Sport treiben, spielen oder schlafen. Im Nahverkehrszug der Zukunft sollen die Fahrgäste nicht mehr nur sitzen und warten bis die Fahrt zu Ende ist. Der Zug der Zukunft soll für sie vielmehr Möglichkeiten bieten, um ungestört zu arbeiten oder durch Komfort und Individualität eine echte Wohlfühlatmosphäre schaffen. „Ideenzug“ nennt die Deutsche Bahn ein dahin ausgerichtetes Konzept, dass jetzt in Form eines Prototypen für einen künftigen Doppelstockwagen vorgestellt wurde.
Bei diesem Innovationsvorhaben ist auch das Nördlinger Unternehmen Franz Kiel mit dabei, ein führender Hersteller von Sitzen für Busse und Bahnen. In Zusammenarbeit mit einem Projektteam der Bahn entwickelt Kiel für den Innenraum des künftigen Ideenzuges neue Sitzkonzepte für den Regionalverkehr auf der Schiene. Daneben werden von Kiel zusammen mit Projektpartnern weitere „Serviceinnovationen“, wie beispielsweise Fitnesskabinen, Lounges und Entspannungsbereiche, („Relaxing-Areas“), entwickelt. Alles, um dem Fahrgast seinen Aufenthalt im Zug so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu gehören neben den modernen Sitzen auch Einzelkabinen für vertrauliche Telefongespräche oder Spielecken für Kinder.
In der Führungsetage von Kiel in der Nürnberger Straße ist man stolz und glücklich, von der Deutschen Bahn als Partner für Sitzsysteme im neuen Ideenzug ausgewählt worden zu sein. „Für uns ist das ein große Auszeichnung“, sagt Josef Vega, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing im Unternehmen. Kiel wolle damit auch die Sitze der Zukunft präsentieren.
Auch die Deutsche Bahn zeigt sich angetan von ihrem Partner aus Nördlingen. „Wir sind sehr froh, mit der Franz Kiel GmbH einen exzellenten Partner gefunden zu haben“, betont Bahn-Projektleiter Carsten Hutzler. In einer Testphase zusammen mit dem Kunden sollen laut Hutzler wichtige Erkenntnisse für den Regionalverkehr der Zukunft insgesamt gesammelt werden.
Anlass für die Deutsche Bahn, sich neue Konzepte für die Ausstattung ihrer Züge zu überlegen, ist nicht zuletzt das veränderte Mobilitätsverhalten der Menschen. Noch nie gab es so viele Pendler wie derzeit, noch nie wurden dabei so lange Strecken zurückgelegt.
Zugleich verändern sich auch die Anforderungen der Fahrgäste. Sie erwarten mehr Komfort und Individualität als früher und wollen ihre Zeit auf dem Weg zur Arbeit und zurück sinnvoll nutzen.
Wann die Züge der Zukunft im Schienenverkehr der DB eingesetzt werden können, ist freilich noch offen. Angesichts der Komplexität des Vorhabens dürfte dies noch eine ganze Weile dauern.
Vor zwei Jahren feierte Kiel sein 70-jähriges Bestehen. Heute ist das Unternehmen Premiumhersteller der nationalen und internationalen Bus- und Bahnindustrie. 60 Prozent der Produktion entfallen auf Bussitze, 40 Prozent auf Sitze für die Bahn. In verschiedenen Standorten weltweit werden Kiel-Sitze für den Nah-, Regional, Reise- und Fernverkehr gefertigt. Vom einfachen für die Straßenbahnen bis hin zu Komfortsitzen für Fernreisebusse oder Hochgeschwindigkeitszüge, wie dem ICE.
Die Fertigung umfasst die gesamte Produktionskette vom Metallbau über die Oberflächenveredelung und das Polstern bis hin zur Montage.