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Reimlingen: Helmut Eisel und seine Band bringen "Klezfire" nach Reimlingen

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Helmut Eisel und seine Band bringen "Klezfire" nach Reimlingen

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    Stefan Engelmann (Kontrabass), Helmut Eisel (Klarinette) und Gilles Grethen (Gitarre) bei ihrem Auftritt in Reimlingen.
    Stefan Engelmann (Kontrabass), Helmut Eisel (Klarinette) und Gilles Grethen (Gitarre) bei ihrem Auftritt in Reimlingen. Foto: Michael Essmann

    Wenn die Hauptstraße in Reimlingen komplett zugeparkt ist, dann kann das eigentlich nur bedeuten, dass das Nördlinger Kulturforum zu einer Veranstaltung in den Konzertstadel von Heiner Hildebrand geladen hat. So auch am Samstagabend. Vor voll besetztem Haus spielte Klezmer-Titan Helmut Eisel mit seiner Band.

    Ohne viel Worte zu machen, stimmen die drei Musiker mit dem "Russischen Sher Nr. 2" das Publikum unvermittelt auf die Reise ein, auf die es in den kommenden zwei Stunden geht. Im klassischen Klezmerduktus beginnend, steigert sich das Tempo schnell, nimmt spanisch maurische Akzente auf und für ein paar Takte machen die Musiker scheinbar einen Abstecher in einen Jazzclub in New Orleans. Und auch ein paar Takte der ukrainischen Nationalhymne finden ihren Eingang in die erste Nummer. Und so wird es weitergehen – jedes Stück ein Feuerwerk für sich. 

    Klezmer in Reimlingen: Song von langjährigem Wegbegleiter wird gespielt

    Mit dem Luxemburger Gitarristen Gilles Grethen und dem Kontrabassisten Stefan Engelmann führt Eisel einen wunderbar abgestimmten Trilog in dem von ihm verfassten "Le Waldstudio". Gänzlich anders ist der nächste Song: "Jonathan Mausebär". Komponiert von dem im vergangenen Jahr gestorbenen und langjährigen Begleiter Eisels an der Gitarre, Michael Marx, stimmt das Trio ein Schlaflied für den Enkel Jonathan an. Eine Gitarrenträumerei, die Eisel und Engelmann zu einem wahren Wolkenflug werden lassen. Auch für seine beiden anderen Enkel Paula und Benjamin hat Marx eigene Lieder komponiert, die die Band im Laufe des Abends noch folgen lassen. Welch ein wunderbares Vermächtnis, das hier ein stolzer Opa seinen Enkeln hinterlassen hat.

    Überhaupt schwebt die Erinnerung an den langjährigen Begleiter Marx beständig über dem Abend. So wie der Klezmer ja auch bei aller Lebendigkeit etwas Schwermütiges in sich trägt. An den großen biblischen Jäger und Herrscher Nimrod erinnert die Combo mit dem sephardischen Traditional „Quando El Rei Nimrod“, den sie aber beschwingt in eine fröhliche Klezmernummer umbaut. Fröhlich ist auch das nächste Lied, ein Frailach nämlich. Wenn auch ein kurzer – "Der Short Freilach" – wiederum aus der Feder Helmut Eisels. Zum gleichen Genre gehört auch der folgende Freilach, „Yoram’s Freilach“ nämlich, mit dem die Combo beschwingt die "Böhmische Herzschmerzpolka" aufnimmt und das Auditorium gleichfalls beschwingt in die Pause entlässt.

    Über die Besonderheiten einer jüdischen Hochzeit klärt Helmut Eisele seine Zuhörer dann zu Beginn der zweiten Hälfte auf. Erst soll die Braut weinen, dann wird getanzt und gelacht und am Schluss muss die ganze Bescherung aufgeräumt werden. Und aus diesen Versatzstücken setzen die drei Musiker aus eigenen Stücken und Traditionals eine ganz eigene Interpretation dieses schönsten Tags im Leben zusammen. 

    Kongeniales Zusammenspiel zwischen Engelmann und Grethen

    Groovig wird es mit einem weiteren Stück von Michael Marx zwischen Engelmann am Bass und Grethen an der Gitarre. Das kongeniale Zusammenspiel der beiden Vollblutmusiker wirkt durch die klarinettistischen „Eingriffe“ Eisels zunehmend „Funky“. Eine perfekte Einstimmung in die nächste Nummer, die Bearbeitung einer alten griechischen Weise, die allerdings als Disconummer aus dem Film Pulp Fiction bekannt sein dürfte. Helmut Eisel und seine Mannen sind einfach nicht zu fassen.

    Der jüdische Komponist Joseph Rumshinsky steuert den mit dem Liebeslied „Shein vi di Levone“, also schön wie der Mond, dem Abend noch ein Liebeslied bei, bevor der offizielle Teil mit einer Hommage an den verstorbenen Gitarristen Marx endet. „Michas Freilach" – ein fröhliches Stück über einen frohen Menschen, der auch für die erste Zugabe des Abends verfasste: "Sarya Nights", eine stimmungsvolle Gitarrenträumerei an einem lauen Abend in den Höhen des Golans. Die letzte Nummer gehörte dann Eisels Frau Babsi. Fröhlich ist sie, wenn er nach einem erfolgten Konzert zu ihr zurückkehrt, aber auch fröhlich, wenn er sie dann wieder verlässt. Ein Freilach also – „Babsi’s Freilach“.

    Ein technisch brillanter, kurzweiliger Abend, der aus allen Registern schöpfte. Die Parkplatzsuche war aller Mühen wert.

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