Wer zu Fuß oder per Rad aus Nördlingen zum Krankenhaus möchte, kommt an ihr nicht vorbei: an der Brücke "Nö 26", die vor der Klinik über die Staatsstraße 2212 Richtung Reimlingen samt parallelem Radweg hinweg- führt. Für Autofahrer dort ist das Bauwerk ebenfalls ein altbekannter Anblick. Jetzt baut die Stadt Nördlingen die Fußgängerbrücke neu, wofür sie die Straße ab Mittwoch, 28. Juni, sperrt. Die vollständige Sperrung zwischen dem Stift und dem Abzweig an der Krankenhausstraße betrifft voraussichtlich bis Ende Dezember 2023 alle Verkehrsteilnehmer.
"Altbekannt" ist die Brücke tatsächlich. Laut Michael Bauhammer, Leiter des Tiefbauamts bei der Stadt Nördlingen, steht sie seit 1982 an ihrem heutigen Platz. In 41 Jahren habe die Witterung die damals übliche, kostengünstige Bauweise mit Holz in einen "baulich schlechten Zustand" versetzt.
Diesen habe die Landesgewerbeanstalt (LGA) Bayern, die im Auftrag der Regierung etwa die Statik von Brücken prüft oder Bauprodukte überwacht, nach jeder jährlichen Untersuchung von Neuem festgestellt. In den vergangenen Jahren habe die Stadt daher immer wieder Brückenteile ausgetauscht. Doch trotz bereits erfolgter, halbseitiger Sperrung – einer Auflage der LGA, um "Gewicht von der Brücke fernzuhalten" – sei die Verwendung nun "zu gefährlich".
Brücke vor dem Nördlinger Stiftungskrankenhaus wird erneuert
Ab Mittwoch gegen 7 Uhr werde deshalb die Straße gesperrt, um die Baustelle für den Abriss am Montag vorzubereiten, so Bauhammer, dann werde die Brücke "Stück für Stück" abgetragen. "Von Grund auf neu" baue sie danach das Bauunternehmen Hochstatter aus Wittislingen, das sich bei der Projektausschreibung durchgesetzt habe. Der Bau dauert wohl bis Ende Dezember. Erst entstehe ein neues Widerlager – ein massiver Unterbau und Übergang zwischen Brücke und Erddamm – aus Beton.
Darin eingehoben werde später die Stahlbrücke, deren Lebensdauer Bauhammer auf 100 Jahre schätzt. Außerdem nehme die Telekom geringfügige Arbeiten zur Leitungsumlegung vor. Optisch entspreche die geplante Brücke ihrem bereits erneuerten Pendant über der Krankenhausstraße, ihrem Beispiel solle in den kommenden Jahren auch die Brücke zum Sportpark folgen. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 800.000 Euro trage die Stadt.
Die Umleitungsstrecke sei gut ausgeschildert. Wer von der Oskar-Mayer-Straße kommend mit dem Auto zur Klinik gelangen möchte, muss aber einen großen Umweg fahren. Pkw-Fahrer biegen vor der Sperrung auf die Krankenhausstraße, dann auf die Augsburger Straße ab, fahren an der "Brezel" auf den Heuweg nach Reimlingen, und von dort wieder auf die St2212. Radfahrer haben es kürzer: Sie nehmen die Gerhart-Hauptmann-Straße, biegen auf die Elbinger Straße ab, fahren durch den Rieser Sportpark und überqueren die St2212 auf der Rückseite der Sperrung. Auch Fußgängern wird dieser Weg empfohlen.
Rettungsfahrzeuge bekommen für Nördlinger Baustelle eigene Umleitung
Für Rettungsfahrzeuge gebe es eine eigene Umleitung, so Bauhammer, die durch den Industriepark führe und mit rund einem Kilometer Länge lediglich einen "marginalen" Zeitverlust darstelle. Klinikmitarbeitern im Bereitschaftsdienst stünde diese Strecke ebenfalls zu, ergänzt Markus Bettinger von der Polizei Nördlingen, "normalen Autofahrern" hingegen nicht.
Vertreter der Nördlinger Rettungskräfte hätten auf einer vorbereitenden Sitzung der Stadt eine halbseitige Sperrung unter der Brücke, zur Nutzung für Einsatzfahrzeuge während der Fundamentarbeiten, vorgeschlagen. Das erzählt Norbert Jawansky, Nördlinger BRK-Bereitschaftsleiter und selbst ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig. Die Stadt habe sich dagegen entschieden – aber extra für die Einsatzkräfte einen Feldweg am Rand des Rieser Sportparks befestigen lassen.
Damit sollten diese weiterhin ihre zwölfminütige "Hilfsfrist" einhalten können, in der sie in Bayern am Notfallort eintreffen müssen. Marco Kurz, Stadtbrandinspektor der Freiwilligen Feuerwehr Nördlingen, gibt ihm recht: Für ihre Arbeit sei das eine "relativ gute Lösung".