Reimlingen Zwei Nachwuchskünstler aus dem Bereich klassischer Musik standen im Rampenlicht im Konzertstadl in Reimlingen und präsentierten einem zahlreich erschienenen Publikum ein abwechslungsreiches Programm mit dem Titel „Vielsaitig“.
Die Violinistin Veronika Braun und der Gitarrist Christian Kiss outen sich als typische Vertreter ihres Genres, die couragiert auch mal neue Wege einschlagen. Technisch perfekt und für ihre jungen Jahre mit einer erstaunlichen Virtuosität ausgestattet, interpretieren sie Werke von Johann Sebastian Bach bis Astor Piazzolla teils im Solovortrag als auch im Duett.
Die Gitarre ist klanglich der Geige unterlegen
Den Anfang macht die Sonate in G-Dur BWV 1021 von Johann Sebastian Bach. Die Sonate wurde ursprünglich für Violine und Continuo geschrieben, wobei sich die Continuo-Gruppe aus einem Cembalo und Cello zusammensetzte. Die Begleitung übernimmt an diesem Abend die Gitarre allein. Doch wird schnell offensichtlich, wo die Schwierigkeiten in dieser Besetzung liegen. Die Gitarre ist klanglich der Violine deutlich unterlegen, sodass von der Geige Zurückhaltung gefordert wird. Sie kann nur selten einen vollen, gut modulierten Ton präsentieren. Doch scheint die sympathische junge Geigerin aus Nördlingen auch diese Hürde problemlos zu nehmen. Wie auch in den folgenden Stücken zeigt Veronika Braun ihr hohes technisches und künstlerisches Niveau verbunden mit viel Reife und Eleganz in Vortrag und Interpretation. Beeindruckend ihre Solodarbietung „aus den Träumen eines Geigers“ des zeitgenössischen Komponisten Dimitri Terzakis. Auch in den Bachsonaten überzeugt sie mit besten Phrasierungen und hohem Einfühlungsvermögen in den langsamen Sätzen. Und den „kollegialen Wettstreit“ in Paganinis Sonate Concertata kann sie zu ihren Gunsten entscheiden.
Christian Kiss an der Gitarre aber ist die Entdeckung des Abends. Ungemein sicher mit Noten und Rhythmus spielt er sich durch die langen Begleitpassagen und bietet der Solistin den erforderlichen Hintergrund für die Melodieführung. Seine Anschlagstechnik ist makellos und schöpft die klanglichen Möglichkeiten seines Instrumentes voll aus, ohne es zu überreizen.
Wunderbar sein Solovortrag von „Koyunbaba“ von Carlo Domeniconi. Inspiriert von einer Türkeireise fließen orientalisch angehauchte Elemente in die Komposition. Gespielt wird dieses äußerst anspruchsvolle Stück in einer „offenen cis-Moll-Stimmung“. Und auch der „Gassenhauer“ Asturias von Issac Albeniz gelingt dem Nachwuchskünstler ausgesprochen gut, meistert er doch die Schlüsselstellen zwischen hart angeschlagenen Akkorden und flinken Arpeggien ungemein souverän.
Ein wunderbares Duo hat sich gefunden
Veronika Braun und Christian Kiss überzeugen ihr Publikum mit erfrischender Virtuosität, jugendlicher Experimentierfreude und Lust auf Neues, ohne jedoch die künstlerischen Anforderungen aus den Augen zu verlieren. Da hat sich ein wunderbares Duo gefunden, von dem man mit Sicherheit noch viel Gutes hören wird. (cei)