Der Kreisverkehr am Ingolstädter Westpark gilt neben der Münchner Straße als einer der Unfallschwerpunkte in der Stadt. Durchschnittlich kracht es dort fast jeden dritten Tag. Davon geht jedenfalls Christian Petz, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Ingolstadt, aus. Nicht alle Unfälle werden der Polizei gemeldet, kleinere Kollisionen klären die Beteiligten auch mal unter sich. In die offizielle Statistik sind im Jahr 2023 insgesamt 86 Unfälle miteingeflossen, im Jahr zuvor waren es 78 gewesen.
Bei elf Unfällen am Audi-Kreisel in Ingolstadt gab es Verletzte
Schon das ist eine Steigerung, aber aufgeschreckt hat die Verantwortlichen eine andere Zahl: Gab es 2023 noch fünf Unfälle im Audi-Kreisel, bei denen Menschen verletzt worden sind, so hat sich die Zahl im vergangenen Jahr mit elf mehr als verdoppelt. Die Unfallkommission, bestehend aus Mitgliedern der Stadt Ingolstadt und der Polizei, hat deshalb nach einer Lösung gesucht, um diese Tendenz wieder umzukehren. Zu sehen ist sie seit 20. Dezember des vergangenen Jahres in Form von Tempo-30-Schildern. Denn wenn die Autofahrer im Kreisverkehr langsamer unterwegs sind, dann gibt es auch weniger Unfälle. Davon ist jedenfalls Petz überzeugt. Deshalb gilt bei den Einfahrten und innerhalb des Kreisverkehrs nun die neue Geschwindigkeitsbegrenzung. Mehr als 30 km/h „verträgt die Verkehrssituation dort auch nicht“, sagt Petz.
Denn die ist am Kreisverkehr sehr komplex. Zwei durchgängige Spuren im Kreisel selbst und dazu sechs Ein- und Ausfahrten machen das Autofahren für so manchen Verkehrsteilnehmer zur Herausforderung. „Wir gehen nicht vom perfekten Autofahrer aus“, betont Petz. Wenn es kracht, dann ist zumeist nicht die Geschwindigkeit selbst das Problem, sondern eher der Versuch anderer Autofahrer, schnell noch in den Kreisverkehr einfahren zu können, bevor der nächste – mitunter recht rücksichtslos – heran rauscht. Oder die kleinste Lücke zu nutzen, um die Spur wechseln zu können. Nicht immer gelingt das, weil eben der andere doch schneller ist als gedacht – und dann kracht es. Die Unfallursache ist in den meisten Fällen deshalb eine Missachtung der Vorfahrt. Wenn nun alle langsamer unterwegs sind, so die Hoffnung, wird die gesamte Situation für alle Verkehrsteilnehmer übersichtlicher und entspannter. „Jeder, der anständig fährt, soll die Möglichkeit haben, einfahren zu können“, erklärt Petz. 30 Stundenkilometer seien für den Kreisel deshalb „die optimale Geschwindigkeit“.
Fast 80 Raser wurden im Kreisverkehr am Westpark in Ingolstadt geblitzt
An sich sei ein solches Tempolimit überhaupt nicht vonnöten, sagt Petz. Denn gleich in Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung ist geregelt, wie sich Autofahrer zu verhalten haben. „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“, heißt es dort. Doch diese Rücksicht und Vorsicht vermisst Petz in der Realität in vielen Fällen, sodass jetzt eben die dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung im Kreisel eingeführt wurde.
Eine erste Blitzeraktion gab es vor zwei Wochen. Rund zweieinhalb Stunden lang war das Messgerät in Aktion, am Ende hat die Polizei 78 Raser erwischt. 23 von ihnen müssen sogar mit einer Anzeige rechnen, weil sie mit mindestens 51 km/h im Kreisverkehr unterwegs waren. Sie erwartet nun mindestens ein Punkt sowie eine Strafe von 115 Euro. Spitzenreiter war ein Fahrer, der es auf eine Geschwindigkeit von 76 Stundenkilometer gebracht hatte. Er muss nicht nur 400 Euro zahlen, sondern kassiert auch zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot. Nach der Eingewöhnungsphase für die Autofahrer will die Polizei in Zukunft dort öfter blitzen.
Der Audi-Kreisel ist einer der großen Verkehrsknotenpunkte in Ingolstadt. Rund 50.000 Fahrzeuge passieren den Kreisverkehr, der 1992 fertig gestellt worden ist, nach Auskunft der Stadt Ingolstadt durchschnittlich pro Tag. Eine Bilanz zum Tempolimit kann Petz nach rund vier Wochen noch nicht ziehen. Das sei frühestens nach einem halben oder einem Dreivierteljahr möglich.
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