Aufgespannt zwischen den hohen Säulen der Sankt-Georgs-Kirche in Nördlingen hängt ein großes Netz. Gesammelt darin schweben unzählige Papiertauben hinter dem Altar. Mehr als 1000 davon – in vielen Farben, als Origami und Silhouetten – hatten Bürgerinnen und Bürger der Stadt in den vergangenen Wochen gebastelt. Die symbolische Einladung an die Stadt, der Organisation "Mayors for Peace" beizutreten, hat Oberbürgermeister David Wittner in einer Andacht am Freitag erhalten.
Die "Bürgermeister für den Frieden" haben ihre Wurzeln in Japan. Über den dortigen Großstädten Hiroshima und Nagasaki warfen 1945 die USA zwei Atombomben ab. Beide Ereignisse haben rund 210.000 Menschenleben und die Städte zerstört, heißt es auf der Website der Initiative. "Niemand soll jemals so leiden wie wir", wünschten sich die Überlebenden, die noch nach 78 Jahren unter den Auswirkungen leiden. Die Bürgermeister beider Orte gründeten deshalb 1982 die "Mayors for Peace", der sich Gemeinden weltweit anschließen können, um einen Beitrag für eine "Welt ohne Atomwaffen", für "sichere und lebendige Städte" sowie für eine "Kultur des Friedens" zu leisten.
Mayors for Peace: Nördlingen setzt sichtbares Zeichen
Bald soll auch Nördlingen zu den bislang beteiligten 8265 Städten aus 166 Ländern gehören. Deren Anliegen teile die evangelische Kirchengemeinde, erklärte Gemeindediakon Michael Jahnz zu Beginn der Andacht. Schulen, Kitas, Pflegeheime und Familien seien daher dazu aufgerufen gewesen, eintausend Tauben zu basteln – sogar 327 mehr sind es geworden. So unterschiedlich wie die Macharten der Vögel seien auch ihre Erschaffer und deren Gedanken zum Frieden. Er freue sich, wenn nun auch Nördlingen ein "sichtbares Zeichen" setzen wolle, sagte Jahnz, und überreichte dem Oberbürgermeister die Beitrittsdokumente vor dem symbolischen Hintergrund aus Friedenstauben. Auch ein Symbol wirke, wenn dadurch viele den Auftrag annähmen, Frieden zu stiften, so Jahnz.
Oberbürgermeister David Wittner bekräftigte das und lobte die Tradition der Friedensgebete in den Stadtkirchen: Der Auftrag zum Frieden "beginnt bei uns selbst". Seinen Auftrag, als Oberbürgermeister die Bürgerinnen und Bürger seiner Stadt zu schützen, nehme er gerne weiterhin an. Auch der Stadtrat würde dem Beitritt wohl geschlossen zustimmen. Nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine zeige, wie "brüchig" Frieden sei – dieses Privileg sei niemals als selbstverständlich zu betrachten.
Bereitschaft zur Versöhnung ist keine Schwäche
"Vergelte niemals das Böse mit Bösem", erläuterte Dekan Gerhard Wolfermann weiter, "sondern überwinde das Böse mit Gutem." Das fiele zwar schwer, aber durch seine Vergebung ermögliche Gott den Menschen, wiederum anderen zu vergeben. Die Bereitschaft zur Versöhnung sei keine Schwäche und in seinem Traum von Kirche sei sie ein Ort, um das einzuüben.
Unter den Friedenstauben aufgereiht, begleiteten Sängerinnen und Sänger der Kinderkantorei und des Gospelchors "Sing@Life" unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Udo Knauer den Gottesdienst musikalisch.