Man kann sich seine Familie nicht aussuchen. Man wird in sie hineingeboren und muss dann mit all dem zurecht kommen, was die lieben Verwandten so anstellen – ob es einem gefällt oder nicht. Doch es gibt auch Familien im weiteren Sinn. Menschen, mit denen man gerne zusammenkommt, mit denen man durch dick und dünn geht. Liselotte und Fritz Hopf haben in Nördlingen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur das heutige Unternehmen Schwaben Präzision wieder auf- und ausgebaut. Für sie waren ihre Mitarbeiter keine austauschbaren Arbeitskräfte, sondern Menschen, für die sie sich verantwortlich fühlten. Und so gründeten sie die SPN-Familie. Die muss heuer ohne die beiden das 100-jährige Bestehen des Unternehmens feiern.
Am Donnerstag kam die SPN-Familie zu einem Galaabend zusammen, ein beheiztes Festzelt war eigens auf dem Firmengelände aufgestellt worden. Die Moderation des Abends übernahm Kimsy von Reischach, die in den 90er Jahren beim Musiksender MTV zu sehen war. Die beiden Geschäftsführer Rainer Hertle und Georg Jaumann erinnerten zunächst an die Anfänge des Unternehmens. Und auch daran, dass die SPN-Mitarbeiter einst sogar Theaterstücke miteinander einstudiert hatten. Hertle ging auch auf die Zukunft ein: Mit der Zukunftswerkstatt 2024 wolle man sich für das nächste Jahrhundert rüsten.
Die Festrede in Nördlingen hielt Günther Beckstein
Die Festrede hielt Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein, der in dieser Funktion vor elf Jahren das Nördlinger Unternehmen besucht hatte. Der Franke übermittelte die Grüße seines Nachfolgers, Dr. Markus Söder. Beckstein erinnerte daran, dass Liselotte Hopf mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet worden ist. Besonders hervor hob er, dass mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter Auszubildende beziehungsweise Studierende seien. Die Schwaben Präzision, so gab er den jungen Leuten mit, sei ein zuverlässiger Arbeitgeber. Und dem Management erteilte der Christsoziale mit einem Schmunzeln folgenden Ratschlag: „Denken Sie immer dran, schwarze Zahlen sind besser als rote.“ Dass bei SPN traditionelle Werte wie Zuverlässigkeit, Fleiß und Präzision hoch gehalten werden, gefalle ihm sehr, meinte Beckstein.
Diese Werte der Schwaben Präzision hob auch Andreas Dirr, Regionalvorsitzender der IHK Schwaben, hervor. Die SPN würde mit Offenheit auf neue Herausforderungen reagieren, das sei ein wichtiger Teil ihrer Erfolgsformel. Dirr wies zudem daraufhin, dass das Unternehmen viel für die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter tue – von Gesundheitsförderung bis zu Familienfreundlichkeit.
SPN finanziert den Bau einer Schule in Afrika
Oberbürgermeister Hermann Faul meinte, es sei ein großes Glück gewesen, dass Liselotte und Fritz Hopf nach dem Zweiten Weltkrieg in Nördlingen geblieben seien. Fritz Hopf sei ein „Unternehmer par exellence“ gewesen, dem der soziale Aspekt und die regionale Verankerung seiner Firma sehr wichtig waren. In Sachen Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter sei der Firmeninhaber seiner Zeit weit vorausgewesen – so habe er beispielsweise bereits Anfang der 50er Jahren eine großzügige betriebliche Altersvorsorge eingeführt und stets Wert auf die Ausbildung gelegt. Liselotte Hopf habe sich zu Lebzeiten ihres Mannes im Hintergrund gehalten, dann jedoch ihren Beitrag geleistet, um das Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen. Faul ging auch auf die 1996 gegründete Fritz- und Liselotte-Hopf-Stiftung ein. Sie unterstütze nicht nur die Fritz-Hopf-Technikerschule und finanziere eine Stiftungsprofessur am TCW mit. Die Stiftung gebe auch für zahlreiche kulturelle Einrichtungen Nördlingens Geld, etwa die Knabenkapelle, die zu Beginn des Abends aufspielte.
Anlässlich des 100. Geburtstags von SPN hat die Stiftung ein Großprojekt gestemmt: Mit 40.000 Euro finanziert sie den Bau einer Schule in Afrika. Zudem verzichtete das Unternehmen auf Geschenke und sammelt stattdessen Spenden, bis zum Donnerstagabend kamen so weitere 9720 Euro zusammen. In einer Talkrunde erläuterten Stiftungsvorsitzender Josef Seitz, Geschäftsführer Rainer Hertle, Martin Stumpf, Vorsitzender des Vereins „Vier Steine für Afrika“, Landrat Stefan Rößle und Schwester Gaspara Juma Kashamba, was genau in Tansania entstehen werde: eine Schule, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Statt über Boote und Zäune zu sprechen, leiste man lieber einen Beitrag, um Fluchtursachen nachhaltig zu bekämpfen, meinte Hertle. Rößle sagte, man wolle 1000 Schulen in Afrika bauen, derzeit liege man bei der Zahl 79. Stumpf berichtete, wie er die Kinder in Afrika erlebt habe: „Die gehen so motiviert und stolz in die Schule, das ist bei uns nicht vorstellbar.“ Und Schwester Gaspara betont, die Bildungseinrichtung werde im Januar 2020 zum neuen Schuljahr fertig sein.
bietet einen Tag der offenen Tür am Sonntag, 29. September, von 10 bis 16 Uhr an.
Mehr Bilder vom Galaabend gibt es hier:
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