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Auhausen: Barock-Ensemble mit Weltruf

Auhausen

Barock-Ensemble mit Weltruf

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    „L’Arpeggiata“, ein Barock-Ensemble von Weltruf, war in Auhausen zu bewundern.
    „L’Arpeggiata“, ein Barock-Ensemble von Weltruf, war in Auhausen zu bewundern. Foto: Foto: privat

    Auhausen „Wir Auhausener gehören wieder einmal einen Tag lang zu Franken“, meinte Fritz Kollmar in seiner Begrüßung augenzwinkernd und zeigte sich stolz, als einziger Ort in Schwaben in das hochrangige Festival des „Fränkischen Sommers“ eingebunden zu sein. 40 Konzerte in neun Wochen an kulturhistorisch bedeutsamen Plätzen – und eines davon in der Klosterkirche Auhausen. Aber eben nicht irgendeines. „L’Arpeggiata“, ein einschlägig ausgezeichnetes Barock-Ensemble von Weltruf, gastierte mit seinem seit zehn Jahren „unsterblichen“ Programm „La Tarantella“.

    Aha, Musiktherapie ...

    Die italienische Tarantella, die seit Urzeiten Magie, Trance, Heilung und Ewigkeit symbolisiert, dient der Wiederherstellung der kosmischen Ordnung im Menschen, so weiß es das Programmheft. Aha, denkt man, Musiktherapie. Mit mittelalterlichen Instrumenten wie Theorbe, Psalterion, Chitarra battente oder Zink. Ein „Insider-Konzert“ also? Mitnichten.

    Lucilla Galeazzi drückt dem Konzert schon in den ersten Takten den Stempel auf. Ihre feste, selbstbewusste, mit langem Atem gezogene Stimme ist wie gemalt: Unwahrscheinlich fein abgestimmte Farbgebungen, ja nur Nuancen untermalen den italienischen Text, lautmalerisch abhängig von der jeweiligen Stimmung im Lied, mal weich und romantisch, mal klagend und verzweifelt, mal fröhlich und ausgelassen, aber stets ergreifend schön. Und immer wieder das Zurückfallen in den Ursprung der Tarantella: die Heilung vom Gift der Tarantel.

    Ein wilder Tanz

    Und schon ist sie mit ein paar kurzen Schritten auf der Bühne, die Gestochene: Anna Dego. Ein wilder Tanz, barfuß, mit immer höher fliegendem Rock, mit immer exzessiveren wie expressiveren Sprüngen, ekstatischen Armbewegungen, verzückte und entrückte Gesichtszüge, immer mehr wie hypnotisch die Musik in Bewegung umgesetzt, eben: „wie von der Tarantel gestochen“. Unvermittelt der Schluss: Die Musik bricht ab und im selben Augenblick stürzt sich die Tänzerin zu Boden. So intensiv und atemberaubend, dass man versucht ist, ihr aufzuhelfen.

    Beide Künstlerinnen erfordern – und fordern! – ein eingespieltes, absolut virtuoses Ensemble. Und „L’Arpeggiata“ verfügt glücklicherweise ausnahmslos über perfekte Ausnahmekünstler, die mit Leib und Seele dabei sind. Auffallend Doron Sherwin am Zink, diesem mittelalterlichen Mischinstrument zwischen Trompete, Klarinette und Oboe. Wenn er spielt, taucht er völlig ein, improvisiert, interpretiert, phrasiert.

    Die feinen Töne

    Elisabeth Seitz steht am Psalterion, einem Verwandten des Hackbretts, das sich aber rein technisch gesehen zum Cembalo entwickelte. Sie ist verantwortlich für die feinen Töne, die Verzierungen, die zarten Intermezzi. An der Chitarra battente, der Barockgitarre, sitzt Marcello Vitale. Vital sein Spiel, zuverlässig seine Begleitung, Augen und Herz stets nah am Stück. Eine echte Schau ist David Mayorals Perkussion. Er bringt seine Trommeln zum Sprechen, entlockt ihnen mit akustisch nachhaltigen Streicheleinheiten und hochemotionalen Fingerspitzen unglaubliche Tonfarben, entlockt jedem Quadratzentimeter des Fells einen individuellen Ton. „Chefin“ des Ganzen ist Christina Pluhar. Sie spielt die Theorbe, die Basslaute, und hält ihr Ensemble weniger musikalisch als viel evidenter mit Mimik und Gestik zusammen. Meist lächelt sie. Mit Recht. Ihr „L’Arpeggiata“ ist Weltklasse.

    Laute Bravorufe und ein nicht enden wollender Applaus in der Auhausener Klosterkirche ermöglichen drei Zugaben, bei denen auch Landrat Stefan Rößle bei „seiner“ Tarantella gehörig aus der Puste kommt. Ein intensiv beglückendes Konzert für die Plätze im Kirchenschiff, das für seine hervorragende Akustik bekannt ist. Deutliches Gegrummel dagegen bei den Besuchern hinten auf den „Chor-Stühlen“, die vom Rücken der Musiker nicht sehr begeistert waren. (wk)

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