Marcella Herzenberger ist die Vorsitzende des Regionalverbandes Deutscher Sinti & Roma in Schwaben. In dieser Funktion ist sie seit Jahren in Sachen Aufklärung tätig: über eine ganz spezifische Form des Rassismus, die sich gegen Sinti und Roma richtet. Er äußert sich in tief verwurzelten Vorurteilen, in Diskriminierung und Ausgrenzung bis hin zu struktureller Benachteiligung in Bildung, Arbeit, Wohnen, aber auch im ganz alltäglichen Leben.
Marcella Herzenberger, geborene Reinhardt ist selbst Angehörige der Minderheit und weiß aus eigener Erfahrung, dass der so genannte Antiziganismus nach wie vor Realität ist. „Viele Angehörige unserer Gemeinschaft verbergen ihre Identität aus Angst vor Benachteiligung, Stigmatisierung oder sogar beruflichen Nachteilen“, sagt sie, „auch ich selbst habe mich als junge Frau ab und zu als Italienerin ausgegeben, aus Angst, beleidigt oder diskriminiert zu werden.“ Nicht zuletzt deshalb und auch, um ihre Aufklärungsarbeit voranzubringen und bestehenden Stereotypen sowie den dahinterstehenden Antiziganismus entgegenzuwirken, hat sie die Wanderausstellung „Schwäbische Sinti und Roma in Vergangenheit und Gegenwart“, die aktuell im Nördlinger Stadtmuseum Station macht, kuratiert.
Wanderausstellung im Nördlinger Stadtmuseum zu Sinti und Roma
In Zusammenarbeit mit dem Bezirk Schwaben, der Bezirksheimatpflege und dem Regionalverband Deutscher Sinti und Roma Schwaben e.V. ist es ihr gelungen, spannende Einblicke in die Kultur und Geschichte deutscher Sinti und Roma zu ermöglichen. Sie sind seit 600 Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schwaben zu Hause: Das beweist sie anhand historischer Berichte und Chroniken. „Hier hat mir besonders Eva Dieckmann als wissenschaftliche Volontärin zur Seite gestanden“, sagt Marcella Herzenberger, „sie hat sich mit großem Engagement und viel Herzblut in die Ausstellung eingebracht. Ihre unermüdliche Recherchearbeit war von unschätzbarem Wert.“
Die Ausstellung zeigt, dass die Minderheit der Sinti und Roma auch in Schwaben eine wechselvolle Geschichte zwischen Ausgrenzung und Vertreibung, zwischen gegenseitiger Neugierde und Faszination sowie der Selbstermächtigung und Teilhabe, durchlebte. Und die verschweigt vor allem nicht das dunkle Kapitel der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und den damit einhergehenden Völkermord an den Sinti und Roma. Andrea Kugler und ihr Team vom Nördlinger Stadtmuseum haben die sehenswerte Schau nicht nur um schlaglichtartige Beispiele aus der Region ergänzt, sondern auch einen speziellen Blick auf Nördlinger Familien und ihre Geschichte gerichtet. So beantwortet die Ausstellung auch, was zum Beispiel der Weltfussballer Gerd Müller und die Jazzlegende Django Reinhardt mit Nördlinger Sinti-Familien zu tun haben.
Herzenberger: Zahl antiziganischer Vorfälle hat zugenommen
Doch Marcella Herzenberger geht es um noch viel mehr als nur aufzuklären. Sie möchte darüber reden, dass viele dieser Menschen immer noch ihre Herkunft nicht einfach so offenlegen können, weil sie um Leib und Leben fürchten müssen. „Die Zahl antiziganistischer Vorfälle hat wieder erschreckend zugenommen“, bedauert Marcella Herzenberger, „bundesweit wurden im Jahr 2024 1.678 antiziganistische Vorfälle dokumentiert, wobei die Dunkelziffer noch erheblich höher sein dürfte.“ Und sie warnt vor der aktuell gefährlichen Entwicklung, in der sich ein neues Klima des Nationalismus und Rechtsextremismus ausbreitet. Deshalb ist die aktuelle Ausstellung so wichtig und deshalb engagiert sich Marcella Herzenberger unermüdlich. „Wir sind jahrhundertelange Deutsche, hier ist auch unser Land. Wir haben ein Recht, hier zu sein.“
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