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Interview

02.01.2019

Gila von Weitershausen: Von der Rebellin zur Grand Dame

Zwei Menschen im reifen Alter lernen einander kennen und lieben. Davon handelt das Stück „Noch einmal verliebt“, mit dem Gila von Weitershausen, Christian Wolff (beide im Bild), Cordula Trantow und Niklas Clarin kommen.
Bild: Alvise Predieri

Als Gila von Weitershausen als Schauspielerin begann, musste ihre Mutter verkraften, sie nackt auf der Leinwand zu sehen. Seitdem hat sie groß Karriere gemacht. Jetzt kommt sie nach Nördlingen.

Prominenter Besuch stellt sich am 10. Januar (20 Uhr) im Nördlinger Klösterle ein. Auf der dortigen Theaterbühne gastieren die Schauspieler Gila von Weitershausen, Christian Wolf und Cordula Trantow zusammen mit dem jungen Bariton Niklas Clarin – einem Enkel des verstorbenen Schauspielers Hans Clarin. Ihr Stück „Noch einmal verliebt“ hat in Nördlingen Premiere, ehe es sechs Wochen lang auf Tournee bundesweit unterwegs ist. Wir sprachen vorab mit Gila von Weitershausen über die reife Liebe im Alter, über Familie, rebellische Jahre und die Schauspielerei.

Weihnachten liegt hinter uns. Wie haben Sie gefeiert, Frau von Weitershausen? Sind Sie ein Familienmensch – gerade auch an solchen Festtagen?

Gila von Weitershausen: Wir haben mit Familie und Enkelkindern gefeiert, hatten volles Haus – es war ein richtiges Tohuwabohu. Ich bin froh, dass der Weihnachtsbaum nicht abgebrannt ist. Wir sind ja eine Patchworkfamilie, haben fünf Enkelkinder aufseiten meines Mannes und drei auf meiner Seite. Da mein Sohn mit Familie in Paris lebt, sehe ich diesen Teil der Familie seltener. An Weihnachten aber waren sie da.

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Das TV-Publikum kennt Sie aus Familienfilmen und Serien eher als den Typ der taffen Mutter und Großmutter, weniger der überbehütenden Glucke. Wie sehen Sie selbst sich privat?

von Weitershausen: Das können die anderen eigentlich besser beurteilen. Aber ich sehe mich schon als die Glucke, die alles für die Familie macht – freilich ohne aber mit meiner Meinung hinterm Berg zu halten. Und dann darf ich als Omi ja nachsichtig sein. Das ist ein Privileg, dass man als Mutter weniger hat.

Sie haben einen erwachsenen Sohn und sind Großmutter, sind also in einem reiferen Alter angekommen. Nicht nur privat, sondern auch im Fernsehen oder aktuell auf der Bühne. Am 10. Januar gastieren Sie mit „Noch einmal verliebt“ in Nördlingen. Mit einer Alterskomödie. Was ist das Schöne an diesem Stück?

von Weitershausen: Ich finde es schön, dass sich das Stück ganz reduziert mit den Personen beschäftigt. Wir spielen vor einem ganz einfachen Bühnenbild, das einen Hundespielplatz in New Jersey zeigt – ein bisschen provinziell und verlottert. Die beiden Hauptpersonen Ralph und Carol sind über 70 und reden über das Leben. Sie haben sich viel zu erzählen, weil sie eben ein so langes Leben hinter sich haben. Das Stück ist komisch, witzig, hat viel Humor. Zugleich ist es voller wunderbarer Musik, denn Ralph wollte eigentlich Opernsänger werden und ein junger Sänger – der Münchner Bariton Niklas Clarin – tritt als sein jugendliches Alter Ego auf. Er singt Opernarien und das gibt dem Stück einen unglaublichen Reiz. Es macht überhaupt viel Spaß, mit den Kollegen zu arbeiten, mit Christian Wolf und Cordula Trantow. Ich kann sagen: Wir sind eine tolle Rentner-Combo!

Geht es also mehr um eine locker-beschwingte Romanze, oder werden auch schwerere Themen wie etwa Endlichkeit, Krankheit und Tod im Stück aufbereitet?

von Weitershausen: Verluste werden schon auch thematisiert, denn es sind ja im Leben der beiden auch schon Menschen gestorben. Das Stück ist unglaublich gut konzipiert.

Sie sind seit 1994 mit dem Radiologen und Psychoanalytiker Hartmut Wahle verheiratet. Damals waren Sie 50. Es ist also – wenn man so will – auch eine Liebe im fortgeschrittenen Alter. Was macht die reife Liebe interessant?

von Weitershausen: Das ist sehr individuell, man kann das gar nicht pauschal beantworten. Aber ich denke, man geht im Alter toleranter mit der Liebe um. Man will den anderen nicht mehr so verändern wie vielleicht in jungen Jahren. Es ist ja auch idiotisch: Man lernt jemanden kennen, findet, dass derjenige der tollste Mensch auf Erden ist und fängt dann an, ihn verbiegen zu wollen. Wichtig ist es, den anderen so sein zu lassen, wie er ist.

Wären Sie gerne noch einmal jung?

von Weitershausen: Nein! Ohne Wenn und Aber! Ich bin mit meinem Alter im Reinen, habe ein wunderbares Leben gelebt. Alter spielt für mich keine Rolle. Das hat auch etwas mit der Realität zu tun. Es ist absurd, der Jugend hinterherzutrauern.

