Nördlingen Das Thema ist sensibel und erschreckend zugleich: Laut einer aktuellen Studie (wir berichteten im allgemeinen Wirtschaftsteil) wirft in Deutschland jeder Verbraucher pro Jahr rund 80 Kilogramm Lebensmittel weg. Insgesamt sind das 6,6 Millionen Tonnen. Eine andere Untersuchung spricht sogar von 20 Millionen Tonnen. Diese Erhebungen sagen in ihren zusammengefassten Werten allerdings nichts darüber aus, wie sich diese Lebensmittelvergeudung im Kleinen, auf regionaler Ebene darstellt.
Regionale Studie
Allerdings gibt es laut Gerhard Wiedemann, Werkleiter des nordschwäbischen Abfallwirtschaftsverbandes (AWV), eine Studie des Würzburger Fachinstitutes Fabion, die sich bis ins Lokale mit der Müllzusammensetzung auch in Nordschwaben (Landkreise Donau-Ries und Dillingen) befasst. Demnach scheint es einen deutlichen Unterschied zwischen Stadt und Land zu geben. Lebensmittel, die überlagert oder verdorben sind, landen in Nordschwaben im Restmüll. Der besteht zu höchsten zwei Prozent aus solchen Lebensmitteln, was statistisch hochgerechnet pro Einwohner gerade einmal 2,5 Kilogramm pro Jahr bedeuten würde. „In Großstädten hat das Institut 15 und mehr Prozent Lebensmittelanteil festgestellt“, erläutert Wiedemann. Der Vollständigkeit halber weist der AWV-Chef noch darauf hin, dass ein geringer Lebensmittelanteil von 0,2 Prozent auch in der Biotonne festgestellt worden sei. Diese Werte seien übrigens über die Jahre hinweg konstant geblieben. In diesem Zusammenhang hat Wiedemann auch ein Lob für die Verbraucher der Region parat. In Sachen Mülltrennung gebe es kaum etwas ernsthaft zu kritisieren. Die verschiedenen Möglichkeiten, seinen Abfall los zu werden, würden korrekt genutzt. Der komplette Bioabfall Nordschwabens wird übrigens in einer Ansbacher und einer Anlage im Kreis zur Energieerzeugung verwendet.
Der Handel ist sich der Problematik der Lebensmittelvergeudung sehr bewusst, sagt Karl-Heinz Gabler als Marktleiter eines E-Centers in Nördlingen. Er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die regelmäßig geschult würden, achteten vor allem in den sensiblen Bereichen des Supermarktes darauf, selbst nicht zum Vergeuder zu werden: „Von den Molkereiprodukten müssen wir beispielsweise höchstens rund ein Prozent tatsächlich wegwerfen. Wir planen da täglich und sorgfältig.“ Sein Markt unterstützt auch die Nördlinger Tafel mit Artikeln, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) kurz bevorsteht. Dabei weist Gabler darauf hin, dass dieses MHD in vielen Fällen, wie etwa bei Dauerkonserven, nicht darauf hindeute, wann ein Lebensmittel tatsächlich verdorben sei. Oft könne man nach sorgfältiger Prüfung so etwas durchaus auch nach Ablauf des MHD verzehren. Im Übrigen stelle er fest, dass die Verbraucher zunehmend wieder an der Bedientheke kauften, vor allem sicherlich, um nicht unnötig groß abgepackte Waren mitnehmen zu müssen.(-fd-) "Wirtschaft Seite 8