Als "Tatort"-Kriminalhauptkommissar Ivo Batic ist er berühmt und einem Millionenpublikum bekannt geworden, Miroslav Nemec. Sein "Tatort" ist vorigen Samstag die Schranne gewesen, wo er vor einem begeisterten Publikum Einblicke in seine Autobiografie gegeben hat.
Betitelt hat er sein Buch mit dem Namen "Miroslav Jugoslav" und gibt im Laufe von zwei Stunden dem aufmerksamen Zuhörer ein anschauliches Bild vom Stadtleben in der kroatischen Hauptstadt Zagreb im alten Jugoslawien. Dort hat der 1954 Geborene seine Kindheit verbracht. Er kommt als Jugendlicher nach Deutschland und wächst bei Pflegeltern im bayerischen Freilassing auf, ohne den Bezug zur kroatischen Heimat zu verlieren.
Miroslav Nemec liest in Bopfingen aus seiner Biografie "Miroslav Jugoslav"
Zitate aus seinem Lebenswerk sind auch eine Hommage an unzählige seiner Landsleute. Besonders an solche, die seit den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, vor allem im Baugewerbe, dafür mitgearbeitet haben, dass in Deutschland neuer Wohnraum entstand. "Die Jugoslawen" wurden sie da genannt, doch kaum einer von ihnen wollte ein solcher sein. Auch das findet sich in der Autobiografie, mit Blick auf den Titoismus. Ein Sozialismus, der einzelnen Regionen und ethnischen Gruppierungen Selbständigkeiten einräumte. Und somit war ein stolzer Kroate nie ein Jugoslawe. Wer als Deutscher Land und Leute kennenlernen durfte oder gar Freundschaften zu Kroaten pflegt, kann ein Lied davon singen. Das kann "Miroslav" besonders gut, tut es mehrere Male an jenem Abend, und das bringt Leben in die Schranne.
Armes Leben mit starkem Familienband in Zagreb
Dabei erfahren die Besucher auch, wie "armselig" das Stadtleben in Zagreb damals war, welch starke Familienbande dafür aber gepflegt wurden. Belebt wird das Buch auch durch detaillierte Personencharakteristiken. Es ist eine Familiensage bis zu den Wurzeln von Baka und Prabaka (Großmutter und Urgroßmutter). Der politische Witz, den Marschall Tito mit seinem schlauen "leicht nach Westen geöffneten Sozialismus" noch gelten ließ, erfährt Urständ in dieser heiteren Geschichtsstunde. Sie wird belebt von anschaulichen Beschreibungen unzähliger erlebten Film-Drehszenen und immer wieder Begegnungen mit Menschen.
Dass ihn unbedarfte Fernsehkonsumenten hier auch mal als "Bergdoktor" angesprochen haben, bringt den "Kommissar" zum Lachen, und dank seiner Erzählkunst überträgt sich das wie vieles andere an diesem Abend immer wieder auf seine Zuhörer. Dialekte werden imitiert, besonders schön kommt der Wiener Schmäh herüber, beherrscht doch der "Tatortkommissar", auch "weanerisch" zu reden. Und nicht zuletzt erfährt durch die Livedarstellung eines Akteurs mancher "Tatort"-Fan im Publikum, das die Schranne bis auf den letzten Platz an diesem Abend besetzt hat, vielleicht auch das: Allesamt sind wir Menschen, die einer Rolle gerecht zu werden versuchen, und "Miroslav" gelingt das besonders gut.