Nördlingen: Was die Menschen mit der Nördlinger Mess' verbinden
Nördlingen
Was die Menschen mit der Nördlinger Mess' verbinden
Der Auftakt der Mess' in Nördlingen rückt immer näher: Menschen in der Altstadt schildern ihre Erinnerungen, Erwartungen und sagen, was ihnen dort fehlt.
Die Menschen verbinden verschiedene Dinge mit der Nördlinger Mess'.Foto: Jochen Aumann (Archivbild)
Die Kaiserwiese wird sich ab dem 10. Juni mit der Nördlinger Mess‘ wieder in einen Magneten für Groß und Klein aus dem Nördlinger Umland verwandeln. Aber was genau verbinden die Menschen mit dem Volksfest? Wir haben uns einmal in der Nördlinger Altstadt umgehört.
Als der Schauplatz noch Innenstadt war und sich das Riesenrad bis Anfang der 1960er-Jahre nahe des Daniels in den Himmel streckte, daran erinnert sich Heinz Kesselbaur, 71-jähriger Nördlinger: „Früher war’s schöner als jetzt, aber recht eng.“ Heute reize ihn nur noch das Maibock-Bier im Maierschen Biergarten oder ein Gang an den Ständen entlang. Ein Bekannter von Kesselbaur erzählt, dass er den Weg nur noch für die Bundeswehr-Taschentücher auf sich nehme.
Frau wohnt nicht mehr im Ries, kommt aber zum Mess'-Umzug
Alte Freunde und ehemalige Schulkameraden zu treffen, gerade das macht die Mess‘-Zeit für Jennifer aus Ulm zu etwas Einzigartigem. Die 44-Jährige wohnte in ihrer Kinder- und Jugendzeit in Nördlingen, sie erzählt, damals war der Besuch der Mess‘ eins: „Pflicht.“ Sie und ihre Freunde aus den Dörfern hätten unterwegs immer gesagt: „Os Baura gangad auf’d Mess‘ zum Karusl fahra.“ Am liebsten wären sie dann tatsächlich mit den Box-Autos und dem Riesenrad gefahren. Auch in diesem Jahr hat sie sich vorgenommen, wiederzukommen, zwar nicht zu den Fahrgeschäften, aber zum Umzug am ersten Festwochenende.
Jennifer wohnt nicht mehr in Nördlingen, kommt aber zum Umzug.Foto: Marlene Eberhardt
Nicht nur sie wird vom bunten Treiben der Mess‘ wieder in die alte Heimat gezogen. Isabell, 21 Jahre alt, hält sich durch ihr Studium in einer anderen Stadt nicht mehr so häufig in Nördlingen auf. Für die Mess‘ habe sie ausnahmsweise vor, ihre Vorlesungen zu schwänzen, verrät sie. Ihr ist es wichtig, auf der Mess‘ gemeinsam mit Freunden Nördlingen wieder zu erleben. Worauf sie sich besonders freut? „Ich mag die Fahrgeschäfte immer sehr gern.“ Ihr wahres Highlight seien allerdings die Schoko-Erdbeeren. Die finde sie zwar teuer, „aber man gönnt sich ja sonst nichts“.
Für Isabell gehören die Schoko-Erdbeeren zu Mess'.Foto: Marlene Eberhardt
Mehr kulturelle Berührungspunkte auf der Mess' hätte ein Mann gerne
Ein 25-Jähriger, der seit zwei Jahren in Deutschland und im Ries lebt, vermisst dagegen an der Mess‘ nicht nur Kulinarisches. „Klar, es ist eine kleine, traditionelle Stadt“, aber für ihn gebe es auf deren Festen immer die gleichen Spiele und Essensangebote. Hier wünscht er sich mehr Diversität. Ein Großteil der Menschen, die jetzt im Ries lebten, aber nicht ursprünglich dort herkämen – wie momentan viele Ukrainer – seien beispielsweise mit Essensständen nicht vertreten. Auch auf der Mess‘ gebe es seiner Meinung nach zu wenig Berührungspunkte in dieser Hinsicht. Die Mischung zwischen Deutschland und anderen Ländern bewusst zu machen, mehr Optionen, verschiedene Perspektiven und Kulturen zu sehen, das fehle der Mess‘ noch.