In der Landwirtschaft explodieren derzeit die Kosten für den Stickstoffdünger. Grund sind die rasant gestiegenen Preise für Erdgas, das für dessen Herstellung benötigt wird. Seit wenigen Tagen kommt auch noch der Ukraine-Krieg hinzu, der für zusätzliche Verunsicherung sorgt. Der Rieser Landwirt Roland Nass ist hautnah von der Entwicklung der Dünger-Preise betroffen.
Er betreibt zwischen Gosheim und dem Alerheimer Ortsteil Bühl einen großen Betrieb. „Wir müssen uns angesichts dieser um bis zu 300 Prozent gestiegenen Kosten für den Dünger sehr gut überlegen, wie wir dessen Ausbringung ein Stück weit zurückfahren und mehr Gülle oder anderen Naturdünger einsetzen“, sagt Nass im Gespräch mit unserer Redaktion. Vor drei Wochen habe er eine solche Situation nicht für möglich gehalten, räumt er ein.
Brot, Kartoffeln und Nudeln könnten mehr kosten
Sollten die Preise auf dem hohen Niveau bleiben und es wegen des Kriegs zu weiteren Lieferengpässen kommen, seien erhebliche Ertragsrückgänge bei der diesjährigen Ernte nicht gänzlich auszuschließen. Dies könne in der Folge ohne Weiteres zu höheren Verbraucherpreisen etwa bei Brot, Kartoffeln oder Nudeln führen. Auf den ersten Blick möge dies vielleicht als Vorteil für die Landwirte erscheinen. Doch eine verbesserte Ertragssituation werde durch die erhöhten Betriebsmittelpreise gerade beim Dünger, aber ganz besonders auch beim Diesel für die Traktoren wieder konterkariert, erklärt Roland Nass die komplizierte Lage.
Wie er die nahe Zukunft einschätze? Der Gosheimer äußert sich zurückhaltend: „Das kann niemand vorhersehen. Aus heutiger Sicht kann ich leider nicht allzu optimistisch sein. Das hohe Preisniveau bei den Rohstoffen wird sich wohl nicht so schnell ändern. Wir Landwirte, aber auch die Verbraucher, müssen mit der Situation irgendwie klarkommen.“
Statt 20 Euro hat ein Landwirt aus Birkhausen jetzt 60 Euro für Stickstoffdünger bezahlt
Wie gravierend die Preisentwicklung beim Dünger mittlerweile ist, schildert Landwirt Karlheinz Götz aus Birkhausen am eigenen Beispiel. „Im vergangenen Jahr habe ich für 100 Kilogramm Kalkammonsalpeter, den gängigsten Stickstoffdünger, einen Preis von rund 20 Euro bezahlt. Jetzt liegen wir bei knapp über 60 Euro“. Götz weist auf ein gewisses Dilemma hin, vor dem die Landwirtschaft stehe. „Wenn wir den Ertrag auf unseren Feldern weiter sichern möchten, können wir nicht allzu viel beim Düngen sparen,“ erklärt der Obmann des Bauernverbands im Landkreis Donau-Ries die verzwickte Lage.
Ein positiver Umstand sei, dass das Getreide wieder mehr koste und dadurch die Landwirte als Erzeuger mehr dafür bekämen. „Auf der anderen Seite sind dann wieder die Preise für das Futter der Tiere nach oben gegangen.“ In der Landwirtschaft rede man derzeit in erster Linie nicht von Umsätzen, die erwirtschaftet würden, sondern von explodierenden Kosten in allen Bereichen. Für die Zukunft wagt Karlheinz Götz keine Prognose. Eines sei für ihn allerdings augenfällig: „Der gesamte Agrarbereich ist weltweit komplett durcheinandergeraten – mit nicht abschätzbaren Folgen für alle.“
Mit Beginn des Kriegs in der Ukraine sind die Düngerpreise massiv nach oben geschnellt
Frank Ruf, Geschäftsführer der Agro Donau-Ries in Nördlingen, spürt in seinem Unternehmen die Auswirkungen der Preisexplosion und des Kriegs in der Ukraine ebenfalls unmittelbar. Er verweist auf eine Phase Anfang dieses Jahres, wo die Düngerpreise sogar etwas „zu bröckeln“ begonnen hätten. „Dann begann aber der Ukraine-Krieg und sie sind wieder massiv nach oben geschnellt.“
Die Agro beziehe ihren Dünger im Wesentlichen aus Werken in Osteuropa. Für die kommende Woche erwarte er wieder einen Zug von dort. Er hoffe, dass die Lieferung planmäßig in Nördlingen eintreffe. Bis jetzt sei jedenfalls noch „alles im Plan“. Sollte der Krieg eskalieren, könne das ruckzuck wieder anders ein. „Alles hängt am seidenen Faden.“
Keine allzu großen Sorgen macht sich Frank Ruf über die Rieser Landwirtschaft – derzeit zumindest. Nachdem die Bauern höhere Preise für ihre Erzeugnisse erzielen könnten, werde seiner Einschätzung nach die Preisexplosion beim Dünger keine großen Auswirkungen auf sie haben. Aber auch das könne sich gegebenenfalls ganz schnell ändern.