Am nächtlichen Himmel über dem Ries hat sich am Montag ein ungewöhnlicher Besucher aus dem All sehen lassen. Nur für wenige Sekunden konnten Neugierige einen Lichtkörper ausmachen, der sich schnell wie ein Blitz übers Firmament bewegte, nur um mit einem Aufglühen wieder zu verschwinden. So rasch ließ sich unmöglich eine Kamera zücken - zum Glück hatte die Stadt Nördlingen aber einen Trumpf in der Hand. Die "Allsky-Astrocams" auf dem Dach des dortigen Rieskrater-Museums fingen den Flug des "Bolids", wie ein großer, besonders heller Meteor auch heißt, über Bayern und weiteren Teilen Mitteleuropas ein.
Kameras des Rieskrater-Museums fangen Lichtblitz ein
Auf den Fotos der Schwarz-Weiß-Kamera seien der "außerordentlich schnelle" Anflug des Meteors und um 22.45 Uhr der Lichtblitz zu erkennen, teilen das Museum und die Stadt mit. Die sehr lichtempfindliche Kamera nehme nur nachts den Himmel in kurzer Folge auf. Die Farbaufnahme der zweiten Kamera zeige die letzte Phase mit einer kleinen Leuchtspur und der Explosion des Körpers.
Die "von Südost nach Nordwest verlaufende, visuell hellgrüne Lichtspur" sei "deutlich heller als der Mond" gewesen, beschreibt Oberbürgermeister David Wittner das Phänomen. Sogar "einhundertmal so hell wie der Vollmond", sagt Dr. Oliver Sachs, Vorsitzender der Freunde des Rieskrater-Museums.
Er hat einen Bericht des Astronomen Dr. Pavel Spurný übersetzt, ein Experte für Meteore, Kometen und Asteroiden an der tschechischen Akademie der Wissenschaften. In 6,4 Sekunden habe der Bolide seine rund 134 Kilometer lange Lichtstrecke durch die Erdatmosphäre zurückgelegt. Bei einem Gewicht von 260 Kilogramm sei er nur 70 bis 80 Zentimeter groß gewesen. Der Grund: Der "schmutzige Schneeball" hätte wohl aus Wassereis, gefrorenen Gasen, Staub und kohlenstoffhaltigen Verbindungen bestanden.
Das "Plasmaleuchten" sei beim Eintritt in die Atmosphäre erzeugt worden, schildert der Leiter des Rieskrater-Museums und des Zentrums für Rieskrater- und Impaktforschung, Professor Stefan Hölzl. Dort habe sich die Oberfläche des Meteors so "extrem erhitzt", dass abgeschmolzene Partikel mit den Gasmolekülen "wechselwirkten". Den Grund für die Grünfärbung des Leuchtens vermutet er in abgelösten Magnesium- oder Nickelatomen. Ein mehrmaliges Aufleuchten im Flug sei wohl, so Sachs, beim Zerbrechen des "Feuerballs" entstanden. Dabei seien auch mehrere Knalle hörbar gewesen.
Die "große Sternschnuppe" bedeutete keine Gefahr für die Menschen
Eine Gefahr für die Menschen habe die "große Sternschnuppe" jedoch nicht dargestellt. Über drei Jahre hätte der kleine, ehemalige Bestandteil der Jupiter-Kometen-Familie die Sonne umkreist, bis seine Umlaufbahn ihn auf die Erde geführt habe. In geschätzt 30 Kilometern Höhe seien dort die gasförmigen Bestandteile verdampft oder verglüht. Zu enttäuscht sollten Sucher der seltenen Bruchstücke nicht sein: Nach Angaben der Stadt Nördlingen gehen durchschnittlich 14 "Meteoroiden" dieser Größe jedes Jahr in Deutschland nieder. Durch einen Meteoriteneinschlag ums Leben gekommen sei bisher aber weltweit nur ein einziger Mensch.
Solche Ereignisse ließen sich inzwischen immer zuverlässiger vorhersagen, berichtet Sachs, sofern die Brocken entsprechend groß seien. Die Druckwelle einer Asteroidenexplosion in Sibirien habe allerdings vor fast genau 115 Jahren Millionen Bäume umgeworfen: Das geschah beim "Tanguska"-Ereignis am 30. Juni 1908. Auch damals sei nichts vom Himmelskörper auf der Erdoberfläche angekommen.
Der 30. Juni ist deshalb noch heute der jährliche internationale Asteroiden-Tag. Vielleicht ja auch ein guter Anlass, um am Wochenende den Meteoriten "Neuschwanstein" und "Chelyabinsk" im Rieskrater-Museum einen Besuch abzustatten. Die Kameras auf seinem Dach haben den Himmel weiterhin im Visier, die Aufnahmen finden sich täglich neu auf der Museums-Website. Direkt am Himmel gibt es ab Mitte Juli mit den Perseiden sogar wieder Meteore zu bestaunen. Dazu noch eine Anmerkung der Stadt: "Meteoroiden" sind kleinere Körper, die durchs All fliegen. Sind sie am Nachthimmel zu sehen, heißen sie "Meteore". Sobald sie oder Teile davon am Boden gefunden werden, werden sie zu "Meteoriten". (mit AZ)