In den 50er Jahren galt sie als "schönste Frau der Welt". Alfred Hitchcock mit seinem Faible für unterkühlte Erotik machte die Millionärstochter Grace Kelly zum Star. Sie eroberte auf der Leinwand James Stewart und Cary Grant, auf dem Höhepunkt ihres Filmruhms erhielt sie 1954 den Oscar. Zwei Jahre später übernahm die unnahbar-beherrscht wirkende Blondine die Rolle ihres Lebens als Fürstin Gracia Patricia von Monaco. Vor 25 Jahren, am 14. September 1982, starb sie an den Folgen eines Autounfalls.
Dessen genaue Umstände sind bis heute ungeklärt. Wer saß damals, am Vormittag des 13. September 1982, wirklich am Steuer des Rovers 3500? Der französische Gendarmerie-Capitän Roger Bencze war noch mitten in den Ermittlungen, da meldete sich sein monegassischer Kollege am Telefon und teilte dem verdutzten Franzosen mit, dass der Palast ein simples Bremsversagen als Unfallursache angeben werde. Und mehr noch: Ohne jeden Zweifel habe die Fürstin selbst am Steuer des Wagens gesessen.
Bencze war sich da nicht so sicher, wollte zumindest dem Verdacht und dem Geraune nachgehen, dass nicht Grace Kelly, die Fürstin von Monaco, sondern das Nesthäkchen der Familie, die damals 17-jährige Stephanie, das Auto gelenkt und auf der kurvigen Gebirgsstraße bei La Turbie hoch über Nizza die Kontrolle über das Fahrzeug verloren habe.
Entsprechende Gerüchte sind bis heute nicht verstummt. Der französische Buchautor Bernard Violet hat diese Vermutungen durch zahlreiche neue Zeugenaussagen zu belegen versucht. Die Abwehrreflexe des Fürstentums funktionieren dabei offenkundig nach wie vor. Violet berichtet von Einschüchterungsversuchen, von Klageandrohungen gegen seine Recherchen, die inzwischen unter dem Titel "Die Monaco-Saga" in Frankreich vorliegen. Auch Bencze, inzwischen pensioniert, räumt 20 Jahre später in Violets Buch ein, damals unter erheblichem Druck der Grimaldis gestanden zu haben. Offiziell vernommen wurde Stephanie wegen des Unfalltods ihrer Mutter übrigens nie.
Der schreckliche Tod der Fürstin, die im November 1929, kurz nach dem "Schwarzen Börsen-Freitag", in Philadelphia geboren wurde, schockierte damals die Welt, setzte der strahlenden märchenhaften Verbindung von Hollywood-Glamour und Monte Carlos Operettenfürstentum ein jähes, brutales Ende. 1955, bei den Dreharbeiten zum Hitchcock-Film "Über den Dächern von Nizza", hatte die amerikanische Schönheit Grace Kelly, die drei Jahre zuvor mit dem Edel-Western "Zwölf Uhr mittags" den Durchbruch geschafft hatte, Rainier III. kennen gelernt. Ein Jahr später, im April 1956, folgte die Traumhochzeit.
Von klein auf wollte Grace zum Film, suchte ihr Glück in New York, jobbte als Fotomodell, trat in Werbefilmchen und auf Kleinbühnen auf, ehe Hollywood sie entdeckte. Als "Mädchen vom Lande", so der Filmtitel, gewann sie einen Oscar. Dreimal dreht sie mit Alfred Hitchcock "Bei Anruf Mord", "Fenster zum Hof" und "Über den Dächern von Nizza". Auch "Die oberen Zehntausend", ihr letzter Film vor der Hochzeit, wurde ein Riesenerfolg. Danach spielte sie als Gracia Patricia perfekt die Rolle als Fürstin und Mutter.
Mit der publicity-trächtigen Verbindung begann auch der unaufhaltsame Aufstieg Monacos, das bis dahin nur einen Ruf als Steuer- und Zockerparadies genoss, zum bevorzugten Tummelplatz des internationalen Jetset. Nur der Hochadel meidet die Grimaldis weiterhin. Monacos Fürstenfamilie wurde ein Lieblingsobjekt der Klatschpresse.
Bis heute hat sich daran wenig geändert. Stephanies amouröse Eskapaden mit diversen Leibwächtern und dem Zirkusdirektor Knie, ihr Sommerurlaub im Jahr 2002 auf dem Campingplatz wie Madame Jedermann, der Aufstieg ihrer älteren Schwester Caroline dank des Welfen Ernst-August in den europäischen Hochadel und die Gerüchte um den jetzigen Fürsten Albert und seine Heiratsunlust liefern Stoff genug.
Über den Tod seiner Frau schien Rainier nie hinweggekommen zu sein. Nur der vertorbene Fürst und seine jüngste Tochter wussten, was an diesem Unglücksmorgen vor 20 Jahren wirklich passiert ist. Einmal bislang, in seiner autorisierten Lebensgeschichte, die 1989 erschien, hat Rainier eingeräumt, dass Stephanie sehr wohl gelegentlich den Wagen fuhr, obwohl sie damals noch keinen Führerschein hatte.
"Ich weiß gar nicht, wie oft ich wiederholen musste, dass es der Prinzessin nicht erlaubt war, in Monaco zu fahren", wird Rainier zitiert. Noch heute liegt das Drama jenes Tages wie ein Schatten über der Familie.