Die neue Frauenklinik am Nördlinger Stiftungskrankenhaus ist am Donnerstagnachmittag eröffnet worden. Rund 1,7 Millionen Euro wurden in die neuen Räume investiert, die Regierung von Schwaben fördert das Projekt mit circa 900.000 Euro. Chefarzt Kiriakos Savvidis und seine Kollegen können jetzt in modernen Behandlungsräumen ihre Patientinnen untersuchen und Dienstzimmer für Pausen nutzen. Savvidis hat zudem ein klares Ziel, auf welche Themen sich die Nördlinger Frauenklinik in der Zukunft spezialisieren soll.
Er will am Nördlinger Stoffelsberg ein Zentrum für Beckenboden und ein Zentrum für Endometriose aufbauen. Bei dieser Unterleibserkrankung breite sich Gebärmutterschleimhaut auch im Bauchraum aus, was zu starken Schmerzen und massiven Problemen führen könne, erklärte Savvidis gegenüber unserer Redaktion. Die neue Frauenklinik bietet auch ästhetische Behandlungen an, in einem Behandlungsraum können mit einem CTG die Herztöne von ungeborenen Kindern abgehört werden.
Savvidis hat die Hauptabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Stift erst aufgebaut. Zuvor hatte es im Nördlinger Krankenhaus eine Belegabteilung der Gynäkologen Dr. Mathias Hübner und Dr. Robert Schaich gegeben, die beiden hatten aber zum Ende des Jahres 2019 gekündigt. Wie Savvidis am Donnerstag sagte, sei es mittlerweile gelungen, neun Ärzte für die Hauptabteilung zu finden. So arbeiten künftig neben ihm zwei Oberärzte, ein Facharzt und sechs Assistenzärzte in der Frauenklinik. Die Patientinnen werden zudem von den Pflegekräften und dem Hebammen-Team um Christina Pflugmacher betreut.
Bei der Eröffnung sagte Landrat Stefan Rößle, bevor er sein Amt vor zwei Jahrzehnten angetreten habe, habe man ihm schon gesagt, dass zwei Geburtshilfen in einem Landkreis gar nicht gingen. Doch in Nördlingen stünden sowohl das Personal als auch die Bevölkerung hinter dem Krankenhaus und hinter der Geburtshilfe. Rößle erinnerte an das Jahr 2019, als die Belegärzte gekündigt hatten: "Es war von Anfang an klar, wir machen eine Hauptabteilung." Mittlerweile kämen auch mehr Babys im Stift auf die Welt. "Die Frauen wissen, dass sie in Nördlingen auf höchstem medizinischen und pflegerischen Niveau betreut werden."
Im Nördlinger Krankenhaus wird weiter investiert
Dass es weiterhin echte Rieser Kraterkinder gibt, darüber freut sich auch Oberbürgermeister David Wittner im Gespräch mit unserer Redaktion. Die neue Frauenklinik sei "ein großer Wurf für den Krankenhaus-Standort Nördlingen", gerade auch, wenn es um das Anwerben von Fachkräften gehe, das Stift sei ein attraktiver Arbeitgeber. Und auch in der nahen Zukunft wird ins Nördlinger Krankenhaus investiert, wie der Vorstandsvorsitzende der Donau-Ries Kliniken und Seniorenheime, gKU, Jürgen Busse, in seiner Rede betonte.
In den kommenden Wochen werde man die Stationen 1A und 1B renovieren, die Vierbettzimmer werden verschwinden: "Künftig gibt es nur noch Zweibettzimmer." Man werde die Böden sanieren, streichen und das gesamte Haus mit WLAN ausstatten. Kurz ging Busse auch auf die hohen Energiekosten ein. In den vergangenen Jahren habe das gKU schwarze Zahlen geschrieben - im Gegensatz zu vielen anderen Kliniken. Doch mit den gestiegenen Energiepreisen und den Preissteigerungen in anderen Bereichen sei das nicht mehr möglich. Dennoch, so Busse: Es werde noch viele Neuerungen am Stift geben.
Neuer Herzkatheter und neuer Computertomograph fürs Stift
Der CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange bestätigte gegenüber unserer Redaktion: Der Bund fördere einen neuen Computertomographen und einen zweiten Linksherzkatheter-Messplatz. Insgesamt bekomme das gKU 3,7 Millionen Euro aus dem Krankenhauszukunftsfonds des Bundes und der Länder, der Fonds sei noch in der vergangenen Bundestagsperiode - also unter der schwarz-roten Regierung - aufgelegt worden. "Der Standort mit seiner kardiologischen Kompetenz wird damit langfristig gesichert."
Dafür mitverantwortlich ist auch der Ärztliche Direktor und Kardiologe Professor Dr. Bernhard Kuch. Er freute sich bei der Eröffnung der Frauenklinik darüber, dass der Umbau so reibungslos gelaufen ist, dass der normale Ablauf im Krankenhaus nicht beeinträchtigt worden sei. Man müsse bei den Entscheidungen für ein Krankenhaus stets auch an den Bedarf der Menschen denken. In ganz Schwaben aber auch im angrenzenden Dinkelsbühl seien zuletzt Geburtshilfestationen geschlossen worden.