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ERC Ingolstadt: Justin Feser und Frederik Storm: Das große gemeinsame Abschieds-Interview

ERC Ingolstadt

Justin Feser und Frederik Storm: Das große gemeinsame Abschieds-Interview

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    Wurden auf der Vizemeister-Feier des ERC Ingolstadt am Samstag gebührend verabschiedet: Justin Feser (links) und Frederik Storm (rechts). Foto: Johannes Traub
    Wurden auf der Vizemeister-Feier des ERC Ingolstadt am Samstag gebührend verabschiedet: Justin Feser (links) und Frederik Storm (rechts). Foto: Johannes Traub Foto: Johannes Traub

    Rund 4000 Anhänger feierten am Samstagnachmittag auf dem Rathausplatz den deutschen Vizemeister ERC Ingolstadt. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten wurden unter anderem auch zwei Akteure verabschiedet, welche die Panther zweifelsohne gerne in ihren Reihen behalten hätten: Justin Feser (nach Wolfsburg) und Frederik Storm (nach Köln), die drei Jahre lang ein kongeniales Duo bildeten. Im großen NR-Abschied-Interview ziehen die beiden Angreifer ausführlich Bilanz.

    Herr Storm, Herr Feser, Ihre deutschen Mannschaftskollegen sind nach der verlorenen Finalserie großteils für einen Kurztrip nach Mallorca geflogen. Was war Ihre Strategie zur Trauerbewältigung?

    Justin Feser: Die Jungs, die hiergeblieben sind, hingen auch noch miteinander ab. Aber ich habe Frau und Kinder zuhause. Die wollte ich nicht zu lange allein lassen. Frederik Storm: Ich war recht beschäftigt, musste Sachen packen, meinen Umzug vorbereiten. Aber es waren schon harte Tage danach. Am Ende müssen wir uns eingestehen: München war besser. Wir waren nah dran. Doch es war nicht genug.

    Vor allem offensiv nicht. Gegen Ende der Play-offs gelang Ihrem Team kaum mehr als ein Treffer pro Partie...

    Storm: „Ich würde nicht sagen, dass wir es überhaupt nicht gebacken bekamen. In den Play-offs machen die Gegner weniger Fehler, sie stehen enger. Auch wir haben das geschafft, sind unserem System treu geblieben, haben hart gearbeitet. Deshalb sind wir auch so weit gekommen. Man muss nicht fünf Tore schießen, um zu gewinnen. Wir wollten stabil stehen und nicht blind nach vorne rennen. So ist man erfolgreich, tut sich offensiv vielleicht aber auch etwas schwerer, zu treffen.

    Powerplay-Chancen waren eigentlich genug vorhanden.

    Storm: Ja, das Powerplay hat offensichtlich nicht so gut funktioniert. Im Finale hätte das den Unterschied machen können. Die genauen Gründe dafür zu finden, ist schwer. Jeder will ja erfolgreich sein. Und jeder hat während dieser Serie nach Antworten gesucht, wie wir uns da verbessern können.

    Feser: Manchmal hat man Phasen im Spiel, in denen alles reingeht. Umgekehrt war es für mich persönlich schon frustrierend, zum Teil frei am langen Pfosten zu stehen und dann packt der gegnerische Torwart einen Riesensave aus. Da fängt man dann plötzlich an, den Schläger ein wenig verkrampfter zu halten.

    Viele Sportler lassen sich die Silbermedaille bei der Ehrung nach einem verlorenen Finale nicht um den Hals hängen. Mit etwas Abstand: Hängt Sie bei Ihnen dennoch bald stolz in einem Rahmen?

    Storm: Ich bin stolz auf die Leistungen des Teams. Aber die Silbermedaille will ich mir trotzdem noch nicht ansehen. Feser: Sie ist wie ein schlechtes Andenken. Storm: „Ich werde sie mir wohl nirgendwo hinhängen.

    Feser: „Ich nehme sie mit nach Hause. Aber aufhängen, um damit anzugeben, werde ich sie sicher auch nicht.

    Nach dem verlorenen Entscheidungsspiel sprach Ihr Sturmpartner Wayne Simpson von emotionalen Szenen in der Kabine. Er habe da erst realisiert, dass einige Kollegen nach dem Sommer nicht mehr zurückkommen werden. Auf Sie beide trifft das zu. Wie haben Sie diese Momente erlebt?

    Feser: Mit manchen habe ich ja die kompletten letzten drei Jahre zusammengespielt, vor allem mit Stormy. Man schließt Freundschaften. Sich klarzumachen, dass es das jetzt war, hat auf jeden Fall wehgetan.

