Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neuburg
Icon Pfeil nach unten
Neuburg
Icon Pfeil nach unten

„Sonntags im Schloss“ zeigt Spannendes aus dem Neuburger Schloss

Neuburg

Spannendes im Neuburger Schloss: Das steckt hinter den Themenführungen „Sonntags im Schloss“

  • |
  • |
  • |
  • |
    Stadtführerin Henriette Mischka spielt ein paar Takte zeitgenössischer Musik ab, nachdem sie Geschichten zum Rennschlitten erzählt hat, der um das Jahr 1700 datiert wird.
    Stadtführerin Henriette Mischka spielt ein paar Takte zeitgenössischer Musik ab, nachdem sie Geschichten zum Rennschlitten erzählt hat, der um das Jahr 1700 datiert wird. Foto: Andrea Hammerl

    Jede Menge Spannendes gibt es im Neuburger Schloss zu entdecken. Mit immer wieder neuen Themenführungen „Sonntags im Schloss“ begeben sich die Neuburger Stadtführer auf Spurensuche und arbeiten Aspekte heraus, die dem Besucher alleine eher nicht auffallen würden. Jedes Exponat hat nicht nur eine eigene Geschichte, sondern steht auch für interessante Geschichten seiner Zeit. Den „Winterfreuden“ aus der Barockzeit spürte am Sonntag Stadtführerin Henriette Mischka nach. Was könnte der rund 325 Jahre alte Rennschlitten, den noch Herzoginwitwe Maria Amalia in Gebrauch gehabt haben soll, wohl alles erzählen?

    „Sonntags im Schloss“ gewährt Einblicke in das Neuburger Schloss

    Der Sitz in dem barocken Muschelschlitten war für eine Dame gedacht, die wahrscheinlich trotz Fußsack, Polster, Decken und heißen Ziegelsteinen, die in Tücher gewickelt und unter den Sitz gelegt wurden, ziemlich fror. Ihr Begleiter stand hinter ihr. Sein Sitz war eher Zier, denn um den kleinen Schlitten beziehungsweise das davor gespannte Pferd lenken zu können, musste der Kavalier stehen. Und nicht selten sich auch mal nach vorne über die Dame beugen. „Was manchmal zu ihrer Freude, manchmal aber auch zum Gegenteil führte“, erzählt Mischka verschmitzt.

    Wer mit wem fuhr, wurde vorher ausgelost. Eine junge Dame soll einmal ihre Zofe geschickt haben, weil ihr der Kavalier nicht passte, gibt die Stadtführerin eine Anekdote zum Besten. Für den Mann sei das eine große Blamage gewesen, als das nach der Schlittenfahrt herauskam, denn es wurde peinlichst darauf geachtet, dass beide gleichen Standes waren. Ganz ungefährlich waren die Schlittenpartien nicht, jedenfalls hieß es, Chirurgen und Restauratoren hätten hinterher die meiste Arbeit gehabt. „Denn die mussten dann Mensch und Gefährt wieder zusammenflicken“, erklärt Mischka.

    Unter dem Kavalierssitz des Rennschlittens ist eine Türkenfigur versteckt – Symbol für den gefürchteten, aber in den Türkenkriegen besiegten Osmanen.
    Unter dem Kavalierssitz des Rennschlittens ist eine Türkenfigur versteckt – Symbol für den gefürchteten, aber in den Türkenkriegen besiegten Osmanen. Foto: Andrea Hammerl

    Der Neuburger Schlitten ist mit einem freundlich blickenden Einhorn vorne verziert, dessen Horn vergoldet ist. Unter dem Sitz des Kavaliers ist eine Türkenfigur versteckt – ein Hinweis auf die Türkenkriege. Die Figur steht für den besiegten Türken, der keine Gefahr mehr darstellt. Das osmanische Reich wurde zu der Zeit sehr kontrovers gesehen, erfahren die rund 25 Teilnehmer: Einerseits als gefürchteter Feind, andererseits waren Musik und Mode à la Turk sehr modern. So manches Detail scheint die Zeit überdauert zu haben. Zwar herrschten damals allgemein niedrigere Temperaturen, dennoch sorgte auch die sogenannte Kleine Eiszeit nicht immer für genügend Schnee für Schlittenfahrten. Also wurde schon damals Schnee herangekarrt, wenn die Herrschaften während der Saison, die vom Dreikönigstag bis Faschingsdienstag währte, eine Schlittenfahrt planten. Den Schnee herbeizuschaffen, war die Pflicht der Untertanen, die dieser mithilfe von Fuhrwerken nachkamen.

    Das sind die Termine für die Themenführungen

    Weiter geht es in die Barockgalerie, wo Vergnügungen wie Schlittschuhlaufen, Schlittenfahren, eine Art Eishockey-Vorläufer oder gar Theater auf dem Eis im Bild festgehalten sind. So auf dem Gemälde „Maskenfest auf dem Eis“ von Denis van Alsloot. Es zeigt eine Szene aus dem heutigen Zentrum Antwerpens, wo sich damals der sogenannte Kipdorppoort befand, ein Stadttor, das Teil der spanischen Stadtmauern aus dem 16. Jahrhundert war. Auf dem Eis vor den Befestigungsanlagen tummeln sich die unterschiedlichsten Menschen: vornehme Herrschaften in dunkler Kleidung mit weißer Halskrause, Maskierte – möglicherweise Darsteller einer Commedia dell’arte – oder eine Gebäckverkäuferin. Viele Details sind zu entdecken, die der Maler unglaublich filigran ausgeführt hat. Das gilt auch für den Zyklus der „Vier Jahreszeiten“, die von Jan Brueghel d.Ä. und Hendrik van Balen gemalt wurden. Der Winter ist zur Hälfte in einem Innenraum dargestellt, in dem ein älterer Mann, „Herr Winter“, mit einer jungen Dame speist. Interessant die Symbolik – vom doppelgesichtigen Janus, dem Gott des Übergangs, bis zu den Tierkreiszeichen des Winters, die der Maler gut versteckt hat. Was den zeitgenössischen Betrachtern die Winterfreude des Ratens beziehungsweise Suchens bescherte.

    Info: An diesem Sonntag, 22. Februar, widmet sich Martha Enghuber dem Thema „Ein turbulentes Leben – Pfalzgraf Philipp, Ottheinrichs Bruder“, es folgen am Sonntag, 8. März „Metamorphosen – was hinter Verwandlung und Täuschung steckt“ mit Sabine Rademacher, „Sprechende Hände“ mit Herwig Wanzl am Sonntag, 15. März, die Kinderführung „Zeitreise mit Tanz und Musik“ mit Edith Braun, Gabriella Lay und Judith Braun am Sonntag, 22. März, und „Anna Maria Louisa de Medici – Kurfürstin von der Pfalz, Gemahlin Kurfürst Johann Wilhelms“ mit Bernd Neuner am Sonntag, 29. März. Beginn jeweils um 14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich, der Unkostenbeitrag von 15 Euro (Kinderführung zehn Euro bzw. sechs Euro für Erwachsene) wird an der Schlosskasse entrichtet.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren