Hätte sich Fabio Wagner einen sportlichen Jahresausklang für seinen ERC Ingolstadt wünschen dürften, dann wäre er mit Sicherheit nicht so wie am Samstagabend ausgefallen. Mit einer 0:4-Niederlage hatten sich der Kapitän und sein Team im Heimspiel gegen die Eisbären Berlin verabschiedet und damit auch gleichzeitig – zumindest vorübergehend – aus den „Top Sechs“ geflogen.
Dass die Truppe von Headcoach Mark French nach der vorangegangenen 1:2-Niederlage beim Spitzenreiter Fischtown Pinguins Bremerhaven nun auch gegen den Tabellenzweiten gänzlich leer ausgegangen war, hatte indes vor allem einen Grund: die (erneut) erschreckend schwache und harmlose Offensiv-Darbietung! Konnten sich die Panther zumindest im ersten Durchgang noch die eine oder andere gefährliche Möglichkeit erarbeiten, waren die darauffolgenden 40 Minuten in der mit 4815 Zuschauern ausverkauften Saturn-Arena von fehlender Kreativität und Durchschlagskraft geprägt.
Ex-Panther Jonas Stettmer bekommt seinen ersten DEL-Shutout auf dem Silbertablett serviert
Quasi als Gastgeschenk wurde Eisbären-Schlussmann Jonas Stettmer, der in den Play-offs der vergangenen Spielzeit beim ERCI sein „Eishockey-Märchen“ gefeiert hatte, sein erster DEL-Shutout quasi auf dem Silbertablett serviert. Da passte es nahezu perfekt ins ohnehin schon verkorkste Ingolstädter Bild, dass ausgerechnet Ex-Panther Ty Ronning den zweiten Berliner Treffer erzielte (26.) beziehungsweise die Entstehung des dritten Tores für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Eisbären-Verteidiger Ben Finkelstein hatte in der 38. Minute das Auge für seinen Mitspieler Zach Boychuck, der freistehend vor Garteig traf. Allerdings hatte sich der Torschütze unmittelbar zuvor mit einem Stockschlag von unten gegen Wagner, der plötzlich ohne seinen Schläger dastand, einen Vorteil verschafft.
„Unsere Leistung im ersten Abschnitt war noch in Ordnung. Ab dem zweiten Drittel hat Berlin dann sehr viel Druck ausgeübt, wodurch wir von unserem Spiel weggekommen sind“, resümiert Wagner und ergänzt: „Die Eisbären waren in dieser Phase in Chancenverwertung sehr konsequent und haben zudem die wichtigen Zweikämpfe gewonnen. Dadurch ist das Momentum komplett auf deren Seite gekippt.“
Der ERC Ingolstadt stellt die drittschlechteste Offensive der Liga
Apropos Chancenverwertung: Woran es bei den Oberbayern bereits seit einiger Zeit extrem hapert, ist freilich auch dem Kapitän nicht verborgen geblieben. „Wir brauchen da gar nicht um den heißen Brei reden. Uns muss es einfach gelingen, künftig wieder mehr Tore zu schießen“, so Wagner. Mit gerade einmal 84 Treffern in bislang 33 Begegnungen stellt der ERCI die aktuell drittschlechteste Offensive der DEL. Besonders bedenklich: In zurückliegenden sieben Partien sprangen lediglich zehn magere Törchen heraus. „Natürlich haben wir trotz dieser Probleme immer mal wieder einen Weg gefunden, unsere Spiele mit 1:0 oder 2:1 zu gewinnen. Die Regel sollte das aber nicht sein“, meint Wagner und nennt zugleich ein mögliches Rezept gegen die aktuelle Tor-Allergie: „Wir müssen einfach wieder mehr Scheiben auf beziehungsweise Leute vor den gegnerischen Kasten bringen. In unserer momentanen Situation helfen uns vor allem dreckige Tore.“
Die nächste Gelegenheit dazu, die Worte Wagners in die Tat umzusetzen, haben die Ingolstädter bereits am Dienstag (19.30 Uhr), wenn sie im ersten Match des Jahres 2024 bei den Schwenninger Wild Wings gastieren. „Dort wartet ein sehr heimstarker Kontrahent auf uns, der gerade auf seiner kleinen Eisfläche sehr offensivstark auftritt. Schon allein deshalb wären wir gut beraten, unsere Chancen so gut wie möglich zu nutzen“, weiß der deutsche Nationalverteidiger.
ERC Ingolstadt: Garteig – Edwards, Wagner; Hüttl, Bodie; Zitterbart, Maginot; Jobke – Simpson, Stachowiak, Bertrand; Kozun, Pietta, St. Denis; Nijenhuis, Virta, Dunham; Höfflin, Rowe, Krauß. – Tore: 0:1 Pföderl (22.), 0:2 Ronning (26.), 0:3 Boychuk (38.), 0:4 Wissmann (58./EN). – Zuschauer: 4815 (ausverkauft).