Beim Durchblättern eines Erinnerungsbuches aus den Jahren 1936 bis 1944 mischen sich unter heitere Geschichten aus dem Nördlinger Stadtleben und Gedichte über den Christbaum, das Lagerfeuer, den Winterwald, das „Heil der Natur“ und eine Frühlingsfahrt auch solche mit den Titeln „Deutsches Gebet“, „Gelöbnis an den Führer“, „Befreites Österreich“ – die einen ebenso liebevoll illustriert wie die anderen. Zeitgenössische Zitate auf deutsche Tugenden prangen neben einem kalligrafierten „So Gsell so!“. Blättert man weiter, so finden sich Tagebuchaufzeichnungen aus den ersten Kriegsjahren in Nördlingen, Bilder von Auftritten der Jugendkapelle, schließlich Tagebuchaufzeichnungen von der Front und abgeschriebene Feldpostbriefe. Die Aufzeichnungen schließen mit einem ganzseitigen Bild ab: Ein großes, schwarzes Kreuz, umschrieben mit den Worten: „Lass ruhen die Toten. Ein tiefes Weh die Welt durchzieht: Es ist vom Scheiden das alte Lied, das Lied von den Toten; still liegen sie, Hügel an Hügel gereiht, dort unten ist Frieden – hier oben nur Leid.“
Nördlingen
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