Frau Fograscher, der Nördlinger Stadtrat wird demnächst darüber entscheiden, welcher Architekturentwurf für das neue Hallenbad realisiert wird. Für welchen stimmen Sie?
Fograscher: Mir gefällt der Entwurf der Architekten Löhle und Neubauer, der den ersten Platz beim Wettbewerb gemacht. hat. Die Gliederung, die Ausrichtung, der Platz an dem es entstehen soll, das ist in sich geschlossen. Man muss aber schauen, wie die konkrete Umsetzung läuft, es gibt ja noch viele Details zu klären.
SPD will Sauna am neuen Hallenbad in Nördlingen gleich bauen
Das neue Hallenbad kommt also sicher?
Fograscher: Ich bin zuversichtlich. Wir sind auf einem guten Weg. Für uns als SPD ist auch wichtig, dass die Sauna gleich mitgebaut wird, das habe ich in meiner Haushaltsrede betont. Sie wird zusätzliche Besucher für unser Bad anziehen. Wenn man den Bau der Sauna verschiebt, dann besteht die Gefahr, dass man sie gar nicht mehr baut.
Eigentlich bemerkenswert, dass Nördlingen sich mitten in einer weltweiten Pandemie an solch ein Großprojekt herantraut.
Fograscher: Die Diskussion über dieses Bad führen wir ja schon sehr lange. Und die Pandemie wird auch vorbeigehen. Für die wirtschaftliche Lage ist es sicher gut, wenn eine Kommune Geld investiert und Aufträge vergibt. Und nicht zuletzt bekommen wir jetzt hohe Fördergelder vom Bund für das Hallenbad, die gibt es in fünf Jahren nicht mehr.
Sie waren lange Bundestagsabgeordnete für die SPD, seit einem Jahr sind Sie neu im Stadtrat und die Vorsitzende der SPD-Fraktion. Wie würden Sie die Unterschiede beschreiben zwischen Bundes- und Kommunalparlament?
Fograscher: Die Arbeit im Bundestag ist sehr parteipolitisch geprägt. Im Stadtrat dagegen spielt das keine so große Rolle. Wir arbeiten sehr konkret an Projekten und ziehen da eher an einem Strang. Das gefällt mir sehr gut.
Wobei es schon andere Zeiten und sehr kontroverse Diskussionen im Stadtrat gab. Doch das vergangene Jahr war coronabedingt sicher besonders.
Fograscher: Ja, es fehlen uns allen auch die informellen Treffen, bei denen man sich persönlich austauschen kann.
Wie sieht der Austausch mit den Bürgern aus? Bekommen Sie mehr Feedback als Stadträtin?
Fograscher: Nein, die Rückmeldungen sind in etwa gleich. Ich wurde auch als Bundestagsabgeordnete angesprochen, wenn wir etwas beschlossen haben, was den Leuten nicht gepasst hat. Für viele Bürger ist derzeit die saubere Stadt ein großes Thema, gerade wenn am Sonntagabend die Mülleimer überfüllt sind. Wir haben ja mit dem SPD-Ortsverein die Aktion angestoßen, bei der wir Zigarettenkippen eingesammelt haben. Das fanden viele Leute gut. Die haben uns gesagt, das sei ihnen vorher gar nicht aufgefallen, wie viele da herumliegen.
Der Stadtrat ist durch das Hallenbad und die vielen anderen bereits auf den Weg gebrachten Projekte ziemlich eingeschränkt.
Fograscher: Das Quartierzentrum im Wemdinger Viertel ist ein neues und ein wichtiges Projekt. Da soll unter anderem ein Hospiz und ein Bürgersaal entstehen. Ich glaube, das ist für das große Gebiet des Wemdinger Viertels eine gute Sache. Außerdem hat Oberbürgermeister David Wittner den Zukunftsdialog angestoßen. Die Stadtverwaltung hat eine Vorlage erarbeitet und wir als Fraktion werden uns eigene Gedanken dazu machen. Ich finde es sehr interessant, ein Leitbild für die Stadt zu entwickeln.
Das Stichwort Familienfreundlichkeit wird da sicher auch diskutiert werden. Doch bei diesem Punkt hapert es in Nördlingen: zu wenig Bauplätze, zu wenig Kinderbetreuungsplätze.
Fograscher: Ich sehe das nicht so. Viele Bekannte meiner Kinder kommen wieder nach Nördlingen zurück, weil es hier eine so gute Lebensqualität gibt. Für Familien ist die Stadt überschaubar, man ist schnell in der Natur und die Kinder kann man auch mal springen lassen, ganz anders als in der Großstadt. Natürlich muss man an der Attraktivität Nördlingens arbeiten.
Fograscher: Jedes neue Baugebiet in Nördlingen wird überrannt
Hat man es in der Vergangenheit nicht verpasst, mehr Bauplätze auszuweisen?
Fograscher: Nein. Es ist sehr erfreulich, dass wir im ländlichen Raum solch einen Zuzug haben. Das ist ein guter Trend, die Stadt muss sich jetzt darauf einstellen. Es ist ganz wichtig, dass wir jetzt an dem Thema dran bleiben. Der Bedarf ist tatsächlich sehr groß. Jedes neue Baugebiet wird sofort überrannt.
Ein schweres Erbe hat der alte Stadtrat dem neuen auch mit dem Platzproblem an der Grundschule Mitte hinterlassen.
Fograscher: Wir waren sehr einverstanden damit, dass wir diesen umstrittenen Anbau jetzt erst einmal stoppen. Die Container sind eine Zwischenlösung. Es gibt im Stadtarchiv ja einen personellen Wechsel – Dr. Wilfried Sponsel geht in den Ruhestand. Dann wird man schauen, ob das Archiv nicht an einem Ort zusammengefasst werden kann. Wir wollen ja auch an der Grundschule Mitte die offene Ganztagsschule anbieten, dafür werden wir Platz brauchen.
Fast so umstritten wie der Anbau an die Grundschule war das Egerviertel.
Fograscher: Ich glaube, da sind wir jetzt auf einem guten Weg. Der Stadtrat hat sich mit dem Thema mehrfach beschäftigt, jetzt liegt es an den Investoren, ob sie dem altstadtsatzungskonformen Vorschlag folgen oder nicht.
Was steht bei der SPD auf der Agenda?
Fograscher: Wir wollen im Stiftungswald etwa 100 Hektar Naturwald schaffen, den wir aus der wirtschaftlichen Nutzung herausnehmen. Dort soll sich die Artenvielfalt entwickeln können. Für solch ein Biotop können wir Fördergelder und Ökopunkte bekommen, mit denen kann man sogar handeln. Wir würden das gerne im Gebiet „In der Höll’“ machen, das liegt an der B 466 Richtung Ederheim linker Hand.
Lesen Sie auch die anderen bereits erschienenen Folgen unserer Interviewreihe mit den Fraktionsvorsitzenden im Nördlinger Stadtrat:
CSU-Fraktionsvorsitzender Steffen Höhn spricht sich für Kita im Egerviertel aus
PWG-Fraktionsvorsitzender im RN-Interview: „Nördlingen braucht Zuzug“
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