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Projekt

01.03.2019

Recup: Abgeben statt wegschmeißen

Die Kunden können ab sofort an mehreren Stellen in Nördlingen ihr Heißgetränk in einem Pfandbecher bekommen.
Bild: Szilvia Izsó

In Nördlingen kann man an mehreren Stellen seinen Kaffee im Pfandbecher kaufen. Wie das System funktoniert

Der stadteigene Mehrweg-Kunststoffbecher „Nö-Cup“ ist schon länger im Gespräch (wir berichteten) . Es stellte sich aber heraus, dass ein rein regionales Umlauf-System nicht rentabel und schwer zu betreiben wäre. Deshalb kooperiert die Stadt jetzt mit der in München ansässigen und bundesweit agierenden Firma „Recup“, die eine beachtliche Erfolgsgeschichte vorzuweisen hat: „Vor zwei Jahren fingen wir in München mit zwei Mitarbeitern und Becherausgabe- und Annahmestellen in 50 Cafés“ an“, erklärte Firmenchef Florian Pachaly, der zusammen mit Ida Buchholz gestern im Geschäft „Ohne Umweg“ den Nö-Cup vorstellte.

Das System sei für alle Beteiligten extrem einfach: An einer Ausgabestelle, für die sich in Nördlingen bereits neun Partnerfirmen anmeldeten, erhält man sein Heißgetränk oder auch sein Eis in einem typischen, stabilen „Coffee to go“-Becher. Man bezahlt einen Euro Pfand dafür, kann ihn deutschlandweit an allen teilnehmenden Abgabestellen zurückgeben und bekommt das Pfand erstattet. Gibt man ihn für einen neuen Kaffee oder ein neues Eis ab, erhält man einen neuen Becher; den alten Becher braucht man nicht selbst zu reinigen. Auf Wunsch gibt es extra einen Warmhaltedeckel zu kaufen, der auf alle drei verfügbaren Bechergrößen passt.

Ab 20 bis 30 Benutzungen ergebe sich eine positive Öko-Bilanz, die eingesparte Plastikmenge wiegt also Herstellungs- und Reinigungsaufwand ab. Tests mit einem Industriespülmaschinen-Hersteller hätten ergeben, dass der Becher bis zu 1000 Mal genutzt werden kann. Bislang nehmen in Nördlingen folgende Firmen teil: Ohne Umweg, Café Samocca, Café Weißgerber, Mc Café (in Mc Donald’s), Café Mayer’s Beck, Pizzeria La Fontana, das Lokal Peperoncino, Naturhaus, Total-Tankstelle. Unter https://partner.recup.de kann man sich unkompliziert als Partner anmelden. Bei etwa 30 Annahmestellen lohne es sich, einen eigenen Stadtbecher zu gestalten, so Pachaly.

Stadtmauer könnte den Becher zieren

Da der Becher Ausdruck von Lifestyle ist, hat er bereits eine ansprechende Form und modische Farben. Stadtbecher, wie es sie beispielsweise für Köln oder München schon gibt, zieren am unteren Rand Sehenswüdigkeiten – keine Frage, dass sich die Nördlinger Stadtmauer dort gut machenwürde. David Wittner, Leiter der Tourist-Info und Vorstandsmitglied des Stadtmarketingvereins „Nördlingen ist’s wert“, der das Projekt seitens der Stadt verantwortet, sieht die bisherigen Teilnehmer in einer wichtigen Vorreiterrolle. „Das System funktioniert hundertprozentig, jetzt muss es nur noch durch Teilnehmer und Kunden mit Leben gefüllt werden“, sagt Susanne Vierkorn, Geschäftsstellenleiterin des Stadtmarketing-Vereins. „Ohne Umweg“-Chefin Sarah Eberhardt rief dazu auf, beispielsweise auch große Firmen mit ihren Kantinen anzuwerben. Oberbürgermeister Hermann Faul sieht den Cup als Teil eines umfassenden Umweltbewusstseins: „Nach Engagement für Artenvielfalt oder Gewässerschutz wollen wir jetzt eine saubere Stadt. Die Flut von Einwegbechern soll nicht nur eingedämmt werden, sondern aus dem Straßenbild verschwinden.“ Er freute sich, dass auf Anhieb so viele Partnerfirmen gewonnen werden konnten - wenn die Kunden nun ebenso engagiert dabei seien, stehe dem Erfolg nichts mehr im Wege. Die bevorstehende Sommersaison sieht Faul als Bewährungsprobe für den Nö-Cup.

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