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Einzelhandel

17.01.2017

Dieser Lebensmittelladen kommt ohne Plastik aus

Husch husch ins Körbchen, aber bitte ohne Plastik: In Nördlingen soll ab März oder April das Geschäft „Ohne Umweg“ eröffnen (Symbolbild).
Bild: Arno Burgi, dpa

Sarah Eberhardt hat genug von Verpackungen aus Kunststoff. In Nördlingen eröffnet sie deshalb in wenigen Monaten das Geschäft „Ohne Umweg“. Schon jetzt gibt's ein Öko-Schmankerl .

Nach dem Einkauf ist der gelbe Sack voll. Im Müll liegt nach dem Auspacken meist deutlich mehr, als Kunden in den Kühlschrank oder das Vorratsregal einsortieren. Selbst bei Bio-Artikeln kommt man nicht drumherum. Welche Menge Plastikmüll allein in den Supermärkten anfällt, das bekommt der Verbraucher erst gar nicht zu Gesicht.

In Nördlingen lässt sich auf den Wochenmärkten und wenigen Läden plastikarm einkaufen. Die Plastiktüte ist trotz neuerlicher Gebühr noch immer ein treuer Begleiter. Noch im Frühjahr will Jungunternehmerin Sarah Eberhardt das Geschäft „Ohne Umweg“ eröffnen. Ein Lebensmittelladen, in dem Plastikmüll und Einweg kein Thema mehr sein soll. Dafür können Kunden ihre eigenen Gefäße mitbringen oder im Geschäft eben solche Ausleihen.

Dass Äpfel und Orangen lose in Körbe gebettet werden, ist für Eberhardt Pflicht, allerdings auch nicht die ganz große Herausforderung. Diese sei vielmehr gewesen, geeignete Handelspartner zu finden, die ihre Philosophie teilten. Sind die Lebensmittel dann einmal im Nördlinger Geschäft, etwa Spaghetti, Müsli oder Mehl, so sollen sie in Glasspendern oder Schütten gelagert werden, sodass sich Kunden wie von der Inhaberin gewünscht ohne Umwege bedienen können. Sie bringen ihr Behältnis mit, wiegen es ab und kleben ein Etikett mit dem Gewicht darauf. Dann kommt beispielsweise Mehl hinein und ein weiteres Etikett mit den Infos über den Inhalt. Dann gehts zur Kasse. Für den obligatorischen Kaffee für unterwegs gibt es die für Eberhardt ökologischere Variante im Bambusfaserbecher. Neben Obst und Gemüse will sie einen Getränkekühlschrank mit Milchprodukten und auch einen Tiefkühlschrank aufstellen.

Sarah Eberhardt ist die Inhaberin von „Ohne Umweg.
Bild: Andreas Schopf

Das Projekt ist im Zuge ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule Rosenheim entstanden. Die 23-Jährige aus Aufhausen (Gemeinde Forheim) hat Innenarchitektur studiert. In der Arbeit entwickelte sie das Raumkonzept für das gesamte Fachwerkhaus am Nördlinger Schäfflesmarkt 1. In der wissenschaftlichen Arbeit konzentrierte sich die 23-Jährige auf die Raumplanung. Dann kam allerdings die Frage auf, was sie mit dem Laden im Erdgeschoss anstellt. Zur gleichen Zeit wurde sie mehr und mehr mit den harten Fakten der Plastik-Flut des Alltags konfrontiert. Da kam ihr die Idee eines Geschäftes ohne Verpackungen.

Eberhardt arbeitet mit lokalen Händlern zusammen, die ihre Waren im Laden verkaufen wollen. „Ich habe viele regionale Anbieter abgefragt, ob Interesse besteht“, sagt sie. Aktuell ist sie noch auf der Suche nach Bäckern. Denn im Laden soll auch ein Café entstehen, in dem Brot mit verschiedenen Aufstrichen angeboten wird. Sie sieht in ihren Kunden vor allem junge Eltern, Leute, die in der Mittagspause vorbeikommen oder Menschen, die sich bewusst ernähren.

Ohne Umweg - Lebensmittelladen ohne Kunststoffverpackungen in Nördlingen

Eberhardt hat den Großteil des Ladens bereits finanziert. Einen weiteren will sie über Spenden sammeln, über das sogenannte „Crowdfunding“. Über eine Plattform im Internet dürfen interessierte Unterstützer einen selbstgewählten Geldbetrag spenden und erhalten im Gegenzug einen Gutschein. Für 20 Euro gibt es beispielsweise eine Jutetasche, für 40 Euro ein Kräuterseminar oder Einkaufsgutscheine bis zu einem Wert von 1000 Euro. Damit will sie insgesamt 27000 auftreiben, die dann für die Einrichtung des Cafés, die Kühltechnik oder aber die Lebensmittelspender verwendet werden soll.

Über 17 Prozent und damit über 4600 Euro des angestrebten Betrags sind bis Mittwochnachmittag auf der Internetseite eingegangen. Seit Montag läuft die Aktion, ab heute noch 33 Tage. Kommt der Betrag nicht zusammen, erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück. So oder so wird Ohne Umweg allerdings noch im Frühjahr eröffnen. Sarah Eberhardt will, dass sich die Leute bewusst werden, wie viel Plastik eigentlich am Tag anfällt. Und: Dass es ohne geht.

Übrigens: Die Nordschwaben haben 2015 nach Angaben des Abfallwirtschaftverbands rund 5406 Tonnen Plastik, Alu-Verpackungen, Weißblech und Verbundmaterialen, wozu Tetrapacks zählen, verbraucht. Nimmt man die Menge her und rechnet sie in Plastiktüten oder Gemüseverpackungen um, die im Schnitt drei Gramm wiegen, wären das je Einwohner in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen, 800 Stück pro Jahr.

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