Der irische Singer-Songwriter Patrick Stefan hat dem Publikum im Neuburger Più Piano einen Konzertabend voller Gefühl, feiner Zwischentöne und charmanter Geschichten beschert. Der Musiker bewegt sich musikalisch irgendwo zwischen Indie Folk, Jazz und poetischem Songwriting – ruhig, intim und voller melancholischer Wärme. Mit geschlossenen Augen, großer Hingabe und beeindruckender Leichtigkeit glitt Stefan stimmlich und spielerisch durch seine Songs – stets nahbar, ehrlich und mit einer angenehm unaufgeregten Nonchalance.
Patrick Stefan erlaubt mit seiner Musik einen Blick in seine Familiengeschichte
Eröffnet wurde das einstündige Konzert mit einem Lied aus der Feder seines Vaters – selbst Musiker –, das Ende der 1960er- beziehungsweise Anfang der 1970er-Jahre entstand. Überhaupt spielte die Familie an diesem Abend eine zentrale Rolle. Stefan erzählte, dass die erste Musik, die er jemals hörte, die seines Vaters gewesen sei. Besonders bewegend wurde es beim Song „Peggy“, gewidmet der Tante seiner Mutter. Durch Gespräche kurz vor ihrem Tod erfuhr die Familie Geschichten aus einem anderen Irland: von der ersten Elektrizität im Dorf oder der ersten Banane, die Peggy jemals sah und probierte. Ein Lied voller Nostalgie und Wärme.
Doch Patrick Stefan kann auch leicht und verspielt. Was Obstfliegen, eine Schuhfabrik oder eine Bildhauerin gemeinsam haben? Sie alle wurden Teil seiner Songtitel und Geschichten. Mal arbeitet er mit anderen Poeten zusammen, mal greift er auf alte Texte aus Archiven zurück. Songs wie „Give Me One More Day“ oder das augenzwinkernde „Want You to Come into My Shell?“ zeigten seine kreative Offenheit. In einem Workshop habe ihm einst ein amerikanischer Kursleiter erklärt, ein guter Song brauche Anfang, Mittelteil und Ende. Stefan sieht das anders: Er mag offene Räume in der Musik, Fragen statt Antworten und Lieder, in die Zuhörer eigene Gedanken hineinlegen können.
Patrick Stefan schafft es, das Publikum mit seiner Musik zu berühren
Typisch irisch wurde es besonders in den ruhigen, erzählerischen Momenten. Irische Musik lebt von Geschichten, familiären Erinnerungen und einer gewissen Melancholie, die dennoch nie schwer wirkt, sondern leicht trägt. Genau diese Mischung aus Gefühl, Wärme und musikalischer Leichtigkeit brachte Patrick Stefan eindrucksvoll auf die Bühne. Beim vorletzten Song „Sweet Thing“, einem seiner Favoriten, wurde dies besonders spürbar. Und spätestens beim gemeinsamen Mitsingen von „Time Has Made a Change in Me“ war klar: Dieser kurzweilige Abend mit elf Songs hatte das Publikum erreicht und spürbar berührt.
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