Appetshofen. Der „7-Hügel-Weg“ zwischen Alerheim, Heroldingen und Appetshofen hat für Wanderer einen weiteren Anlaufpunkt zu bieten: Auf dem Kratzberg, dem „südlichen Tor zum Ries“, steht eine Tafel, die auf die interessante Geschichte dieses Ortes aufmerksam macht: Zwischen 1690 und 1750 standen hier Lustschloss und Tiergarten von Albrecht Ernst II. Fürst zu Oettingen-Oettingen.
„Ernst Stüber hat das ganze Areal jahrelang ehrenamtlich gepflegt. Der Tiergarten ist ein bisschen sein Lebenstraum“, so Möttingens Bürgermeister Erwin Seiler, der sich bei der offiziellen Einweihung für die neue Tafel und das ehrenamtliche Engagement bedankte. Der Dank galt auch Schreiner Werner Wallmüller aus Lierheim und dem Möttinger Eckard Beck, der sonst Schützenscheiben malt.
Dieses Mal jedoch fertigte er die Kopie eines Gemäldes aus dem Jahr 1711, das in der Orangerie im Schloss Hohenaltheim hängt. Es zeigt das fürstliche Lustschloss samt Belvedere und Tiergarten, wie es ab 1690 auf dem künstlich abgetragenen Plateau am Kratzberg entstand. Rund 70 Stunden habe er an der Kopie gemalt, so Beck, der auch noch eine Ruhebank neben der Tafel spendierte.
Noch heute sticht das riesige, abgeflachte Hochplateau im Käferholz bei Schrattenhofen ins Auge und vermittelt einen Eindruck von der einstigen Größe der fürstlichen Anlage. Diese diente der 1731 ausgestorbenen, evangelischen Linie des Geschlechts als Sommerresidenz, im Herbst und Winter wurde gejagt. „100 Tagwerk, also 33 Hektar groß, war die Fläche, die einst von hohen Eichenplanken eingezäunt war. 300 Hirsche, 40 ungarische Schafe, ein isländisches Hirschpaar, ein zahmer Bär, Gemsen, Enten und Fasanen gab es hier“, erzählt Ernst Stüber. Er hat ein privates Heimatmuseum in Schrattenhofen und kennt sich bestens aus mit der Geschichte des Tiergartens. Immer wieder bietet er auch private Führungen an.
Zu erzählen gibt es genug, denn neben Schloss und Jagd entstand hier ab 1737 unter dem neuen Besitzer Graf Carl Anton zu Oettingen-Wallerstein auch eine Fayencen-Manufaktur. Wie es im „Erhebungsbogen für Kulturlandschaftselemente“ heißt, war die gräfliche Fayencen-Manufaktur aus Oettingen hierher verlegt worden, nachdem dort 1735 mit der Produktion begonnen worden war. Die Fayencen erlebten dann eine kurze Blütezeit bis 1745, die Manufaktur wurde aber wegen hoher Kosten und mangelndem Absatz eingestellt.
Auch mit den Gebäuden ging es nach 1750 rapide bergab: Sie wurden abgetragen und die Steine zum Schlossbau in Hohenaltheim verwendet, heißt es im Erhebungsbogen des Landesdenkmalamts, das das Areal als „archäologisches Geländedenkmal“ einstuft. Um an den Tiergarten zu erinnern, ließen bereits Carl Friedrich Fürst zu Oettingen-Wallerstein und der damalige Bürgermeister Friedrich Bissinger im Jahr 1986 eine kleine Gedenktafel anbringen.
Nun wurde der Aussichtspunkt am „7-Hügel-Weg“ um Bank und Tafel attraktiv ergänzt.