Sie spielen bei dem Konzert als ehemaliges Mitglied des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters am Cello mit. Das Orchester besteht seit 1959 und gilt als musikalisches Exzellenzprojekt des Bezirks Schwaben. In der „Alpensinfonie“ hat Richard Strauss ein eigenes Bergerlebnis verarbeitet, als er 1879 als 15-Jähriger von Murnau auf den Heimgarten hochgelaufen ist. Finden Sie in diesem Stück mit dem Thema des Naturerlebnisses etwas wieder, das Sie persönlich anspricht?
MARTIN POHL: Eher umgekehrt. Ich war erst im Urlaub und habe dort auch einige Bergtouren gemacht. Wenn es den Berg hochging, hatte ich die eine oder andere Melodie der „Alpensinfonie“ im Ohr. Strauss hat in diesem großen romantischen Werk alles eingebaut, von Sonnenaufgang über Nebel bis zum Gewitter. Es ist einfach ein tolles Musikstück. In dem riesigen Orchesterapparat kommen sogar Kuhglocken und eine Windmaschine vor. Im Amateurbereich findet man selten ein Orchester, das einen so großen Apparat zur Verfügung hat. Die große Besetzung ist bei diesem Jubiläum wirklich etwas Besonderes.
Anlässlich des Doppeljubiläums werden erstmals in der Geschichte des Orchesters ehemalige Mitglieder zusammen mit den aktuellen musizieren. Was halten Sie von der Idee des Generationentreffens?
POHL: Ich freue mich vor allem darauf, die Musikerinnen und Musiker zu treffen, mit denen ich in meiner Jugendzeit gespielt habe. 1987 war ich das letzte Mal dabei. Wenn verschiedene Altersgruppen beisammen sind, dauert es eine gewisse Weile, bis die Jugendlichen und die etwas reiferen Menschen den unter Musikern üblichen Umgang miteinander pflegen. Die Jugendlichen haben manchmal einen Respekt, der in diesem Fall nicht angemessen ist. Wenn man zusammen musiziert, musiziert man zusammen – da ist es egal, wie alt man ist und was man bisher in seinem Leben gemacht hat. Man macht einfach zusammen Musik.
Welche Erinnerungen verbinden Sie heute noch mit Ihrer Zeit beim Schwäbischen Jugendsinfonieorchester?
POHL: Ich war mit 16 Jahren zum ersten Mal dabei und es war für mich überhaupt das erste Mal, dass ich in einem größeren Sinfonieorchester spielen durfte. Es waren schon tolle Erlebnisse: das Spielen im Orchester und dass lauter Gleichaltrige dabei waren, die sehr engagiert und motiviert waren. Das hat mir selbst einen großen Motivationsschub gegeben. Wir haben begeistert musiziert und hervorragende Konzerte gespielt. Ich war zunächst für vier Jahre dabei, dann hatte ich eine kleine Pause und bin dann zum 25. Jubiläum, 1984, wieder für ein paar Jahre eingestiegen. Eines der musikalisch tollsten Erlebnisse waren von Giuseppe Verdi die „Quattro pezzi sacri“. Es waren musikalische Erlebnisse, die mir auch heute noch, wenn ich daran denke, eine Gänsehaut erzeugen.
Welche Rolle spielte Musik früher in Ihrem Leben?
POHL: Wie bereits in der Kindheit, so ist Musik auch heute noch ein ganz wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Es war mir klar, dass ich nicht Berufsmusiker werden möchte, aber durch das Orchester haben sich meine musikalischen Fähigkeiten stark weiterentwickelt und ich profitiere heute noch davon, dass ich viele Sachen am Cello gelernt habe. Friedrich Nietzsche hat einmal gesagt: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“
Sie sind Professor für angewandte Mathematik. Sehen Sie eine Verbindung zwischen Mathematik und Musik?
POHL: Ja, in vielen Orchestern, in denen ich gespielt habe, waren ungewöhnlich viele Mathematiker unter den Mitspielern. Man kann es auch verstehen: Mathematik ist eine sehr abstrakte Wissenschaft und Musik ist eine sehr abstrakte Kunst. In der Mathematik beschäftigen wir uns mit Strukturen und in der Musik spielen musikalische Strukturen auch eine große Rolle. Es gibt auch berühmte Dirigenten, die Mathematik studiert haben, wie Ernest Ansermet und Sergiu Celibidache.
Sie sind gebürtiger Nördlinger. Was schätzen Sie an Ihrer Heimatstadt?
POHL: Nördlingen ist einfach eine schöne Stadt. Meine Familie ist in einen Vorort von Nördlingen gezogen und da war ich auch auf den Bauernhöfen mit dabei. In den letzten Jahren kam ich mehrmals zu Besuch nach Nördlingen und ich finde, es ist nach wie vor eine schöne und überschaubare Stadt.
Wie war Ihr Werdegang?
POHL: Nach dem Abitur bin ich von Nördlingen ausgeflogen, erst nach Würzburg, wo ich Mathematik studiert habe und auch eine Assistentenstelle an der Universität hatte. Zehn Jahre war ich dort. Danach war ich für vier Jahre beruflich in Bonn und seit 1994 bin ich in Regensburg an der Ostbayerischen Technischen Hochschule.
Konzert in der St. Georgskirche
Das Konzert findet am 16. September in der St. Georgskirche statt, Beginn ist um 19 Uhr. Karten sind über ein Online-Ticketsystem (vivenu.com) erhältlich oder über die Tickethotline 0821 /3101-3666.
Zur Person
Der gebürtige Nördlinger Mathematik-Professor Martin Pohl spielt beim Konzert des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters mit.