Was wollen die Neuburgerinnen und Neuburger? Und wie sehr arbeitet die Stadtpolitik an den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Bürger vorbei? Diese Fragen sind für Florian Herold zentral, allerdings finden sie seiner Meinung nach bislang zu wenig Beachtung. Der OB-Kandidat der Freien Wähler ist überzeugt: Wer eine Stadt führen will, muss die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot nehmen, wenn es um die Frage geht, wie das vorhandene Geld eingesetzt werden soll. Wie das aussehen könnte, hat er in den vergangenen Wochen gezeigt - mit teils überraschenden Ergebnissen auch für Herold selbst.
Seit Mitte Januar war eine Online-Umfrage freigeschaltet, an der jeder Neuburger teilnehmen konnte. Über 100 Fragen galt es aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen zu beantworten - von Wohnen und Verkehr über Wirtschaft und Stadtverwaltung bis zu Gesundheit, Freizeit und Soziales. Etwas mehr als 1000 Menschen haben Interesse an der Umfrage gezeigt, allerdings sind rund 600 schon nach der ersten Frage abgesprungen, 100 weitere brachen ihre Teilnahme im Verlauf vorzeitig ab. Am Ende haben 298 Männer und Frauen bis zur letzten Frage durchgehalten und ihr Ergebnis abgeschickt, das die Freien Wähler nun in erster Linie für ihre eigene Reflexion nutzen.
Umfrageteilnehmer fordern sichere Versorgung und bezahlbaren Wohnraum
Für Florian Herold war wichtig, mit der Umfrage den Bürgern ein Gefühl für sein im Wahlkampf proklamiertes Stadtentwicklungskonzept zu geben. „Wir wollten skizzieren, wie so eine Umfrage funktionieren könnte, wenn nicht die Politik das Sagen hat, sondern die Bürger“, formuliert es Herold. Er ist der Meinung, dass bislang das Geld in Neuburg „nicht überall richtig ausgegeben“ wird und meint damit: an den Wünschen der Bürger vorbei. Das würde er ändern wollen. „Das Geld ist begrenzt, deshalb muss man gemeinsam entscheiden, wo die Prioritäten gesetzt werden - damit mehr von dem getan wird, was die Bevölkerung will“, lautet sein Credo.
Geht es nach den 298 Umfrageteilnehmern, dann hat die Sicherstellung von Strom, Wasser und Gas die höchste Priorität, dicht gefolgt von dem Wunsch nach mehr bezahlbarem Wohnraum. Ein Verkehrs- und Parkkonzept für Neuburg steht ebenfalls ganz oben auf der Liste der Teilnehmer - worin sich Florian Herold in seinen Forderungen bestätigt fühlt. Überrascht war er dagegen, dass der Nahwärmeausbau ebenfalls als wichtig eingestuft wurde. „In meiner Wahrnehmung aus den verschiedenen Gesprächen dachte ich eher, dass sie ihn ablehnen“, sagt Herold. Als „persönlichen Dämpfer“ empfindet er, dass sein Vorschlag eines Anlegers und einer Aussichtsplattform an der Donau zu jenen Projekten gehört, die am wenigsten gewollt sind.
In der Umfrage stecken auch widersprüchliche Meinungen der Teilnehmer
Dass die Umfrage durchaus ihre Tücken hat, zeigt sich an teils widersprüchlichen Aussagen. Mitunter fehlt es bei komplexeren Themen auch an Einordnung und Erklärung. So befürworten die Umfrageteilnehmer zwar mehrheitlich den Aufbau eines Gründerzentrums in Neuburg, allerdings nur unter der Prämisse, dass der Haushalt ausgeglichen ist. Dass es einer Stadt finanziell besser geht, je stärker die Wirtschaft floriert und dass ein Gründerzentrum genau diesem Ziel dient, haben die Teilnehmer bei ihrer Entscheidung offenbar nicht bedacht.
Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist und es an der einen oder anderen Stelle Unstimmigkeiten gibt: Für Herold geben die Antworten durchaus eine Richtung vor. Und es war ein Testballon, wie Bürgerbeteiligung funktionieren könnte - und welche Konsequenzen sich daraus ergeben würden. Denn für ihn steht fest: „Wenn die Mehrheit etwas will, dann muss man es umsetzen - egal, wie stark die Gegnerschaft ist.“
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