Das Imperium Romanum, das riesengroße Römische Weltreich, gab es auch in der sogenannten Provinz, auf dem Land, im Landkreis Donau-Ries. „Auch hier im Ries war das römische Reich“, sagt Museumsleiterin Barbara Heinrich bei einem Vorab-Besuch der Redaktion im Heimatmuseum, „und wir haben es unter anderem den vielen ehrenamtlichen Feldgehern zu verdanken, dass wir beweisen können, wie präsent die Römer hier waren. Und welch erstaunliche Errungenschaften sie hinterlassen haben, die bis heute Einfluss auf unser Leben haben.“
Ein Dreierteam, bestehend aus Barbara Heinrich, Peter Anders und Dr. Zoltán Havas kümmerte sich um die Ausstellung. In deren Zentrum, die am 10. Mai, um 14 Uhr, eröffnet werden wird, stehen das Kastell Losodica (Munningen), die Straßensiedlung Oettingen sowie die Gutshöfe im Umfeld dieser beiden Orte. Anhand von Forschungsberichten, aber vor allem anhand von Funden und Objekten zeichnet sie ein verblüffendes Bild der raetischen Provinz und zeigt, wie sich das Ries während der römischen Kaiserzeit – dem Zeitraum von ca. 50 – 260 nach Christus – darstellte.
Ausstellung in Oettingen: Bewusst keine überstrahlenden Funde
„Sie erzählt vom Kleinen über Großes, vom Fragment über das Ganze und aus der Provinz über das Reich“, sagt Peter Anders, der seit Jahren nicht nur selbst als sogenannter „Feldgeher“ über zahlreiche Funde verfügt, sondern sein umfassendes Wissen über Archäologie in der tatsächlichen Sichtbarmachung der damaligen Gegebenheiten weitergibt. Anstoß für die Konzeption der Ausstellung war die Übergabe der archäologischen Sammlung von Werner Paa in die Sammlung des Heimatmuseums. Barbara Heinrich sagt: „Wir wollten den Fokus der Ausstellung bewusst nicht auf alles überstrahlende High-End-Ausstellungsstücke legen, sondern uns vor allem auf die ebenso wichtigen und wirklich aussagekräftigen Lesefunde von mehreren Feldgehern konzentrieren. Denn diese Ehrenamtlichen mit ihren Kleinfunden liefern, wenn man sie mit den neuesten Erkenntnissen der professionellen Archäologie abgleicht und ergänzt, ein erstaunlich komplexes und überraschend klares Bild des römischen Oettingen und seines Umfeldes.“
Und tatsächlich ist es faszinierend zu sehen, dass „das Imperium“ keine abstrakte Macht war, sondern gelebte Realität in Rieser Städten, Dörfern, Militärlagern und ländlichen Siedlungen. Die Ausstellung hat gerade deshalb eine besondere Faszination, weil sie mit sichtbaren Materialien arbeitet und so politische Geschichte und Alltagsleben mit bekannten globalen Ereignissen verknüpft. „Imperium im Kleinen“ zeigt nicht einfach nur, „wie die Römer hier lebten“, sondern macht anschaulich, warum die römische Welt bis heute wirkt: in Recht, Infrastruktur, Religion, Städtebau und kulturellen Grundlagen. Dabei geht die Ausstellung weit über das bloße Zeigen einer Fülle von Fundstücken hinaus. Sie erklärt, wie selbst kleinste, winzige Funde eine ganze Welt eröffnen.
Im Ries gab es auch hochwertiges Olivenöl aus Spanien
Nur ein Beispiel davon ist die Tatsache, dass es schon damals im Ries hochwertiges Olivenöl von Lieferanten aus Spanien gab. Nicht für das Volk sicherlich, aber die Oberschicht hat es sich buchstäblich an nichts fehlen lassen. Wie das alles zusammenhängt, wie gesucht, geforscht, gefunden und bewiesen wird, zeigt diese unglaublich interessante Ausstellung, die am 10. Mai eröffnet wird. Zu sehen ist sie bis Anfang nächsten Jahres, flankiert von einem genauso erhellenden Begleitprogramm. Alle Infos über Öffnungszeiten, Termine, Vorträge, Kinderprogramme etc. findet man unter www.heimatmuseum-oettingen.de.
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