Startseite
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten

Dieter Hubel: Ein Amtsgerichtsdirektor verabschiedet sich

Nördlingen

Ein Leben für die Justiz: Der Amtsgerichtsdirektor von Nördlingen tritt ab

  • |
  • |
  • |
  • |
    Dieter Hubel, Direktor des Amtsgerichts Nördlingen, ist in den Ruhestand getreten.
    Dieter Hubel, Direktor des Amtsgerichts Nördlingen, ist in den Ruhestand getreten. Foto: Cara-Irina Wagner

    Noch ein letztes Mal, für das Interview mit unserer Redaktion, öffnet der ehemalige Amtsgerichtsdirektor Dieter Hubel die Tür seines sonnendurchfluteten Büros im Nördlinger Amtsgericht. Denn seit Mitte Juni ist der 63-Jährige offiziell nicht mehr im Amt und genießt seinen wohlverdienten Ruhestand.

    Der Oettinger Dieter Hubel ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. Geboren wurde er in Nördlingen, aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er in Bopfingen. Nach dem Abitur studierte er Jura in Erlangen. Die Justiz war schon immer sein erklärtes berufliches Ziel. Ihm gefiel daran vor allem der Umgang mit Menschen, auch mit schwierigen. Zudem könne man in der Justiz sehr objektiv mit Fällen umgehen, mehr als das ein reiner Interessenvertreter, ein Anwalt, tun müsse, sagt der 63-Jährige.

    Prägende Fälle bleiben im Gedächtnis

    Sein Rechtsreferendariat absolvierte hat er in Ansbach. 1988 begann Hubel seine Karriere bei der Staatsanwaltschaft, vier Jahre später wechselte er ins Straf- und anschließend beim Amtsgericht ins Zivilreferat. 1994 folgte er dem Ruf ans Landgericht Ansbach, wo er einige Jahre in zwei Zivilkammern arbeitete. Im Jahr 2000 ging Hubel zurück zur Staatsanwaltschaft Ansbach. Vor allem aus dieser Zeit sind ihm mehrere Prozesse im Gedächtnis geblieben. Da war eine Mutter, die ihre eigene Tochter aufgrund einer psychischen Erkrankung über den Balkon in die Tiefe gestürzt hat, wie Hubel erzählt. Oder der Fall eines Ehemanns, der seine Frau zu einer Aussprache bestellt hatte, um sie regelrecht hinzurichten. Auch der Mann, der seine Expartnerin vor den Augen des eigenen Kindes angezündet hat, ist ihm noch heute besonders in Erinnerung.

    Fälle wie diese beschäftigten ihn natürlich auch im Privaten, allerdings hatte er mit der Zeit Routinen entwickelt, um diese Dinge weitgehend im Büro lassen zu können, sagt der 63-Jährige. Welch große Verantwortung der Beruf mit sich bringt, habe ihm ein Ereignis ganz am Anfang seiner Karriere gezeigt. Ein junger Mann war auf der Autobahn unterwegs und eingeschlafen und hatte deshalb einen Unfall verursacht. Der Vater des Angeklagten rief Hubel nach der Verhandlung an und gab ihm zu bedenken, dass das Urteil die berufliche Laufbahn des Sohnes zerstöre. „Aber die Rechtslage war eindeutig. Man muss sich der Macht, die man diesem Amt hat, jederzeit bewusst sein“, so der ehemalige Direktor.

    Pandemie bringt Herausforderungen mit sich

     
    2005 fing Hubel an, bei der Generalstaatsanwaltschaft in Nürnberg zu arbeiten. Nach vier Jahren wechselte er ans Amtsgericht Weißenburg als Direktor, bevor er 2018 dann in Nördlingen die Nachfolge von Helmut Beyschlag antrat. In Hubels Dienstzeit ist auch die Corona-Pandemie gefallen, eine herausfordernde Zeit auch am Amtsgericht Nördlingen. Neben den besonderen Bedingungen im täglichen Betrieb brachte die Pandemie auch einen hohen Arbeitsaufwand für die Strafabteilung mit sich, die von 2022 bis Mitte vergangenen Jahres mit der Aufarbeitung, beispielsweise von Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, beschäftigt war.

    Eine weitere Herausforderung in Hubels Amtszeit waren viele Personalwechsel, vor allem im Richter- als auch im Servicebereich und bei den Rechtspflegern. Denn viele hatten das Pensionsalter erreicht. Auch die Einführung der E-Akte, die in vielen Abteilungen des Amtsgerichts bereits umgesetzt und in anderen noch geplant ist, war ein großer Meilenstein in den vergangenen Jahren.

    Reichsbürger sind auf dem Vormarsch

    Während seiner Laufbahn hatte Hubel auch des Öfteren bereits mit Menschen zu tun, die den Rechtsstaat leugnen und dessen Entscheidungen nicht anerkennen wollten. Fälle, die sogenannte Reichsbürger oder Germaniten betrafen, hätten vor allem im vergangenen Jahr wieder zugenommen, erklärt der Jurist. Er kann sich vorstellen, dass dies an der großen Kommunikation im Internet liegt. Auch gäbe es mittlerweile auf einschlägigen Internetseiten sogar vorgefertigte Schreiben, die eingereicht würden.

    Auf seine Zeit in Nördlingen schaut Hubel gerne zurück. „Ich konnte mich immer auf meine Mannschaft verlassen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren über alle Ebenen hinweg motiviert und hilfsbereit und haben mir meine Arbeit als Direktor erleichtert“. Deshalb habe ihm die Arbeit stets Freude bereitet. „Es war mir eine Ehre, dass ich in Nördlingen Direktor sein durfte“, sagt er heute.

    Die Justiz wird Dieter Hubel in seinem Ruhestand erst einmal nicht begleiten. Anders als manche seiner Vorgänger will er zunächst nicht als Notarvertreter arbeiten, sondern sich in erster Linie der Gartenumgestaltung zu Hause und seinen Hobbys, Sport, Wandern oder Skifahren, widmen. Wer in Zukunft den Platz an seinem Schreibtisch einnehmen wird, ist bislang nicht bekannt. Die Stelle habe man ausgeschrieben und Bewerber seien da, sagt Hubel. Der oder die Nachfolgerin wird voraussichtlich zum 13. September die neue Stelle antreten.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren