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Rieser Kulturtage: Zeitreise durch die Geschichte des Judentums

Rieser Kulturtage

Zeitreise durch die Geschichte des Judentums

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    Der Künstler Dany Bober aus Wiesbaden brachte mit Liedern, Berichten, Mundartgedichten und Humor dem Publikum die Geschichte des Judentums nahe.
    Der Künstler Dany Bober aus Wiesbaden brachte mit Liedern, Berichten, Mundartgedichten und Humor dem Publikum die Geschichte des Judentums nahe. Foto: Musolf

    Hainsfarth Der jüdische Künstler Dany Bober nahm das Publikum in der ehemaligen Hainsfarther Synagoge mit auf eine Zeitreise der besonderen Art: Mit Liedern, Gedichten und Anekdoten sowie einer ordentlichen Prise Humor und Witz führte der Wiesbadener durch mehr als 3000 Jahre der Geschichte und Kultur des Judentums.

    Mit einem „herzlichen Schalömle“ begrüßte Bober die Gäste und freute sich sehr über die Begegnung in dem wunderschönen Bauwerk. Seine Zeitreise begann etwa im Jahr 1000 vor Christi, mit den Liedern die der biblische König David sang – den Psalmen. Zwei dieser Psalmen, die als Aufstiegsgesänge bei Pilgerfahrten gesungen werden, hatte Bober teilweise neu vertont. Die Texte trug er zuerst auf Deutsch vor und sang sie anschließend auf Hebräisch.

    Fröhliche und melancholische Lieder

    Zu diesen schnellen und fröhlichen Liedern bildete das folgende Stück den Gegenpart: Es handelte vom babylonischen Exil der Juden. Bei der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier, zerstörten diese den Tempel König Salomons und verschleppten große Teile des Volkes. Die innere Trauer der Juden im Exil, die an ihre verlorene Heimat denken, beschrieb Bober in einem melancholischen Lied.

    Seine Zeitreise behandelte die Vertreibung der Babylonier durch die Perser, die anschließende Rückkehr des jüdischen Volkes und die Eroberungszüge Alexander des Großen. Der berühmte griechische Feldherr war den Juden freundlich gesonnen: „Die Juden haben heute noch Hochachtung vor Alexander.“ Doch seine Nachfolger, die hellenistischen Seleukiden, ließen den Tempelschatz von Jerusalem plündern und setzten nur noch ihnen genehme Hohepriester ein. Die gewaltsame Unterdrückung gipfelte in der Revolte der Makkabäer, denen es gelang, Jerusalem zurückzuerobern und den Tempel wieder zu reinigen und neu zu weihen (164 v. Chr.). „An dieses Ereignis erinnert das Chanukka-Fest, das acht Tage lang im Dezember gefeiert wird“, berichtete Bober. Er trug ein entsprechend fröhliches und schnelles chassidisches Volkslied vor.

    Juden ließen sich sogar in China nieder

    Die Römer lösten die Griechen als Besatzungsmacht ab, mit der Zerstörung des herodianischen Tempels im Jahr 70 begann die Zerstreuung der Juden in alle Welt. „Sie kamen dabei sogar bis nach China. Es gibt auch dunkelhäutige Juden in Indien.“ Auch im mittelalterlichen Spanien ließen sie sich nieder, dort begann für die Juden eine „goldene Zeit“, bei der zahlreiche Lieder und Poesie entstanden – diese endete mit ihrer Vertreibung aus Spanien im Jahr 1492. Bober trug zwei jüdische Liebeslieder aus dieser Zeit mit kraftvoller Stimme und mediterranen Gitarrenklängen vor.

    Nach einer kurzen Pause er setze seine Zeitreise fort. Er berichtete von den Juden, die sich am Rhein niederließen, von den blutigen Verfolgungen während der Kreuzzüge und erklärte, dass viele deutsche Redewendungen, wie etwa „Hals und Beinbruch“, ursprünglich aus dem Hebräischen stammen. Den Juden wurde im Mittelalter der Beitritt zu den Handwerkszünften verweigert, ihnen blieb nur der Geld- und Viehhandel übrig. Viele Juden zogen nach Polen, wo sie sehr geschätzt wurden. Dort entwickelte sich eine eigene Sprache: Jiddisch. Bober sang ein jiddisches Lied, das charakteristisch sei für den Humor der Juden im Osten.

    Er trug weiter Lieder und Gedichte aus der Zeit des Vormärz (1830-1848) vor, in der sich demokratische Bewegungen gegen die alte Macht der Fürsten und Könige in Deutschland auflehnten – dabei griff er auf die hessische Mundart zurück. Bober thematisierte auch die Verfolgung der Juden im Dritten Reich. So sang er etwa das jüdische Partisanenlied „Sage niemals, du gehst den letzten Weg“, das an den Aufstand im Warschauer Ghetto im Jahr 1943 erinnert. Auch erzählte er so genannte „Flüsterwitze“, mit denen man sich über Hitler und die nationalsozialistische Führung lustig machte.

    Juden und Christen verbindet der Messiasglaube

    Bober, der schon auf dem Deutschen Katholikentag und dem Evangelischen Kirchentag auftrat, sagte abschließend, dass sich Christen und Juden nie wieder gegenseitig die Köpfe einschlagen sollten – es sei der Messiasglaube der beide Religionen vereine. Er verabschiedete sich mit einem der wildesten chassidischen Lieder. Die Chassidim sind eine mystische Bewegung des Judentums, die im 18. Jahrhundert in Osteuropa entstand. „Charakteristisch ist ihre ausgelassene Fröhlichkeit und Heiterkeit.“ Bober erhielt langen Applaus. Sigrid Atzmon, Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge, überreichte ihm ein Buch über die Juden im Ries.

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