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Nachbarschaftshilfe Nördlingen stärkt Senioren durch ehrenamtliches Engagement

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„Jetzt die Gesellschaft prägen“: Warum sich Susanne Schaffer für Senioren engagiert

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    Susanne Schaffer (links) engagiert sich bei der Nördlinger Nachbarschaftshilfe. Fast jeden Montag spielt sie Rommé mit Emilie Nink.
    Susanne Schaffer (links) engagiert sich bei der Nördlinger Nachbarschaftshilfe. Fast jeden Montag spielt sie Rommé mit Emilie Nink. Foto: Martina Bachmann

    Es war diese eine Dame, die Susanne Schaffer für die ältere Generation begeistert hat. Die wurde einst ins Krankenhaus gebracht, nachdem sie im hohen Alter in ihrem Haus gestürzt war. Keinen anderen wollte die Dame zu sich lassen als ihren einstigen Bankberater Karl Schaffer, Susanne Schaffers Mann. Obwohl der seine Klientin sechs Jahre zuvor „abgegeben“ hatte, stieg er ins Auto und fuhr mit seiner Frau in die Klinik. „Dann haben wir ihre Betreuung übernommen“, erinnert sich die Nördlingerin. Eine mit Höhen und Herausforderungen, wahrscheinlich auf beiden Seiten. Eines hat diese Dame Susanne Schaffer aber, wenn man so will, gelehrt: die Zuneigung für die ältere Generation. Und die trägt jetzt ihre Früchte bei der Nördlinger Nachbarschaftshilfe.

    Schon seit 2015 ist Susanne Schaffer ehrenamtlich in diesem Verein engagiert, aktuell ist sie die Zweite Vorsitzende. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, Tandems zu bilden, also Menschen zu finden, die zusammenpassen. Die eine Seite ist jünger, die andere älter. Die eine profitiert von einer unglaublichen und besonderen Lebenserfahrung, geprägt von einem Weltkrieg, die andere von jemandem, der zuhört. „Viele Menschen sind im Alter über viele Stunden allein. Das macht ihnen oft nichts aus, aber Gesellschaft ist dennoch schön“, sagt Susanne Schaffer. Die älteren Menschen seien meist nicht mehr so mobil, hätten das Gefühl, nicht mehr so mithalten zu können. Und ihre Geschichten, die hätten die Kinder und Enkel ja meistens schon gehört. Zudem würden Senioren oft nicht mehr gut hören können, was besonders in einer Gruppe zu Schwierigkeiten führe: „Da schalten sie dann ab.“

    Helfer gehen mit Senioren zum Kaffeeplausch oder zum Einkaufen

    Die Nachbarschaftshilfe Nördlingen bietet deshalb eine 1:1-Betreuung für ihre Klienten an. Die Tandems treffen sich beispielsweise zu einem gemeinsamen Kaffeeplausch: „Die Senioren brauchen manchmal einfach jemanden, der auf sie eingeht.“ Die Paare bleiben dabei immer gleich, damit Vertrauen entstehen kann. Oft werden Gespräche mit Alltagshilfe verbunden: So gebe es beispielsweise eine Helferin, die mit einer Seniorin seit rund zehn Jahren einmal pro Woche einkaufen gehe. Manches Mal melden sich die Kinder der Senioren, die weiter weg wohnen, und bitten um die ehrenamtliche Betreuung ihrer Eltern. Manches Mal wohnen die Kinder aber auch im Ries, doch sie wünschen sich jemanden, der auch mal unbeschwerte Themen mit ihren Müttern oder Vätern bespricht - und nicht, wie sie selbst, die ernsten, aber essenziellen.

    Rund 400 Stunden stecken Susanne und Karl Schaffer pro Jahr in die Nachbarschaftshilfe, die aus einer privaten Initiative heraus entstanden und konfessionsunabhängig ist. Ihr Mann ist der Kassenwart des Vereins, erster Vorsitzender ist Werner Luther. Sie sucht nicht nur die Tandems aus, sie ist auch beim ersten Gespräch dabei. Rund 30 Freiwillige engagieren sich in der Nachbarschaftshilfe, etwa 21 regelmäßige Einsätze gebe es derzeit. Eigentlich bräuchte es aber viel mehr Menschen, die Anfragen sind da: „Ehrenamt bedeutet ja freiwillig. Wenn man das morgen nicht mehr machen will, dann muss man es auch nicht. Man kann es einfach ausprobieren, da gibt es keine Konsequenzen.“ Ein Gewinn sei solch ein Engagement auf jeden Fall. Gerade diejenigen, die nicht mehr arbeiten müssten, aber noch fit sind und ihre Zeit für die ältere Generation nutzen könnte, will Susanne Schaffer ansprechen: „Wir haben jetzt die Gelegenheit, die Gesellschaft zu prägen.“

    Die ältere Dame von damals etwa, die habe so viel Lebenserfahrung gehabt, sei mit viel Pragmatismus an alles herangegangen: „Sie war im Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester in Russland. Der konnte niemand mehr etwas vormachen.“ Die Senioren von heute hätten so viel entbehrt und gearbeitet, von dieser Lebensleistung profitierten nachfolgende Generationen. Dafür Wertschätzung zurückzugeben, das ist Susanne Schaffer ein Anliegen. „Diese Menschen nehmen sich selbst nicht so wichtig“, sagt sie. Und die Senioren hätten Dinge anders wert geschätzt, weil sie nach Bedarf eingekauft hätten - und Shoppen kein Hobby für sie war, wie es heute oft sei.

    Die Dame ist mittlerweile verstorben, doch Susanne Schaffer geht seit 14 Jahren in der Regel einmal pro Woche für drei Stunden ins Seniorenheim. Sie spielt Rommé mit Emilie Nink, hört zu. „Das tut mir einfach gut.“ Die Emotionsbatterie werde dabei auch wunderbar aufgeladen.

    Kontakt

    Die Nördlinger Nachbarschaftshilfe ist unter Telefon 09081/2762027 erreichbar.

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