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Neuburg-Schrobenhausen: Gefahr im Garten: Mähroboter als tödliche Bedrohung für Igel

Neuburg-Schrobenhausen

Gefahr im Garten: Mähroboter als tödliche Bedrohung für Igel

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     Mähroboter sind eine große Gefahr für Igel.
    Mähroboter sind eine große Gefahr für Igel. Foto: Armin Weigel, Benjamin Nolte (dpa)

    Es sind schlimme Bilder, die Tierfreunden das Herz zerreißt. Johanna Pfitzmaier nimmt ihr Handy zur Hand und zeigt Fotos, die bei ihr "Verzweiflung" auslösen, wie sie sagt. Zu sehen sind Igel, die regelrecht skalpiert wurden und kaum mehr Stacheln haben. Kleine Tiere, denen ein Teil des Kopfes oder ein Auge fehlen oder die Schnauze abgeschnitten wurde. 

    Johanna Pfitzmaier engagiert sich ehrenamtlich für das Wohl von Igeln, arbeitet eng mit der Igelauffangstation in Ingolstadt-Etting zusammen, die eine Zweigstelle des Tierheims Neuburg-Schrobenhausen ist. Dort werden jedes Jahr mehr als 300 verletzte und unterernährte Igel aus dem Landkreis und auch Ingolstadt versorgt und aufgepäppelt. Hauptamtlich dafür zuständig ist Cathrin Cyrus, die seit zwei Jahren als Tierpflegerin in der Station angestellt ist. Aktuell muss sie nur wenige Igel versorgen. Doch es gibt durchaus Zeiten, in denen bis zu 30 Tiere zu pflegen sind, was die Kapazitäten übersteige. Manchmal bringen Menschen Igel mit kleineren Verletzungen vorbei, andere sind gravierend. Gesehen haben die beiden Frauen jedenfalls so einiges.

    Gefahren für Igel durch Mähroboter

    Denn Gefahren für die Tiere lauern beinahe überall. Eine große geht vom Menschen selbst aus. Vielmehr von Geräten, die für ihn im Einsatz sind. Mähroboter etwa sind mehr und mehr zum beliebten Gartenzubehör geworden. Für Igel bedeutet die vollautomatische Mähtechnik jedoch mitunter einen qualvollen Tod unter den rotierenden Mähmessern. „Igel rollen sich bei Gefahr oft zusammen und verharren im Gras, statt wegzulaufen“, erklärt Johanna Pfitzmaier. Ihr Wunsch ist es, dass nur tagsüber bis 16 Uhr gemäht wird und die Roboter abends ausgestellt werden, da der Igel vor allem nachtaktiv ist. Doch gerade Jungtiere laufen in den Monaten Juli, August und September auch tagsüber umher. Sie sind schlicht zu klein, um von Mährobotern wahrgenommen zu werden. Ein fehlendes Vorderbein etwa sei ein Todesurteil für den Igel, erklärt Cathrin Cyrus, weil er dann nicht mehr graben könne. 

    Johanna Pfitzmaier (links) und Cathrin Cyrus kümmern sich in der Igelauffangstation in Etting um verletzte Tiere.
    Johanna Pfitzmaier (links) und Cathrin Cyrus kümmern sich in der Igelauffangstation in Etting um verletzte Tiere. Foto: Benjamin Sigmund

    Wut empfinden die beiden Frauen nicht, wenn sie über diese Thematik sprechen. "Die Menschen haben oft keinen bösen Willen, Unwissenheit ist der entscheidende Faktor", sagt Johanna Pfitzmaier. Daher will sie über die Folgen aufklären, um Verhaltensänderungen zu bewirken. Es würde etwa schon reichen, den Garten nach den Tieren abzusuchen, bevor gemäht wird. Doch nicht nur Mähroboter, auch andere Geräte können zur Todesfalle für die Tiere werden. Rasentrimmer oder Motorsensen können Igel sehr schwer verletzen. Oft komme dann jede Hilfe zu spät. Grundsätzlich ruft die Deutsche Wildtier-Stiftung dazu auf, bei der Gartengestaltung Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen. Entsprechend gestaltete Gärten können wichtiger Lebensraum für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere sein. Vom Roboter millimeterkurz gemähte Rasenmonokulturen sind das Aus für die Artenvielfalt im Garten. Wilde Ecken, in denen zum Beispiel ein Laubhaufen liegt, Holz gestapelt ist oder das Gras nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird, helfen den Tieren.

    Tierheim Neuburg-Schrobenhausen bittet um Hilfe

    Einigen Menschen seien gewisse Dinge nicht bewusst, die der Tierwelt schaden, sagt Johanna Pfitzmaier. Igel lassen sich auch von ihrer hochsensiblen Nase leiten. Am Straßenrand abgestellte Gelbe Säcke sind ein beliebtes Ziel auf ihrer nächtlichen Pirsch. Denn sie duften - zumindest für Igel - oft verheißungsvoll. Die Tiere fressen Reste, etwa aus Joghurtbechern, und holen sich Krankheiten durch Bakterien. Oder sie bleiben mit dem Kopf in Dosen und Bechern stecken und ziehen sich scharfe Schnittverletzungen zu. Ratsam wäre, so Cathrin Cyrus, die Gelben Säcke höher anzubringen. 

    Viele der verletzten oder unterernährten Tiere landen in der Auffangstelle in Etting. Dort werden sie aufgepäppelt, ein Großteil überlebt und wird später wieder ausgesetzt. Viele werden im Winter beherbergt, wenn die kleinen Tiere ihren Winterschlaf halten. Denn ist ein Igel bereits vor Beginn der kalten Monate unterernährt, hat er kaum eine Chance, den Winter zu überleben. Johanna Pfitzmaier und Cathrin Cyrus kümmern sich liebevoll um die Tiere, geben ihnen Namen wie Lolo, Frank oder Schnappi. "Besonders schlimm ist es, wenn man ein Tier zwei Wochen pflegt und es dennoch eingeschläfert werden muss", meint Cathrin Cyrus. 

    Den Igeln im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen geht es insgesamt nicht gut. Immer wieder erreichen das Neuburger Tierheim Hilferufe von Bürgern aus den umliegenden Orten. Aufgrund der hohen Anzahl schwerer Fälle braucht es die Unterstützung von Ehrenamtlern, die die Tiere gesund pflegen oder auf ein gutes Gewicht hochfüttern. Diese nehmen in der Auffangstation sonst neuen oder ernsteren Fällen die Plätze weg. "Wir sind an der Grenze unserer Belastungsfähigkeit", sagt Gerhard Schmidt, Leiter des Tierheims Neuburg-Schrobenhausen. Aktuell stünden in der Region lediglich zwei bis drei Helfer zur Verfügung. Interessierte würden in der Igelauffangstation in Etting in einer Art Seminar eine Einweisung bekommen. "Wir benötigen Leute, die die Aufgaben direkt vor Ort erledigen können. Das würde uns entlasten." Wer helfen will, kann sich per Mail info@tierschutzverein-neuburg.de mit dem Tierheim in Verbindung setzen. 

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