    Storm: Das waren traurige Momente. Es waren ja drei erfolgreiche Jahre. Wir gingen miteinander durch so viele Aufs und Abs, viele Roadtrips, viel Spaß. Klar werde ich die Jungs vermissen, vor allem Feez (Justin Feser, Anm. d. Red.).

    Das erfolgreichste Jahr kam zum Schluss. Und alles soll, so hört man, damit begonnen haben, dass Trainer Mark French schon beim ersten Teammeeting im August von der Meisterschaft sprach.

    Storm: Ich kann mich an seine genauen Worte nicht mehr erinnern, aber wir hatten das ganze Jahr über ein klares Ziel in der Kabine: die Goldmedaille. Feser: „Ja. Die Einstellung war: Warum nicht wir? Wir hatten den entsprechenden Kader. Und Mark hat dafür gesorgt, dass uns nichts von diesem Ziel abschreckt.

    French schien allgemein ein kompletter Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Doug Shedden gewesen zu sein.

    Beide zögern, schmunzeln, Storm sieht Feser verstohlen an.

    Storm: Shedds hatte größere emotionale Ausschläge. Bei Siegen war er teils überschwänglich, bei Niederlagen stocksauer. Bei Frenchy ging es um das langfristige Ziel. Er war ausbalancierter. Auch auf dem Eis waren wir gefestigter. Er hatte immer einen Plan und wollte, dass jeder ihn sich eintrichtert. Er hat alle eingesetzt, spielte mit vier Reihen.

    Anderes Thema: Müssen gute Sturmkollegen auch Freunde sein?

    Storm: Nicht zwingend.

    Feser: Naja, es macht Sachen einfacher.

    Storm: Einfacher schon. Aber man muss nicht.

    Feser: Ich habe schon mit Jungs gespielt, mit denen ich nicht wirklich auf einer Wellenlänge war. Wir waren trotzdem erfolgreich. Und nein, das war nicht Ingolstadt.

    Sind Sie beiden befreundet?

    Storm: (lacht) Klar! Wir haben uns auch abseits des Eises getroffen. Jetzt nicht jeden Abend, man ist ja eh so oft in der Halle und hat Familie zuhause.

    Feser: Wenn man Kinder hat, geht das zurück. Aber wir haben die Familien schon zusammengebracht. Oder mal zusammen zu Abend gegessen.

    Storm: Das gesamte Team war eng miteinander. Frenchy war dieses Familiengefühl wichtig. Jeder sprach hier mit jedem. Es gab keine Lästereien oder so. Es war eines der stärksten Teams, in denen ich je war.

    Welche spielerische Eigenschaft des jeweils anderen hätten Sie gerne?

    Storm: Oh, viele! Sein Skating, vor allem auch seinen Schuss.

    Feser: Seine Ruhe am Puck. Er hat keine Panik.

    Storm: Ich bin Däne.

    Jetzt lachen Sie. Aber was stört Sie aneinander?

    Feser: Ich wünschte, er würde mal so richtig sauer werden. So generell. Manchmal auch auf mich.

    Storm: Wenn ich sauer werde, dann meist auf mich selbst. Oder auf die Schiedsrichter. An ’Feez’ stört mich nichts.

    Feser: Da muss es doch etwas geben.

    Storm: Vielleicht, dass du immer so haargenau deinen Schlittschuhschliff prüfst. Aber das stört mich nicht, das finde ich eher witzig.

    Feser: Klar fühle ich den Schliff. Es muss ja alles passen.

    Oft bringen Sturmpartner verschiedene Elemente aufs Eis: Einer für die Geschwindigkeit, einer für die Härte, einer mit Torriecher. Sie beide sind eher komplette Angreifer. Ein ungewöhnliches Duo, oder?

    Storm: Ich glaube, eines unserer Geheimnisse war, dass wir darauf vertraut haben, dass der jeweils andere offensiv wie defensiv das Richtige tut. Wir waren gegenseitig ständig austauschbar.

    Feser: Er wusste immer, wann er nach vorne laufen konnte. Oder wann er Unterstützung im Zweikampf brauchte. Oder wann er mal meine Position einnehmen musste. Ich musste mir da nie Gedanken drüber machen. Wir konnten einander einfach gut lesen.

    Wer war der beste dritte Mann, den Sie hier in Ingolstadt zusammen in Ihrer Reihe hatten?

    Beide kichern, schauen sich gegenseitig an, niemand will antworten. Dann wagt sich Storm aus der Deckung. Oder auch nicht so wirklich.

    Storm: Das ist hart. Ich will keinen auslassen. Das waren alle tolle Jungs mit unterschiedlichen Fähigkeiten.

    Das zählt jetzt nicht.

    Feser: Ich würde sagen: DeFazio.

    Storm: Ja stimmt, mit ihm waren wir am erfolgreichsten. Er war ein richtiger Torjäger.

