeit immer erreichbaren Geschäfte, wie Plakatierung und Bannerwerbung, seien sie stets auch Ansprechpartner für die Geschäftsleute und Anwohner gewesen, erinnerten über die Zeitung und auch online immer wieder daran, dass die Schmidstraße durchgehend begehbar geblieben ist.
Schmidstraße in Neuburg ist wieder frei
Entstanden sei letztlich eine "neue, hochattraktive Einkaufsstraße im Zentrum Neuburg". Diese sollen, so der Oberbürgermeister weiter, die Bürger nun auch also solche wahrnehmen und Einkäufe über den Versandhandel einfach vergessen. "Alles, was man zum Leben braucht, bekommt man auch in Neuburg", meinte Gmehling.
Die errichteten Bänke zum Ausruhen probierten gleich einmal (von links) die Stadträtinnen Sissy Schafferhans (links) und Bettina Häring mit ihrem Kollegen Theo Walter aus.Foto: Manfred Rinke
Die Schmidstraße ist Teil eins auf dem Weg zum Ziel, Neuburgs Innenstadt aufzuwerten. Die Fortsetzung folgt im April mit Umbau und Sanierung der Färberstraße direkt im Anschluss. Maria Habermeyer vom gleichnamigen Spielwarengeschäft, kann noch nicht genau abschätzen, was da auf sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in der Straße zukommen wird. "Viel schlimmer für mich und andere, wie den Paper- oder den Teeshop, oder auch die Küchenmamsell, wäre eine Ansiedelung des Müller-Marktes am Südpark", sagt sie. "Dagegen kämpfen wir."
Derweil blicken Steffi Fischmann und Bianca Fichtbauer optimistisch in die Zukunft, sind froh, dass die Baustellenzeit nun vorbei ist und danken dem Wettergott, dass er so gut mitgespielt hat. Durchschnaufen kann dagegen Katrin Lahme-Münch noch nicht. Sie hat Valentin, mit vier Monaten das Jüngste ihrer drei Kinder, im Arm. Sie wohnt in der Schmidstraße und muss täglich Treppensteigen. Das wäre im Grunde nicht so tragisch. Aber weil das Trinkwasser in Neuburg seit Monaten gechlort wird und sie dieses ihren Kleinen keinesfalls zumuten möchte, muss sie öfter Treppensteigen, um das Mineralwasser hochzutragen. Zumindest kann sie das nun über eine hochattraktiv gestaltete, neue Straße machen. Ob das ein Trost für sie ist, bleibt zu bezweifeln.