Auhausen Nach etwa 75 Jahren hält die Figur des auferstandenen Christus in der ehemaligen Klosterkirche von Auhausen wieder eine rot-weiße Siegesfahne in der Hand. Ein paar wenige ältere Gemeindeglieder können sich noch erinnern, dass die Christusfigur bis zu einer größeren Kirchenrenovierung im Jahr 1938 noch eine Siegesfahne in der Hand hielt. Seitdem war sie spurlos verschwunden und der „Auferstehungs-Christus“ hatte links nur eine „hohle Hand“ - und zeitweise nicht einmal mehr dies, denn die abgebrochene Hand lag mehrere Jahre unbeachtet nur daneben.
Zur Spendenaktion aufgerufen
Der Auhauser Bürger Friedrich Zimmerer konnte diesen Anblick nicht länger ertragen. Schließlich ist dies seine Heimatkirche. Hier wurde er getauft, konfirmiert und getraut. Er rief zu einer Spendenaktion auf. Mithilfe von Hermann Knörr, er schreinerte den teilbaren Stab, und Restaurator Thomas John, er vergoldete das Kreuz und die Kugeln und fertigte die rot-weiße Kreuzfahne an, gelang die Aktion: Christus erhielt seinen Stab zurück.
Doch nicht nur die Geschichte des verschwundenen Stabes ist erzählenswert. Die Vergangenheit des ehemaligen Benediktinerklosters ist vielfältig. „Das Besondere an Auhausen ist die Allgegenwart der Vergangenheit“, schrieb bereits Auhauser Urgestein Otto Meyer. „Die ehrwürdige, gelassen dreinblickende Kirche mit dem berühmten Altar des Dürer-Schülers Schäufelin, den wertvollen Arbeiten des Holzschnitzers Melchior Schabert, der das herrliche Chorgestühl aus Eichenholz geschnitzt hat sowie die Arbeiten des Bildhauers Loy Hering.“
Kleine Nische
Die von Meyer aufgezählten Kunstwerke entstanden allesamt unter der Führung von Abt Georg Truchseß von Wetzhausen (1513– 1521). Eine kleine Nische an der Nordwand, auch als das „Heilige Grab“ oder „Auferstehungsnische“ bekannt, beherbergt dabei den 1,5 Meter hohen Christus, der etwa 1520 angefertigt wurde und zuletzt für einige Jahrzehnte eine hohle Hand in den Raum streckte, nachdem ihm wohl um 1938 die Siegesfahne abhanden gekommen war.
Merkwürdiges Gekritzel auf dem Werk von Loy Herings
Der 83-jährige Fritz Zimmerer, der neben seiner Tätigkeit als langjähriger Kirchenführer noch immer jeden Morgen die Kirchentüren der altehrwürdigen Klosterkirche aufsperrt und jeden Abend einen abschließenden Kontrollgang tätigt, wollte es nicht länger mit ansehen, wie dieses Christus-Bildnis des Stabes beraubt dasteht. So hat er sich entschlossen, dass jener Christus wieder „seine“ Siegesfahne in Händen halten solle, wie es seit Langem nur noch dem übereinstimmenden Bildnis des Nördlinger Malers und Dürer-Schüler Hans Schäufelin zu entnehmen war. Über dem Altar, der zu den bedeutendsten Werken der Malerei im Ries gehören dürfte und sogar von den plündernden Bauern des Jahres 1525 verschont blieb, schrieb bereits Hermann Seufert vor Jahrzehnten in den Rieser Nachrichten bewundernd „vom spätgotischen Chor, in dessen Mitte der Hochaltar von Schäufelins Feierlichkeit und Würde ausstrahlt“.
Während der geneigte Betrachter vor der Auferstehungsnische verweilt, fällt noch eine weitere Besonderheit, oder gar „Respektlosigkeit“, wie es ehedem Margarethe Meyer bezeichnete, auf. Wenn man vor dem schönen Werk Loy Herings an der Nordwand des Chores steht, dann entdeckt man etliche Kritzeleien.
Genau betrachtet
Zunächst erscheinen sie als wirre Buchstaben und Zahlen, aber bei genauerer Betrachtung liest man auf dem Helm des schlafenden Wächters den Namen „A. Wilde“. Dazu die Zahl „1586“ und auf dem Stundenglas des Todes nochmals „A.W.“. Unter der Pfeilspitze des Todes steht in großen Buchstaben „Carolus Kaufmann Hognsteinensis Borussus Musicus Vocalis – Anno 1586 25. Nov.“.
Schillernde Gestalt verführte zu „frechem Unternehmen“
Hierzu schrieb Margarethe Meyer in einer Abhandlung für die Kirchengemeinde: „Wer wohl diese respektlosen Gesellen waren, die sich nicht scheuten, auf dieses bedeutsame Kunstwerk ihre Namen zu kritzeln. Und worauf verweist das Datum 25. November 1586?“
Die Nachforschungen des ehemaligen Leiters des Ansbacher Stadtarchivs Adolf Lang lassen vermuten, dass an jenem 25. November vor mehr als vier Jahrhunderten der Markgraf Georg Friedrich von Ansbach (1550 - 1603) in der stattlichen Kirche von Auhausen für sich und sein Gefolge ein Hofkonzert veranstalten ließ. Sicher ist, dass Wilde, Kaufmann und Furtter Mitglieder der Ansbacher Hofkapelle waren. Wilde war ein Lautenist, Kaufmann ein Altist und Furtter ein Tenorist. Letzterer stand in Ansbach in schlechtem Ruf wegen diverser Liebesaffären – trotz vorhandener „Haußfraw“ – und wegen seiner Spottlust. Er war also eine recht schillernde Gestalt und so wird er es wohl gewesen sein, der Kaufmann und Wilde veranlasst hat, sich mit ihm zusammen auf dieser Gedenktafel zu verewigen. „Wahrlich ein freches Unternehmen. Zur Nachahmung lieber nicht empfohlen“, schlussfolgerte bereits Margarethe Meyer.
Die ehemalige Klosterkirche kann täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Weitere Informationen und Geschichten über das Kloster Auhausen finden Sie im Internet unter www.kloster-auhausen.de.