Startseite
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten
Lokalsport
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten

Handball: Wie war das noch mit dem Handball in Nördlingen?

Handball

Wie war das noch mit dem Handball in Nördlingen?

  • |
  • |
  • |
    Nördlingens Helga Ackermann in ihrer typischen Kreisläufer-Wurfhaltung.
    Nördlingens Helga Ackermann in ihrer typischen Kreisläufer-Wurfhaltung. Foto: Jochen Aumann

    Jetzt könnte es doch noch klappen für die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Bei der Europameisterschaft im eigenen Land sah es nach dem dürftigen Unentschieden gegen Österreich schlecht aus in Sachen Halbfinal-Einzug. Doch gegen Ungarn hat sich das Team mit einem starken 35:28-Sieg zurückgemeldet. Ein Sieg gegen Kroatien an diesem Mittwochabend (ARD, 20.30 Uhr) würde dem DHB-Team von Trainer Alfred Gislason einen Platz unter den besten Vier sichern. Freuen würde das auch so einige Handball-Veteranen in Nördlingen, die die EM natürlich interessiert mitverfolgen. Denn auch wenn die Abteilung Handball des TSV heute nicht mehr existiert, war das schnelle Spiel mit dem kleinen Ball lange Zeit ein Fixpunkt im Sportleben der Stadt. Als Spieler und Abteilungsleiter beim TSV Nördlingen mittendrin war Alt-Oberbürgermeister Hermann Faul, der für die Rieser Nachrichten einen Blick zurück wirft, aber zunächst noch eine Einschätzung zum aktuellen Turnier gibt.

    „In unserem Spiel sieht man gute Ansätze, und dann setzt sich auch die individuelle Klasse durch“, sagt Faul mit Blick auf das Ungarn-Spiel. Er sei optimistisch gewesen, dass das DHB-Team sich steigern könne, und das war dann auch so. U21-Weltmeister Lichtlein sei sein Lichtblick gewesen, auch die jungen Köster und Knorr hätten überragend gespielt. "Wenn es uns dann noch gelingt, über außen das Spiel breiter zu machen, dann sehe ich für Mittwochabend zumindest ein positives Ende zur Hauptrunde", so der Ausblick des früheren Handball-Abteilungsleiters vor dem Spiel gegen Kroatien.

    Das Freundschaftsspiel gegen Roter Stern Belgrad, 1968 in der Mehrzweckhalle: Dritter von links Hermann Faul, Vierter von links Edwin Schmidkunz.
    Das Freundschaftsspiel gegen Roter Stern Belgrad, 1968 in der Mehrzweckhalle: Dritter von links Hermann Faul, Vierter von links Edwin Schmidkunz. Foto: Foto Hirsch

    Handball in Nördlingen: Auf der Kaiserwiese fing es für die Jugend an

    Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde in Nördlingen Handball gespielt, sowohl beim damaligen TV Nördlingen als auch beim VfR Nördlingen. 1947 wurde wieder der geregelte Spielbetrieb aufgenommen, damals noch in der Gruppe Donau mit Donauwörth, Dillingen, Lauingen, Gundelfingen, Günzburg, Ichenhausen und Niederraunau. Die spielstarke Nördlinger Handball-Mannschaft wurde 1949 Bezirksmeister, stieg in die Kreisklasse Schwaben auf und wurde in dieser Schwäbischer Pokalmeister, was dem noch recht jungen Sport zu großer Beliebtheit in der Stadt verhalf. Damals wurde im Sommer noch draußen auf dem Großfeld gespielt, auf dem Sportplatz hinter der Alten Turnhalle.

    Im Jahr 1960 kam der elf Jahre alte Hermann Faul zum Handball. Die Sportanlage an der Augsburger Straße wurde gerade saniert, die Kaiserwiese war der Ersatzsportplatz. Familie Faul wohnte ganz in der Nähe, in der Baldinger Straße, ebenso wie einige weitere Jungen wie Klaus Schaal, Bernhard Lachenmeyer, Heinz Langkammerer und Peter Ziegler, die dann auf der Kaiserwiese zusammenkamen. Adolf Schaal (Faul: "Der Handball-Vater in Nördlingen") war der Wirt der nahegelegenen Jugendherberge, und unter seiner Führung wurde die erste Schülermannschaft gegründet. Das erste Spiel ist Hermann Faul noch in bester Erinnerung: "1961 wurden zum ersten Mal auf einem Nebenbereich der Kaiserwiese die Tore aufgebaut, mit Sägemehl die Linien aufgemalt und gegen Unterkochen gespielt. Das Spiel haben wir 7:3 gewonnen, das war ein Freude", sagt Faul. 

