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Ray Frick und seine Band gastieren vor der Drogerie

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Konzert in der Drogerie: Erdig, voller Testosteron und Lust auf den Blues

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    Authentischen Blues und Knallernummern der 1970er Jahre präsentieren beim ersten Open-Air-Konzert des Jahres vor der Drogerie (von links) George Clover, Ray Frick, Peter "Sarge" Frampton und Fredy Bozas.
    Authentischen Blues und Knallernummern der 1970er Jahre präsentieren beim ersten Open-Air-Konzert des Jahres vor der Drogerie (von links) George Clover, Ray Frick, Peter "Sarge" Frampton und Fredy Bozas. Foto: Reinhard Köchl

    Der Blues ist wie ein streunender Hund. Gerade an einem sonnigen Samstagabend wie diesem kann er sich überallhin verirren, in verwinkelte Gassen, die hintersten Ecken der Stadt oder gar in die Weinberge der Hutzeldörre. Fußball oder Pfingstfeiern? Daran zeigt er heute nur wenig Interesse. Viel lieber schaut er da bei der Drogerie an der Luitpoldstraße vorbei und legt einfach mal los, heult, bellt und kläfft sich Richtung Mitternacht. Ein räudiger Köter halt. Aber was für einer!

    Ins Lokal darf er diesmal nicht. Für die Herren, die den Blues vertreten, gilt: Wir müssen draußen bleiben – oder dürfen. Das erste Open-Air-Konzert des Jahres, das kaum unter besseren Bedingungen hätte stattfinden können, lockt dann, sehr zur Freude von Betreiber Klaus Köppel, auch eine Menge Schaulustiger an, bevorzugt aus der Zielgruppe Ü 55 und zum drogerieüblichen Nulltarif. Denn das, was die Herren Raimund – pardon: Ray – Frick, Peter Frampton, George Glover und Freddy Bozas da abfeuern, haben sie alle schon mal irgendwo gehört. Es ist schlicht die Musik, mit der eine ganze Generation in den 1960er und 1970er Jahren sozialisiert wurde: Eric Clapton, Bob Marley, Chris Rea und viele andere. Aber noch viel wichtiger: Der muntere Vierer präsentiert viele Songs aus seinem eigenen Album „Hands On The Table“, die durch und durch den unverwechselbaren, streng-würzigen Flair des Blues atmen, ein bisschen angereichert durch explosive Rock-Fermente und süße Soul-Aromen. Fehlt ein Schlagzeug? Nur wenn man die Platte kennt.

    Vor der Drogerie in Neuburg gab es zahlreiche Ohrwürmer zu hören

    Denn da sitzt in der Tat jede Menge Prominenz im Partyzelt, betagte Herren zwar, die einst ein Stück Rock- und Popgeschichte mitgeschrieben haben, aber putzmunter und bestens disponiert. Keyboarder George Clover zum Beispiel, seit fast einem halben Jahrhundert Mitglied der Climax Blues Band („Couldnʼt Get It Right“). Oder Gitarrist Peter Frampton. „Ja genau, der echte Peter Frampton“, kalauert Glover mit einem verschmitzten Grinsen. Denn der Jüngere (ein ausgemachter Weltstar) habe einfach den Namen verwendet, ohne den Älteren um Erlaubnis zu fragen. Deshalb musste sie dem richtigen Frampton, der auf der Insel als veritabler Singer, Songwriter und Saitenzupfer ebenfalls Legendenstatus besitzt, zum Zwecke der besseren Unterscheidung halt den Spitznamen „Sarge“ verpassen. Aus seiner Feder stammen definitiv die besten Nummern des Abends wie das grandiose „Change In The Weather“ mit seinem wunderbaren Laid-back-Feeling, „Rolling Along“, das sich bestens zur Ausfahrt im Cabrio eignet, oder „The Mighty Hoodoo Man“, das wie andere Nummern nahezu alles mitbringt, was man sich von einem Ohrwurm wünschen möchte.

    Ray Frick, der Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre als Programmmacher für die Ingolstädter Jazztage verantwortlich zeichnete und heute in Solnhofen lebt, lässt seine erdige Stimme passgenau in den hinreißenden Harmoniegesang hineingleiten, in den sich überdies „Youngster“ und Gitarrist Fredy Bozas wie ein fehlendes Puzzlestück einfügt. Natürlich servieren sie auch die „ollen Kamellen“, Gassenhauer wie „Cocaine“, „I Shot The Sheriff“ und „Road To Hell“ sowie unbekanntere Nummern wie „Soulshine“ von den Allman Brothers, „I Shall Be Released“ von The Band oder „Showdown“ von Lefty Frizzell, weil so etwas einfach immer als Türöffner zu den Herzen der Menschen funktioniert. Aber sie tun dies nicht etwa wie eine billige Coverband, sondern wie eine Combo, die mehr will, als nur die Sachen anderer nachzuspielen. Mit jeder Menge Patina auf den Stimmen und ihren Instrumenten, einer Überdosis Testosteron, gesundem Selbstbewusstsein und unheimlich viel Bock darauf, gerade hier und heute diese Musik zu spielen.

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