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Neuburgerin gestaltet individuelle Urnen: Kunst für den Moment des Abschieds

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Neuburgerin gestaltet individuelle Urnen: Kunst für den Moment des Abschieds

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    Jessica Schwarz gestaltet in ihrem kleinen Atelier kunstvolle Urnen.
    Jessica Schwarz gestaltet in ihrem kleinen Atelier kunstvolle Urnen. Foto: Schwarz

    Wenn Jessica Schwarz über ihre Kunst spricht, dann huscht ein Lächeln über ihre Lippen und ihre Augen glänzen. In ihrem Fall ist das nicht ganz so selbstverständlich, denn der Anlass ihrer Arbeit ist immer ein trauriger und der Moment, in dem ihre Werke entstehen, ein ganz besonderer. Die 53-jährige Neuburgerin gestaltet kunstvolle Urnen, meist ganz individuell und in Zusammenarbeit mit den Angehörigen, und hofft so, etwas Licht in eine sonst so dunkle Zeit zu bringen. Fast immer gelingt das, und darum lächelt sie.

    Die Mutter von Jessica Schwarz hatte ursprünglich die Idee für die Urnen

    „Ist es nicht verrückt? Jeder von uns wird eines Tages sterben, und der Tod wird in unserer Kultur dennoch irgendwie weggedrückt. Keiner weiß so richtig, was er sagen soll, wenn er jemandem begegnet, der gerade jemanden verloren hat“, beschreibt Jessica Schwarz einen der beiden Gründe dafür, warum sie sich mit ihrem Kunsthandwerk gerade diesem sensiblen Thema widmet. Der andere Grund ist ihre Mutter. „Sie hatte das irgendwo aufgeschnappt, und dann saßen wir zusammen, haben die Fantasie laufen lassen, und schließlich wollte ich das unbedingt machen.“

    Ihre erste Anlaufstelle, um diesen Plan in die Tat umzusetzen, ist die Neuburger Stadtverwaltung. Schließlich folgen Bestattungen strikten Regeln, von Fristen, die es zu beachten gilt, bis hin zu den Materialien, die verwendet werden dürfen. „Die konnten mir nichts sagen, außer, dass sie es für eine schöne Idee halten“, erzählt Schwarz. Erst der Bestatter, zu dem sie die Beamten schicken, weiß weiter. Die Urne muss aus einem Material sein, das sich innerhalb eines Jahres auflöst, meist bestehen sie aus Flüssigholz, das in seiner Beschaffenheit an Plastik erinnert, aber vollständig abbaubar ist. Kurioserweise ist das, was dann an der Urne angebracht wird, von keinerlei Bedeutung. „Ich achte trotzdem darauf, dass nichts in den Boden kommt, das da absolut nicht hingehört. Meist arbeite ich mit getrockneten Blumen, mit Stoffen und gut verträglichen Farben und Klebstoffen“, erklärt sie.

    Vor allem arbeitet sie gerne mit Menschen, sowohl beim Brückenkollektiv, wo sie als Art Director ein Team leitet, als auch mit jenen, die zu ihr kommen, um mit einer ihrer Urnen Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen. Gemeinsam entwickeln sie eine Idee, einen ersten Entwurf und feilen dann so lange daran, bis die Angehörigen glücklich sind. „Das Schöne an der Arbeit mit den Angehörigen ist, dass man trotz der Trauer über die verstorbene Person nachdenkt. Es kommen schöne, besondere Momente in Erinnerung, und dann lacht man auch miteinander“, sagt Schwarz und erinnert sich an einen Fall, der ihr im Gedächtnis geblieben ist. „Einmal wollte die Enkelin unbedingt mitmachen. Dann saßen wir da zu zweit und haben sie gemeinsam gestaltet. Das Mädchen hat kleine Vögelchen auf die Urne gemalt, es war so schön, mit ihr zusammenzuarbeiten.“

    Jessica Schwarz nimmt sich für jede einzelne Urne so viel Zeit wie möglich

    Schon immer war Schwarz kreativ, hat gemalt, gestrickt und mit Holz gearbeitet. Sie wurde in Neuburg geboren, zog dann für ihr Studium nach Dortmund und blieb dort 25 Jahre lang der Liebe wegen. Seit sieben Jahren ist sie zurück in der Heimat, die sie im Ruhrgebiet nie ganz hinter sich lassen konnte. Schwarz arbeitet in der Geschäftsführung der Caritas in Neuburg, ist studierte Sozialpädagogin und Sprachtherapeutin. Steckt also vielleicht auch ein bisschen Trauerarbeit in ihrer Kunst? „Es kann helfen, dass man in dieser so schrecklichen Phase nicht nur den Verlust betrauert, sondern darüber nachdenkt: Was kann man der verstorbenen Person noch Gutes tun? Was hätte sie sich gewünscht, was hätte ihr gefallen?“ So kann sie sich auch vorstellen, Angehörigen ihr Atelier zu überlassen, um die Urne selbst zu gestalten, mit ihrer Hilfe und den richtigen Materialien, oder auch mit ihrer Ausrüstung zu Menschen zu kommen, die nicht zu ihr kommen können.

    Manchmal sollen die Urnen einfach nur schön sein, meist sind sie aber Ausdruck der Persönlichkeit des Verstorbenen.
    Manchmal sollen die Urnen einfach nur schön sein, meist sind sie aber Ausdruck der Persönlichkeit des Verstorbenen. Foto: Schwarz

    In ihrer Arbeit, das spürt Jessica Schwarz, ruht große Verantwortung. Es ist eben nicht nur Kunst um der Kunst willen, die Bedeutung ihrer Werke geht über Ästhetik hinaus. Dieser Verantwortung gerecht zu werden, treibt Schwarz an. „Dass diese Urne das Letzte ist, was die Angehörigen von der verstorbenen Person sehen, erzeugt natürlich Druck. Mein Ziel ist es, eine schöne Urne für einen schönen Abschied zu gestalten. Ich gebe meine Arbeit ab, wenn ich glaube, dass ich es nicht besser hätte machen können.“ Dabei geht es nicht um Detailreichtum, nicht um Perfektion, sondern darum, den Menschen und was ihn ausmacht, so einzufangen, wie er auch in den Herzen der Angehörigen weiterlebt. Dafür nimmt sich Schwarz Zeit und widmet sich in Gänze dem Moment, in dem die Urne entsteht. „Ich mache es mir schön, mit schöner Musik, mit einem schönen Duft. Ich will, dass all die guten Vibes hineinfließen. Ich möchte, dass da drin alles gut ist“, sagt sie.

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