Unser Autor hat ein Schwein gekauft.Foto: Jan-Luc Treumann
Falls Sie am Samstag über den Altstadtflohmarkt in Nördlingen gebummelt sind und jemanden gesehen haben, der auf einem Fahrradanhänger ein Schwein durch die Straßen und die Menschenmengen manövriert hat: Das war ich! Natürlich war es kein echtes Schwein, nein es ist eines dieser Schweine, wie sie der Stadtmarketingverein an die örtlichen Geschäfte verkauft. Und dass meine Freundin und ich mal an so eines kommen, hätten wir nie gedacht. Das sorgte für unterschiedliche Reaktionen.
Schon seit Wochen haben wir uns auf den Flohmarkt gefreut, waren gespannt, was wir für Schätze finden. Dass jemand die Sau rauslassen würde, konnten wir zu dem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen. Für den Transport größerer Gegenstände überlegten wir, unseren Fahrradanhänger mitzunehmen – doch das wollte ich nicht. Nicht, dass wir dann gar nichts finden. Ich bin natürlich nicht abergläubisch – das bringt schließlich Unglück.
Altstadtflohmarkt: Kommen wir zu spät, um das Schwein zu kaufen?
Ein paar Straßen waren am Samstag abgeklappert, ein paar Spiele erstanden, doch noch nichts Großes. Mit einem Fladen (ohne Schwein) schlenderten wir also des Weges und dann stand sie da, die Sau. Wunderschön, wenn auch arg in Mitleidenschaft gezogen. Angefahren wurde sie (eine Schweinerei ist das, passt doch besser auf), notdürftig mit Tesa geklebt, doch Risse klaffen an der Seite, sie muss geflickt werden.
Altstadtflohmarkt in Nördlingen: Schnäppchen und Kuriositäten
Die gesamte Nördlinger Altstadt wurde am Samstag zur Flohmarktfläche und für den Verkehr gesperrt. Unser Reporter Matthias Link hat mit seiner Kamera dokumentiert, was es an den Ständen zu ergattern gab.
Doch außer Frage stand für uns: Dieses Schwein müssen wir erwerben, was macht die Frau dort am Stand, kommen wir um eine Minute zu spät? Hätten wir den Fladen nicht kaufen sollen? Doch sie will nur einen Stuhl reservieren lassen. Kaum zu glauben, dass noch niemand zugegriffen hat. Doch jetzt sind wir an der Reihe: "Hältst du meinen Fladen?", Geldbeutel raus, wir kaufen die Sau, lassen sie zurücklegen und holen unseren Fahrradanhänger.
Das Schwein zieht die Blicke in Nördlingen auf sich
Eines muss ich vielleicht erläutern: Schon als ich als Volontär im Jahr 2019 nach Nördlingen kam, hat die Stadt mich in den Bann gezogen, die Stadtmauer, dieses Flair – für Nördlingen konnte ich es mir vorstellen, in die Kleinstadt zu ziehen. So geschah es schließlich auch, als ich ein wenig später wieder zurückkehrte. Und die Faszination für Nördlingen umfasst folgerichtig auch die Begeisterung für die Legende von der Sau, die Nördlingen gerettet hat. Wir haben bereits vorher überlegt, in unserem Garten diese Geschichte aufzugreifen, eine Art Tor haben wir schon – doch woher sollten wir das Schwein nehmen? Die Antwort gab es am Samstag.
So bahnten wir uns den Weg an den Flohmarktständen vorbei. Gemurmel von allen Seiten: "Die haben eine Sau gekauft", "Schau mal, ein Schwein". Erwachsene, deren suchender Blick nach Schätzen zunächst ungläubig erstarrt und sich dann in Lächeln verwandelt; Kinder zeigen neugierig auf unseren Wagen, wollen mal schauen und die Sau anfassen. Das Schwein fasziniert. So mancher Flohmarktbesucher meint vermeintlich witzig: "Gibt's heute Abend Spanferkel?" oder "Wird die Sau geschlachtet?" Nein, wir sind Vegetarier. Das Schweinchen kommt in artgerechte Haltung. So bleibt nur eines zu sagen: Mit diesem Fund haben wir und das Schwein sauglück gehabt.