So einen Wahlkampf gibt es wohl so schnell kein zweites Mal: Einen offiziellen Bürgermeisterkandidaten, dessen Name auf dem Stimmzettel steht, gibt es in Megesheim nicht. Vergangene Woche hatte der Zweite Bürgermeister, Ulrich Lechner, Postwurfsendungen im Ort verteilt und sich bereit erklärt, das Amt zu übernehmen. Und jetzt gibt es sogar einen weiteren Mann, der Megesheims Amtsgeschäft führen möchte.
Peter Förch ist einer, den man weniger vom Megesheimer Stammtisch, sondern eher aus Wirtschaftsforen kennt, wie er selbst sagt. Denn der 64-Jährige war fast 50 Jahre in der Industrie tätig, hat unter anderem für Commscope (vormals Mikom und Andrew) in Buchdorf oder Kiener in Lauchheim gearbeitet. Auch am Digitalisierungskonzept des Landkreises Donau-Ries, das 2020 präsentiert wurde, hat er mitgearbeitet. Und jetzt will er „die nächsten Jahre die Jugend begeistern, verbunden mit der Weisheit des Alters“, wie er sagt. Mit Leidenschaft und Begeisterung sei er immer zur Arbeit gegangen und wolle dies auch als Bürgermeister von Megesheim tun.
Förch: Mit einem digitalen Zwilling von Megesheim Synergieeffekte nutzen
Der zweifache Familienvater und seit Kurzem auch Großvater war zwar international viel unterwegs, hat aber immer in Megesheim gelebt. Für seinen Heimatort hat er sich die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. Ein Digitalmodell, also ein digitaler Zwilling, von Megesheim ist unter anderem seine Idee. Jeder Baum, jedes Haus wären dreidimensional dargestellt. Jegliche Daten könnten in so einem Modell zusammenlaufen und man könnte am Rechner planen und Synergieeffekte nutzen, erklärt Förch. Ein Beispiel? „Man könnte etwa Wärme simulieren und dann anhand des Modells entscheiden, ob oder wie man am besten energetisch saniert.“
Denkbar wäre laut seiner Idee auch ein Campusnetz für die Gemeinde, also ein exklusives Mobilfunknetz für den Ort. Dies könnten etwa die Gewerbebetriebe nutzen. Und die will Förch stärken, beziehungsweise das Gewerbe ausbauen. Anfangen könne man etwa mit einer Möglichkeit für Co-Work, also einem gemeinsamen Arbeitsplatz für Leute, die mobil arbeiten. „Ich denke da zum Beispiel an Automatisierungstechniker im Maschinenbau, die zeitweise bei lokalen Firmen beschäftigt sind, aber nicht immer im Werk arbeiten“, sagt Förch. Im Unterschied zur Arbeit im Home-Office finde an einem solchen Ort Querkommunikation und ein soziales Miteinander statt. Megesheim habe im Ries die perfekte Lage zwischen den Metropolen München, Stuttgart und Nürnberg. Ein optimaler Wohnort für Arbeitnehmer, die mobil arbeiten und etwa einmal in der Woche in eine der großen Städte zu ihrem Arbeitgeber fahren, sagt Förch.
Kein offizieller Kandidat: Megesheimer entscheiden mit Namen auf dem Stimmzettel
Wichtig ist ihm auch, dass man den Zusammenhalt im Ort stärkt und gemeinsam entscheidet. Zudem müsse man Eigenleistung ermöglichen. „Wenn ich etwa ein Gewerbegebiet erschließe, muss ich eigenwirtschaftlichen Ausbau zu lassen, sodass jeder mitmachen und einen Ertrag erwirtschaften kann“, sagt Förch. Auch will er die Vereine und das Ehrenamt stärken, wovon es in Megesheim sehr viel gebe. Ein Beispiel sei der Dorfladen, in dem viel geleistet wurde. Dies könne die Keimzelle für das Große sein, nämlich dass aus ehrenamtlichem Engagement wirtschaftlicher Ertrag folge.
Mit dem Gedanken, sich zum Bürgermeister aufstellen zu lassen, hat Förch schon länger gespielt, musste seine Entscheidung aber aus persönlichen Gründen aufschieben, wie er sagt. So hat es nicht mehr zu einer offiziellen Kandidatur zum Stichtag gereicht. Mit Handzetteln, ähnlich wie es Lechner gemacht hat, will er die Megesheimer jetzt informieren. Und die entscheiden am 8. März nicht mit einem Kreuz, sondern einem Namen, den sie selbst auf den Stimmzettel schreiben.
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