Diese Debatte ärgerte Wolfgang Goschenhofer sichtlich. Und seine Meinung brachte er so auf den Punkt: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Zug.“ Doch das sahen einige Mitglieder des Nördlinger Stadtrates ganz anders. Und Oberbürgermeister Hermann Faul formulierte es so: „Da hat nicht die Stadt Nördlingen das Steuerrad in der Hand.“ Worum es ging? Um die Reaktivierung der Hesselbergbahn in Richtung Wassertrüdingen.
Vor der leidenschaftlichen Debatte hatte Tilmann Gänsler vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg GmbH die Chancen auf eine Reaktivierung der Bahnstrecke vorgestellt – wie zuvor bereits im Stadtrat Oettingen (wir berichteten). Und die sind gering. Denn selbst nach einer Berechnung ohne die Berücksichtigung der entstehenden Kosten würde die Bahn nur im Schnitt von 960 Fahrgästen genutzt – das sind 40 weniger als gefordert. Gänsler stellte den Räten ausführlich die unterschiedlichen Parameter, mögliche Fahrtakte und Gäste vor. Auch die Schüler würden in dieser Modellrechnung zum Teil die Bahn nutzen.
Das stellte die Fraktionsvorsitzende der CSU, Dorothea Gaudernack, infrage. Schließlich würden teilweise Kinder bereits das Gymnasium in Oettingen statt das in Nördlingen besuchen, weil die Fahrtzeit dorthin geringer wäre. Auch der Fraktionsvorsitzende der PWG, Helmut Beyschlag, meinte: „Mir erscheint das alles sehr ins Optimistische gerechnet.“ Ganz anders sah das Goschenhofer: „Wir sind knapp davor.“ Die 1000 Fahrgäste, die habe doch nur jemand mal festgelegt. Und zudem sei beim Modell ein zusätzlicher Haltepunkt, etwa in Hainsfahrt, nicht eingerechnet. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen/Frauenliste kritisierte, dass die Prognose willkürlich sei. Wenn man andere Zahlen, etwa für die Freizeitnutzer annehme, komme am Ende etwas anderes heraus. Und Goschenhofer griff Ulrich Lange (CSU) an: Von ihm wünsche er sich ein genauso starkes Engagement für die Hesselbergbahn wie für die B29 neu.
Das ließ Lange nicht auf sich sitzen. Er brachte mehrere Argumente dafür vor, warum eine Reaktivierung der Bahn derzeit unwahrscheinlich ist. Zudem sagte auch er, dass die Kinder aus Löpsingen im Modell zunächst nach Dürrenzimmern, dann weiter mit dem Zug nach Oettingen und dort vom Bahnhof ans Gymnasium gebracht werden müssten: „Da möchte ich sehen, was dann da los ist.“
Rita Ortler: Was wird unternommen?
SPD-Fraktionsvorsitzende Rita Ortler meinte, das Ergebnis der Berechnung sei nicht befriedigend. Sie wollte wissen, was man jetzt unternehme. Faul entgegnete, man werde weiterhin am zuständigen Arbeitskreis teilnehmen. Aber: „Für das Innenministerium ist da jetzt Ende.“ Und das vergibt den Auftrag für den Bahnverkehr. (tiba)