    Feser: Gut um’s Tor herum.

    Storm: Ein schlauer Spieler.

    Feser: „Er hat uns während der diesjährigen Play-offs noch immer geschrieben und uns angefeuert.

    Viele Eishockey-Profis haben abergläubige Routinen: Die Pasta am Spieltag, der rechte vor dem linken Schlittschuh beim Anziehen, komische Handshakes mit Teamkameraden vor dem Aufwärmen. Hatten Sie ein gemeinsames Ritual?

    Storm: Ich glaube nicht. Obwohl: Vor der ersten Übung beim Warm-up checkte ich ’Feez’ immer und spielte ihm den ersten Pass zu. Feser: Aber nichts Verrücktes.

    Sie beide hatten während Ihrer drei Jahre beim ERC jeweils zwei längere Verletzungspausen. Herr Storm, Sie brachen sich einmal die Hand, einmal den Fuß. Herr Feser, Sie mussten einmal wegen einer kaputten Schulter, einmal wegen eines kaputten Knies zuschauen. Waren das Ihre schwersten Zeiten hier?

    Feser: Ich glaube schon. Du sitzt da auf der Tribüne und kannst einfach nicht helfen. Vor allem, wenn dein Team zurückliegt, willst du nichts mehr als da draußen zu sein und diesen Ausgleich zu schießen. Du fühlst dich hilflos.

    Storm: Das ist hart, aber für mich waren die schlimmsten Momente andere: Die, in denen du nicht so gut spielst, wie du willst. Denn da hattest du wenigstens die Chance, einen Unterschied zu machen. Für mich gibt es nichts härteres als ein schlechtes Drittel.

    In den Play-offs zählen Verletzungen oft nicht mehr. Es wird auf die Zähne gebissen. Mat Bodie etwa spielte mit gebrochenem Finger. Trugen auch Sie ernsthafte Blessuren durch diese Endrunde?

    Schweigen.

    Feser: Ja und nein.

    Storm: Kleinere Dinge.

    Feser: In einer Trainingswoche – ich glaube, es war vor der Mannheim-Serie – konnte ich meinen Schläger nicht mehr halten. Mir fehlte irgendwie das Gefühl im Arm. Wir hatten aber Gott sei Dank noch ein wenig frei. Ansonsten nur ein paar Beulen und blaue Flecken. Jeder hatte da etwas, das er mit sich trug.

    Storm: Ja, meine Hüften waren nach dem ersten Spiel in Düsseldorf ziemlich hinüber. Ich bekam einen Check. Plötzlich fehlte mir die Beweglichkeit in der Hüft- und Leistengegend. Das ist jetzt nichts Großes, aber ich habe das schon die gesamten Play-offs mit mir herumgeschleppt.

    Nun verlassen Sie beide den ERC. Herr Feser, Sie haben schon um den Saisonstart herum in Wolfsburg unterschrieben. Warum so früh? Als damals amtierender Top-Scorer der Panther und 20-Tore-Mann hätten Sie Ihre Optionen doch in Ruhe abwägen können.

    Feser: Es gab schon sehr früh Gespräche, natürlich auch mit Tim und es war auf keinen Fall eine leichte Entscheidung. Da floss vieles mit ein. Es war nicht so, dass ich dachte: Oh Gott, ich muss hier raus!

    Ein Angebot, das Sie nicht ablehnen konnten?

    Feser: Belassen wir es dabei. Es ist nie einfach, sich zu verabschieden.

    Herr Storm, wie war der Entscheidungsprozess bei Ihnen? Sie werden nach Köln gehen, wo Ihre Frau herkommt.

    Storm: Schon als ich für dieses Jahr verlängert hatte, war ich ehrlich zu Tim (Regan, ERC-Sportdirektor, Anm. d. Red.). Ich sagte ihm, es würde mein letzter Vertrag hier sein. Wir wollten räumlich wieder näher zur Familie meiner Frau, wo auch ich Verwandte habe.

    Davor geht es aber noch für die dänische Nationalmannschaft zur Ihrer zwölften Weltmeisterschaft.

    Storm: Genau. Und davor wiederum muss ich noch umziehen.

    Die Eishockey-Welt ist klein. Man trifft oft auf ehemalige Teamkollegen. Wird es für Sie trotzdem ein komisches Gefühl sein, ab kommender Saison auf gegenüberliegenden Seiten zu stehen?

    Storm: Auf jeden Fall. Das wird sich komisch anfühlen. Aber es wird auf jeden Fall eine Motivationsspritze sein, ihm mal einen guten Hit zu geben oder den Puck zu klauen. Feser: Also ein Eins-gegen-Eins-Duell will ich gegen ihn nicht verlieren. Ich werde schon versuchen, ihm eine mitzugeben.

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