    Hier ist Nördlingens Ina Wagner beim Wurf zu sehen, beim Spiel gegen Schwabmünchen im Jahr 1994.
    Hier ist Nördlingens Ina Wagner beim Wurf zu sehen, beim Spiel gegen Schwabmünchen im Jahr 1994. Foto: Jochen Aumann

    Gegen Unterkochen ging es deshalb, weil schon 1956 die Nördlinger Handballer sich dem württembergischen Bezirk Braunenberg angeschlossen hatten. Denn nach dem Abstieg aus der Kreis- in die Bezirksklasse auf der bayerischen Seite war diese den Nördlingern zu schwach. Nach dem Aufstieg in die Kreisklasse 1958 konnte sich die erste Mannschaft des TSV bei den Württembergern halten und feierte in den Jahren 1961 und 1962 jeweils die Meisterschaft auf dem Großfeld. In der Hallenrunde im Winter, die immer mehr an Beliebtheit gewann, tat man sich nach dem Abgang wichtiger Spieler schwerer, doch mit Trainer Adolf Schaal gelang 1966 der Aufstieg in die Kreisklasse 1. Pokalsiege in Wittislingen und gute Platzierungen in Hallenturnieren sollten folgen. 1968/69 stieg man in der Halle in die Bezirksliga auf, dort konnte sich der TSV aber nicht halten.

    Die erfolgreichste Zeit hatten die Nördlinger Handballer in den 70er-Jahren

    Drei Höhepunkte der Abteilungsgeschichte gab es noch Ende der 60er-Jahre: Die Mannschaft von Roter Stern Belgrad kam 1968 mit fünf Nationalspielern zu einem Freundschaftsspiel nach Nördlingen, der TSV unternahm seinerseits zwei Fahrten nach Sabac (1969) und Arandelovac (1970) in Jugoslawien. Anfangs der 70er-Jahre sollte die Abteilung Handball dann ihre erfolgreichsten Jahre erleben. Die 1970 gegründete Mädchen- und Damenmannschaft erwies sich als sehr stark, dominierte ihre Liga und erzielte Pokalsiege in Bärenkeller. In der Hallenrunden 1973/74 wurde die Herrenmannschaft Kreismeister, auf dem Feld standen Keller und Hahn im Tor, Egon Dummler, Hermann Faul, Nobby Bauer, Manfred Malbeck, Heinz Kesselbauer, Heiko Schaal, Heinz Rosenbauer, Wolfgang Penn, Wolfgang Friedrich und Harry Ferchland. 

    Hermann Faul war nach seiner aktiven Zeit von 1981 bis 1999 Abteilungsleiter der TSV-Handballer.
    Hermann Faul war nach seiner aktiven Zeit von 1981 bis 1999 Abteilungsleiter der TSV-Handballer. Foto: Jochen Aumann

    Kurz darauf folgte ein Umbruch in der Mannschaft, der zum Abstieg aus der Kreisliga 1 führte. Doch der direkte Wiederaufstieg glückte auch. In der Mannschaft waren jetzt die Spieler Harald Hämmerlein, Jürgen und Werner Graf, Manfred Hoffmann, Berthold, Latka, Thrän, Koukol und Meinzolt, zusammen mit den Routiniers Hahn und Faul. Bis zu zwölf Mannschaften hatte der TSV im Spielbetrieb, erinnert sich Hermann Faul: "Das war natürlich ein organisatorischer Aufwand, die Übungsleiter zu organisieren, und Schiedsrichter für jedes Spiel." Doch es habe auch Spaß gemacht, und die Abteilung wurde ein Anziehungspunkt, "wir waren sportlich attraktiv", so Faul.

    Bei den Handballern war der Zusammenhalt immer stark

    Neben dem Sport wurde das Vereinsleben bei den Nördlinger Handballern immer großgeschrieben. Es gab zahlreiche Veranstaltungen jedes Jahr, von Skifahrten und alpinen Wanderungen über Faschingsbälle und Autorallyes bis zu Preisschafkopfen. "Die Handballer waren eine Familie", sagt Hermann Faul, der von 1981 bis 1999 Abteilungsleiter war. In diese Zeit fiel auch die Rückkehr in den Bezirk Schwaben im Jahr 1984. 

    Trotzdem ging es mit dem Handball in Nördlingen irgendwann nicht mehr weiter. Eine Zeit lang gab es keinen Unterbau in Form von Nachwuchsspielerinnen und -spielern sowie keine neuen Übungsleiter. Abteilungsleiter Peter Krause, Fauls Nachfolger, musste zudem aus beruflichen Gründen kürzertreten. Im Jahr 2004 blieb dem damaligen TSV-Vorsitzenden Hans Irrgang nichts anderes übrig, als schweren Herzens die Auflösung der Abteilung zu vollziehen. 

    Was bleibt, ist der Stammtisch der Handballer, der sich seit Auflösung der Abteilung jeden zweiten Mittwoch im Monat trifft. Hermann Faul, der im Übrigen auch seine Frau und ehemalige Handball-Torhüterin Brigitte über den Sport kennengelernt hat, freut sich außerdem über die Erfolge seiner beiden Enkel Jannis (14) und Mika (10). Die haben nämlich eine gute Schippe Handball-Talent mitbekommen und spielen für die DJK Rimpar, Jannis sogar im Landeskader. Somit lebt Nördlingens Handball-Erbe in gewisser Weise auch heute noch fort.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden