Manche Dinge halten sich sehr lange, gar über Jahrhunderte. Dazu zählt zweifellos die Burgheimer Wallfahrt zur Kirche Mariä Himmelfahrt in Mauern, alljährlich am 1. Mai, auch in diesem Jahr. Wenn man andernorts mit einer roten Nelke zur Maikundgebung am Tag der Arbeit geht, so herrscht in Burgheim seit 1649 eine sakrale Tradition, und das nicht ohne Grund.
Vom 27. August bis Anfang 1650 starben nach einer Notiz in den Pfarrmatrikeln 174 junge und alte Personen an der Pest. Der „schwarze Tod“ ereilte damals die Burgheimer so schnell, dass nicht mal alle Namen in das Sterberegister eingetragen werden konnten, wie die Chronik des Heimatgeschichtlichen Vereins Burgheim verrät. Ärzte und Bader waren gegen die tödliche Krankheit machtlos, also suchten die Burgheimer Zuflucht im Glauben. Einige von ihnen bestiegen den Kirchturm und erblickten ein ähnliches Bauwerk in der Ferne, in Mauern. Dorthin wollen sie künftig alljährlich pilgern, gelobten die Burgheimer. Anscheinend wurden sie erhört.
Gläubige pilgern seit 1649 von Burgheim nach Mauern
Historische Dokumente belegen, dass 1650 und 1651 jeweils „nur“ fünf und 1652 zwei Burgheimer starben. Die Pest ist längst ausgerottet, das Gelöbnis der Burgheimer ist trotzdem aktuell. Ganz in diesem Sinne versammelten sich heuer am 1. Mai um 6 Uhr etwa 100 Burgheimer auf dem ehemaligen Netto-Parkplatz um das Versprechen von einst erneut einzulösen. Burgheims Pfarrer, Dekan Werner Dippel, Kaplan John Edosomwan und Ministranten reihten sich in den Pilgerzug ein. Angeführt hatten ihn Kreuz- und Fahnenträger. Die „Nachhut“ bildete diesmal eine Abordnung der Feuerwehr Burgheim mit ihrer Fahne. „Dieses Kaiserwetter können wir gerne für unser 150-jähriges Jubiläum vom 19. bis 21. Juni übernehmen“, meinte der Vereinsvorsitzende Johannes Rössler. Damit beschrieb er punktgenau das Anliegen der Floriansjünger, das sie zur Wallfahrt motivierte.
Natürlich stand die Frömmigkeit im Mittelpunkt. Während der zwölf Kilometer langen Strecke beteten die Gläubigen mehrere Rosenkränze und sangen Marienlieder. Im kirchlichen Leben steht der Mai ganz im Zeichen der Gottesmutter Maria, in Bayern ganz besonders der Patrona Bavariae. Nach knapp drei Stunden zogen die Burgheimer Wallfahrer in Mauern betend und singend ein. Ziel in dem Rennertshofener Ortsteil ist die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Dort erinnert eine historische Votivtafel an den Ursprung der Burgheimer Mauern-Wallfahrt.
Burgheims Feuerwehr begleitet Wallfahrt von Burgheim nach Mauern
„Die Leibliche Burgerschaft Von Grafen Burckheim hat sich Verlobt Wegen einer Leidigen Pest Zu Maria der Seeligsten Mutter Gottes Zu Mauern 1649 Renouiet Im Jahr 1797.“ Das Gnadenbild zeigt in der Mitte auf einer Wolke Maria mit ausgebreiteten Armen, die Mauerner Kirche und eine betende Schar gläubiger Christen. Im Vordergrund sind zwei betende Paare mit einem Knaben zu sehen. Nach der Chronik des Heimatgeschichtlichen Vereins könnte es sich dabei um den Burgheimer Hofmarksherrn und Ritter Simon von Labricque (+1656) samt Pflegsverwalter Daniel Strobel (+1663) handeln.
In seiner Predigt ging Kaplan John Edosomwan auf das Evangelium zur „Hochzeit von Kanaan“ an. Als gemäß Bibel der Wein ausging, trugen die Gäste ihr Anliegen bei Maria vor. Sie ist auch die Fürsprecherin der Wallfahrer, die ihre Anliegen mit in die Pilgerschaft einbringen. Entsprechend gestalteten sich die anschließenden Fürbitten, in die auch die neuen Bürgermeister*innen einbezogen wurden. Auf dem Rückweg richteten die Organisatoren zur Stärkung einen Rastplatz in Rennertshofen ein.
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