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Tina Teubner beeindruckt mit Kabarett und Musik im Reimlinger Kulturstadl

Reimlingen

Warum Tina Teubner aus dem ‚Mist der Welt‘ funkelnde Pointen macht

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    Das Duo Tina Teubner/Ben Süverkrüp ist im Reimlinger Kulturstadl aufgetreten.
    Das Duo Tina Teubner/Ben Süverkrüp ist im Reimlinger Kulturstadl aufgetreten. Foto: Peter Urban

    Gleich zu Beginn eines wundervollen Kabarett-Konzert-Abends gab die Protagonistin, die studierte Geigerin und studierte Musiktherapeutin, Tina Teubner zu, dass sie mit ihrem Beruf Nutznießerin des Systems ist: „Ich profitiere von dem ganzen Mist auf dieser Welt!“ Denn als Kabarettistin lebe sie ja von dem größtenteils bedauernswerten Zustand, in dem sich die Welt befinde: „Ohne Pointen bin ich ruiniert“. Dass dieser Satz gnadenlos übertrieben ist, zeigt die „begnadete Melancholikerin mit ausgeprägter Tendenz zu humorvollen Lösungen“ (Selbstbeschreibung) daraufhin in ihrem Programm.

    Denn sie befeuert das Publikum im wieder restlos ausverkauften Haus mit Texten, Liedern und hintergründigem Unfug im Sekundentakt, sodass Nachdenken (was sich bei ihren spitzfindig formulierten Sentenzen jederzeit lohnen würde) gar nicht wirklich möglich ist. Was sie selbst als Feuerwerk der schlechten Laune bezeichnet, ist höchst unterhaltsam und intellektuell anspruchsvoll, obwohl die „böse Therapeutin“ auf nichts und niemand Rücksicht nimmt. Ihr Klavier-Konterpart muss immer wieder als Zielscheibe herhalten, wenn sie ihm etwa einen Burnout, Essstörungen (als Baby) und hartnäckige Rückständigkeit diagnostiziert, weil sich seine Frisur seit damals nicht geändert habe.

    Kabaratt-Konzert: Ben Süverkrüp begleitet Tina Teubner

    Nicht wenige Top-Manager seien schon „als Sperma ein Arschloch gewesen“, gesteht ihnen aber zu, dass Massenentlassungen wenigstens „Feng Shui konsequent zu Ende gedacht“ seien. Dabei liebt sie das Leben, ihre scharfzüngig-gehässigen Monologe münden in feinsinnige Songs, wundervoll und einfühlsam begleitet von Ben Süverkrüp der sie dann auch stimmlich unterstützt, wenn sie nach „wir müssen über sorgenfreies Leben reden“ nicht ein vernichtendes „Wenn da nicht diese Stimme wär“ entgegensetzt. Dazwischen klagt sie über die Marmeladisierung der Welt, belächelt böse durch den Stadtpark joggende Mitmenschen und „abgeranzte Reimlinger Scheunen“, in denen Künstler wie sie auftreten müssten.

    Ben Süverkrüp (studierter Pianist, Komponist, Musiktheoretiker und Autor) zeigte seine ganze Klasse, in dem er demonstrierte, wie Haydn, Mozart oder Beethoven klingen würden, wenn es damals schon Social Media gegeben hätte. Tina Teubner brilliert auf der Geige genauso wie auf der singenden Säge, mit der die beiden Ausnahmekönner den Abend mit dem (himmlischen interpretierten) „Wiegenlied“ von Johannes Brahms den Abend beendeten. Nicht ohne Heiner Hildebrand und dem Nördlinger Kulturforum echt und überschwänglich für ihr Engagement zu danken. Genauso echt und überschwänglich, wie sich das Publikum für einen überragenden, herzlichen Konzertabend bedankte.

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