Reimlingen Sie waren wieder absolute Spitzenklasse! Das Münchner „Trio Infernale“ bot einem restlos begeisterten Publikum in einem ausverkauften Konzertstadl in Reimlingen Weltmusik, gespielt auf höchstem Niveau.
Weit weg von der namensgebenden schwarzen Komödie „Trio infernale“ präsentiert sich in Reimlingen ein musikalisch gereiftes Trio in bester Spiellaune. Der Grund der Weiterentwicklung liegt bei der Cellistin Anne Braatz. Sie ist nun vollkommen im Trio integriert. Dank ihrer virtuosen Beherrschung und klanglichen Expressivität auch in den hohen Daumenlagen, kann sie Melodie führende Elemente übernehmen.
Sie tritt dabei nicht in Konkurrenz zur ihrer genialen Partnerin Corinna de la Ossa an der Violine. Ihr bleibt weiterhin die Rolle der ersten Geige erhalten, und die atemberaubend schnellen Passagen können auch nur von ihr gespielt werden. Vielmehr entwickeln sich die beiden zu einem „Duett“ im Trio, das sich, kammermusikalischen Anforderungen ähnelnd, Melodiefragmente wie Bälle zuwirft.
Das eigentliche „ Orchester“ aber ist die Gitarristin Ingrid Westermeier, die vom Instrument her als einzige in der Lage ist, richtige Akkorde zu spielen. Außerdem kommen auch Rhythmus und groove aus ihrer Ecke. Super, dass auch sie in etlichen Solopassagen ihre hohe Spielkunst auf der Gitarre zeigen kann.
Thematisch machen die drei charmanten Musikerinnen Weltmusik und fallen dabei von einem Extrem ins andere. Allerdings im positiven Sinn. So steht das Sinti-Lied „Fuli Tschai“ einer „Piraten-Jig“ gegenüber. Letzteres ist eine gelungene Mischung aus irischer Jig und der Titelmusik aus dem Film „Fluch der Karibik“.
Aus Brasilien holen sie sich Gitarrenmusik mit dem bekannten „Choros Nr. 1“ von Heitor- Villa- Lobos oder den „Sons de Carilhoes“ von J. Pernambuco – zwei Paradestücke der Gitarristin Ingrid Westermeier. Auch die Tangos kommen aus unterschiedlichen Gegenden. Astor Piazzollas „Libertango“ repräsentiert den argentinischen „Tango Nuevo“. Dem gegenüber steht ein Tango aus Finnland, der nicht getanzt sondern gegangen wird.
Und immer wieder Irland, wo eine „drowsy Maggie“ in einem Kornfeld erwacht und sich auf den Weg ins Pub zum Tanzen macht.
So unterschiedlich die Orte und Länder sind, aus denen die Musik kommt, so verschieden sind auch die Stimmungen, die sie mit ihren Instrumenten einfangen. Das ist die eigentliche Stärke des Trios.
Dabei wählen sie den Weg der sanften Darbietung, geben dem Zuhörer die notwendige Zeit sich auf die neuen musikalisch-ethnischen Anforderungen einzustellen, indem sie eine kleine Geschichte dem Musiktitel voranstellen.
Und dann klingt eine irische Fiddle wirklich nach Irland und Spaniens Granada erwacht im winterlichen Reimlingen. Dank ihrer langjährigen musikalischen Erfahrung, ihrer Virtuosität und dem sensiblen Gespür für die entscheidenden ethnischen Komponenten gelingt ihnen die Verknüpfung von traditionellen Melodien und eigenen Kompositionen, gelingt ihnen Weltmusik von faszinierender Attraktivität, die beim Publikum ankommt, wie zwei frenetisch erklatschte Zugaben bestätigen. (RN)