In Ihren Anfangsjahren als Schauspielerin haben Sie – in den 60er Jahren – eine Reihe von leichten Filmen gedreht. Etwa „Die Lümmel von der ersten Bank“ oder „Nicht fummeln, Liebling“ oder „Engelchen mach weiter, hoppe hoppe Reiter“. Sind das im Rückblick Jugendsünden, oder stehen Sie auch heute noch zu diesen Genres?

von Weitershausen: Diese Filme werden heute so als Sex-Satire, als Sex-Filmchen gesehen. Damals aber waren das die Anfänge des neuen deutschen Films. Das waren Zeitgeist-Filme. Sie beschäftigen sich mit dem Aufbruch der Jugend und da spielte Erotik natürlich eine ganz große Rolle. Aber mit den üblichen Aufklärungs-Filmen dieser Zeit hatten sie gar nichts zu tun. Für „Engelchen“ hab ich 1968 das Filmband in Gold als beste Nachwuchsdarstellerin bekommen, und diese Rolle ist für mich auch im Laufe der Zeit zu einem großen Kompliment geworden. Später hab ich mich natürlich aus dieser Rolle weiter entwickelt. Und „Die Lümmel von der ersten Bank“? Ja das war schon so altbackenes Kino der 50er Jahre. Aber für mich war es ganz und gar aufregend, mit solchen Größen wie Theo Lingen zu spielen.

Sie stammen aus einem alten, preußischen Adelsgeschlecht. Ihr Urgroßvater war Reichskanzler Georg von Hertling, Ihr Vater war Georg Freiherr von Weitershausen und Ihre Mutter eine gebürtige von der Groeben. Das vermittelt das Bild von standesgemäßer Verpflichtung. War es aus Sicht Ihrer Eltern Ihrem Stand entsprechend, dass Sie den Beruf der Schauspielerin ergriffen haben? Oder hat die junge Gila von Weitershausen gegen Konventionen rebelliert?

von Weitershausen: Natürlich habe ich rebelliert. Ich bezeichne mich voll als ein Kind der 68er Jahre. Ich wollte schon relativ früh Schauspielerin werden, ein Gedanke, den meine Eltern fürchterlich fanden. Sie hatten Angst, ich würde in der Gosse landen. Mein Vater ist ja relativ früh gestorben (im Jahr 1962) und für meine Mutter war die Schauspielerei einfach schrecklich. Wäre es nach ihr gegangen, hätte ich irgendeinen Alibi-Beruf ergreifen und dann heiraten sollen. Meine Mutter musste mich ja nackt auf der Leinwand sehen, hat sich dann aber im Laufe der Jahre ganz gut in diese neue Zeit hineingefunden. Wir haben uns nach einigen schwierigen Phasen sehr gut verstanden.

Ihre Filmografie ist eine ziemlich nahtlose Auflistung von 1964 bis 2018. Brüche sind darin kaum zu entdecken. In vielen Jahren haben Sie mehrere Produktionen gedreht. Dazu kommen Theaterrollen. Sind Sie von einem Karriereknick verschont geblieben?

von Weitershausen: Es hat schon einen Bruch gegeben. Das Kino lief irgendwann aus, es kamen keine Angebote mehr für mich. Das hab ich als schmerzhaft empfunden, habe dann aber die TV-Angebote angenommen und wunderbare Fernsehspiele gemacht mit großartigen Regisseuren. Und dann kamen die Serien-Angebote wie beispielsweise „Der Landarzt“. Ich wollte ja arbeiten, denn Schauspielerei beinhaltet für mich permanentes Training. Wenn ich zu lange draußen bin, dann bringt das für mich Unsicherheit mit sich.

Sie haben sich keinem Genre völlig verpflichtet, sondern sind zwischen den einzelnen Stilrichtungen hin- und hergesprungen. Mal haben sie mit Volker Schlöndorff gedreht, dann wieder sind Sie aufs „Traumschiff gegangen“. Geht so etwas gut?

von Weitershausen: Die Branche hat mir das schon übel genommen. Aber für mich war und ist das ganz in Ordnung. Ich habe ja auch in den USA, in Italien, Frankreich und England gearbeitet und dort bewegen sich die Schauspieler auch in allen möglichen Genres. Was dort ganz normal ist, sieht man in Deutschland nicht so gerne.

Nach all Ihren Erfahrungen im Laufe der Jahre: Würden Sie sagen, dass Schauspielerin ein Traumberuf ist? Würden Sie jungen Menschen raten, ihn zu ergreifen?

von Weitershausen: Ja schon! Wenn jemand das unbedingt will, ist er eh nicht aufzuhalten. Allerdings ist es ein unglaublich schwerer Beruf. Ich kenne so viele wirklich gute Schauspieler, die trotz aller Talente nie Karriere gemacht haben. Und heutzutage ist der Beruf noch schwerer. Wir durften damals noch Fehler machen. Das darf man heute nicht mehr, sonst ist man sofort weg vom Fenster.

Welche beruflichen Pläne schmieden Sie aktuell? Stehen neue Projekte an?

von Weitershausen: Im Moment steht nichts an. Ich habe mir ja vorgenommen, nur noch im Winter zu arbeiten und im Sommer frei zu haben. Insofern bis ich jetzt mit „Noch einmal verliebt“ bis Februar auf Tournee und dann mit demselben Stück bis Anfang April im Bayerischen Hof in München. Mal schauen, was danach kommt.

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?

von Weitershausen: Eigentlich etwas scheinbar ganz Banales: Frieden auf der Welt. Es gibt zu viele Kriege, zu viele Investitionen in die Rüstung und zu viel Ignoranz weltweit dem Klimawandel gegenüber. Und dann sind da Millionen von armen Menschen. So kann es nicht weitergehen Interview: Würmseher

Info Karten für „Noch einmal verliebt“: www.ticket.noerdlingen.de.

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