Verantwortliche der Stadt Neuburg sehen die bisherigen Gutachten bezüglich des geplanten Paketzentrums in Weichering zum Teil kritisch. In der Stadtverwaltung geht man davon aus, dass das Vorhaben die Bewohnerinnen und Bewohner des Nachbarortes Maxweiler noch mehr belasten würde, als bisher von Gutachtern dargestellt. In der Sitzung des Stadtrats an diesem Dienstag wird die Stadt eine Stellungnahme abgeben und diverse Punkte ansprechen, die aus Sicht der Verwaltung nicht nachvollziehbar sind.
„Es besteht erheblicher Klärungsbedarf für einige Sachverhalte in den Gutachten“, betont Stadtplanerin Gertrud Huis im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie hat sich intensiv in die bisherigen Untersuchungen zum geplanten DHL-Paketzentrum eingearbeitet. Es geht vor allem um ein Lärmgutachten des TÜV Rheinland sowie ein Verkehrsgutachtender Ingenieurgesellschaft Stolz. Die Stadtplanerin hat in diesen Unterlagen – aus ihrer Sicht – diverse Unstimmigkeiten entdeckt.
Wie sehr würde ein Paketzentrum Weichering die Bürger von Maxweiler belasten?
Beispielsweise geht es um die Betriebszeiten, die den Untersuchungen zugrundeliegen. Bisher seien die Experten von einem 24-Stundenbetrieb von Montag bis Samstag ausgegangen. Doch auch am Sonntagabend beginne bereits die Eingangsbearbeitung für Montag. „Dieser Zeitraum und die dabei entstehenden Emissionen werden in keinem der beigelegten Gutachten konkretisiert und berechnet/überprüft“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Überhaupt rechnet man in der Neuburger Stadtverwaltung mit einer höheren Lärmbelastung für Maxweiler, als in den Gutachten dargestellt. In den Untersuchungen werde davon ausgegangen, dass ein erheblicher oder der überwiegende Teil der Arbeiten beziehungsweise des Lkw-Verkehrs nachts stattfinden würde. Dies würden auch die Zahlen des Verkehrsgutachtens belegen, so die Stadt. Doch es sei bezüglich des Lärmaufkommens nur ein Mittelwert für die gesamte Nachtzeit gebildet worden. Dabei sei die Berechnung der lautesten Nacht-Stunden eine wichtige Information für die Stadt und die ansässige Wohnbevölkerung, stellt die Verwaltung in der Stellungnahme klar.
Grundsätzlich wundern sich die städtischen Experten, dass im bisherigen Lärmgutachten die Werte nicht, wie es vorgegeben sei, aufgerundet wurden. Bei einer solchen vorschriftsmäßigen Aufrundung würde sich die Einstufung der Lärmbelastung ändern. An allen 13 untersuchten Immissionsorten in Maxweiler wäre nachts der Wert von 45 Dezibel überschritten. Die Folge laut Stadtverwaltung: „Ungestörter Schlaf ist nur noch bei geschlossenem Fenster möglich.“ An elf der 13 Stellen seien die nächtlichen Grenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung (49 Dezibel) erreicht, an zehn sogar deutlich überschritten. An zwei Stellen sei sogar die Grenze der Gesundheitsgefährdung (60 Dezibel) erreicht. Bei der Stadt wundert man sich angesichts dieser Zahlen, dass das Gutachten zu dem Ergebnis kam, dass die Grenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung angeblich eingehalten werden. Aufgerundet würde sowohl am Tag als auch in der Nacht der Lärm an bestimmten Stellen in Maxweiler um drei Dezibel zunehmen – eine Verdopplung der Schallleistung, wie die Stadtverwaltung betont.
Paketzentrum Weichering: Kritik an Gutachten bezüglich Maxweiler
Auch im Verkehrsgutachten sind Stadtplanerin Gertrud Huis einige Punkte aufgefallen. In diesem Papier werde nicht erwähnt, dass die Kurve von der B16-Brücke auf die Straße An der Allee (aus Maxweiler kommend) eine sehr starke Krümmung aufweist und auch sehr eng ist, bei der es bei Begegnungsverkehr von Lastwagen voraussichtlich Probleme gebe. Das heißt, es müsse wohl unter diesen Gegebenheiten die Gegenfahrbahn mitbenutzt werden. Die Stadt fragt sich: Sind diese Gegebenheiten beim Bewerten der Leistungsfähigkeit berücksichtigt worden? Immerhin: Zuletzt hatte die Post angekündigt, die Brücke und die Zufahrtsschlaufen auf eigene Kosten zu verbreitern, sodass zwei Lastwagen problemlos aneinander vorbeifahren können. Doch zurück zum Gutachten: Zur Berechnung der Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte wurde teilweise als „Morgenspitze“ die Zeit von 9.15 bis 10.15 Uhr und als „Abendspitze“ die Zeit von 14.45 bis 15.45 Uhr erfasst – Zeiträume, die laut Stadt nicht die eigentlichen Spitzenbelastungen wiedergeben.
Und dann ist da unter anderem noch das Thema Beleuchtung. Aus Sicht der Verwaltung ist eine Lichtbelästigung durch das Ausstrahlen des DHL-Geländes nicht auszuschließen. Nach jetzigem Planungsstand überstrahle die Beleuchtung in jedem Fall die Lärmschutzwände. „Eine Belästigung der Ortschaft Maxweiler durch Licht muss ausgeschlossen werden, beispielsweise durch eine entsprechende Reduzierung der Lichtpunkthöhe“, fordert die Stadt.
Neuburgs OB Gmehling: Gutachten zum Paketzentrum Weichering "nicht ausreichend"
Mit all ihren Fragen habe sich Gertrud Huis bereits an die entsprechenden Gutachter gewandt, doch deren Antworten kommen wohl nicht rechtzeitig zur Stadtratssitzung am Dienstag (Beginn 17 Uhr im Kolpinghaus). Dort wird Huis die Stellungnahme der Stadt vortragen, außerdem ist Weicherings Bürgermeister Thomas Mack zu Gast, um über den aktuellen Sachstand in dieser Angelegenheit zu berichten. Gut möglich, dass der eine oder andere betroffene Anwohner sich das persönlich anhören möchte. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling bittet darum, dass nicht zu viele Gäste in das Kolpinghaus strömen – die momentane Ansteckungsgefahr durch Corona sei wieder erhöht. Außerdem könne man die Sitzung wie gewohnt im Livestream verfolgen.
In der Sache steht der Rathauschef hinter den Ausführungen von Stadtplanerin Gertrud Huis. Unter den aktuellen Bedingungen bezeichnet Gmehling die Planungen zum Paketzentrum als „sehr schwierig“. Die bisherigen Gutachten seien für ihn „nicht ausreichend“, es fehle „noch einiges“. „Wir wollen der Gemeinde Weichering nicht an den Karren fahren“, betont der Oberbürgermeister. Doch wenn man ein solches Projekt plane, müsse man alle nachbarschaftlichen Belange berücksichtigen. Gmehling rechnet damit, dass weitere Gutachten folgen werden.