An den beiden Grundschulen in Utzmemmingen und Pflaumloch werden ab dem Schuljahr 2021/2022 Jahrgangsklassen eingeführt. Einen entsprechenden Beschluss fasste jetzt der Gemeinderat einstimmig. Somit werden an der Goldbergschule Pflaumloch und der Grundschule in Utzmemmingen jeweils zwei Jahrgänge unterrichtet. Voraussichtlich sollen in Pflaumloch die Klassen eins und zwei mit den Kindern aus der Gesamtgemeinde sein, in Utzmemmingen die Jahrgangsstufen drei und vier. Bisher gibt es jeweils zwei sogenannte „Kombi-Klassen“ (1/2 sowie 3/4) an beiden Standorten.
Die Basis für die angestrebte Neuorganisation bildet ein von Rektor Eberhard Geiger im Zusammenwirken mit dem Lehrerkollegium und den Elternvertretern erarbeiteter Schulentwicklungsplan für die Riesbürger Grundschule, der auch Perspektiven für die Zukunft enthält.
Vor dem Gemeinderat erläuterte Geiger seine Expertise ausführlich. Zwar wäre es aus organisatorischer und pädagogischer Sicht machbar, weiterhin am Status quo festzuhalten, so Geiger. Perspektivisch gesehen sei dies allerdings „wenig zukunftsträchtig“ im Sinne einer zeitgemäßen Schulentwicklung.
Jahrgangsklassen haben Vorteile
Reine Jahrgangsklassen hätten mehrere Vorteile. Zum einen würde das Treffen der Schulkinder aus den drei Teilorten in jeweils einer Klasse das Zusammengehörigkeitsgefühl fördern.
Andererseits verminderten sich die bisher relativ häufigen Standortwechsel der Lehrkräfte erheblich. Außerdem, so Geiger, könnten in Jahrgangsklassen die durch die Corona-Pandemie entstandenen Lerndefizite besser aufgearbeitet werden. Bei den kombinierten Klassen aus zwei Jahrgängen mit teilweise bis zu 23 Schülern würden sich die unterschiedlichen Niveaustufen aus seiner Sicht hingegen noch vergrößern.
Der Rektor räumte ein, dass die größte Herausforderung im Zuge einer Neuorganisation die Einrichtung von passenden Busverbindungen zwischen den Ortsteilen darstelle. Dies müsse gut organisiert sein, eventuell mit versetzten Unterrichtszeiten.
Bürgermeister Willibald Freihart erklärte, die Neuaufstellung der Schullandschaft in Riesbürg stoße auf breite Akzeptanz bei den Eltern. Auch mit dem Schulamt sei diese abgestimmt. Vom Ostalbkreis habe er das Signal erhalten, dass für die Pendelfahrten auch ein Bus eingesetzt werden könnte, der vom Kreis bezahlt werde. Er gehe von einer öffentlichen Linie aus, die nicht nur von Schülern genutzt werden könnte.
Brisante Passage im neuen Schulentwicklungsplan
Der neue Schulentwicklungsplan enthält darüber hinaus eine brisante Passage. Rektor Geiger macht nämlich kein Hehl daraus, dass er sich perspektivisch eine Zusammenlegung der beiden Riesbürger Grundschulen an einem Standort vorstellen könne. Eine solche Konzentration würde den wachsenden Ansprüchen gesellschaftlicher und politischer Art der Schule am ehesten gerecht. Ein gewichtiges Argument hierfür sei die ab 2026 geplante Einführung eines Anspruchs auf Ganztagesbetreuung für Grundschüler, die an einem Standort besser organisiert werden könnte. Außerdem müsste die Gemeinde nur noch ein Schulgebäude unterhalten.
Rathauschef Freihart kündigte noch für dieses Jahr eine diesbezügliche Grundsatzentscheidung nach vorherigen Diskussionen in den Ortschaftsräten und mit den Elternvertretern an.
Nach diesem Beschluss wird es darum gehen, das Schulgebäude am künftigen Schulstandort entsprechend zu sanieren und sowohl pädagogisch als auch technisch den neuesten Anforderungen anzupassen. Architekt Mathis Tröster vom Büro Tröster und Deucker hatte dafür in der Sitzung bereits erste Planungen und Kostenberechnungen mitgebracht. Tröster zufolge würden bei einer Sanierung und Erweiterung der Goldbergschule in Pflaumloch Kosten von rund zwei Millionen Euro brutto anfallen, für das Schulgebäude in Utzmemmingen hingegen 3,5 Millionen. Nicht berücksichtigt sind staatliche Zuschüsse. Bürgermeister Freihart legte Wert auf die Feststellung, dass diese Angaben „nicht belastbar“ seien.