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Affe, Hund und Co.: Zweifel an Cheetahs Alter

Affe, Hund und Co.

Zweifel an Cheetahs Alter

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    Johnny Weissmüller als Tarzan mit seinem Schimpansen Cheetah (undatierte Aufnahme).
    Johnny Weissmüller als Tarzan mit seinem Schimpansen Cheetah (undatierte Aufnahme). Foto: dpa

    Eine Katze hat sieben Leben, sagt man. Der Schimpanse steht da nicht viel nach. Zumindest wenn er Filmruhm genießt, beschert ihm die Legende ein Alter, das – heruntergebrochen auf tierische Verhältnisse – nachgerade Heesters’sche Dimensionen erreicht. So wie Cheetah, Tarzans unersetzlicher Freund. Der sei im Alter von 80 Jahren an Nierenversagen gestorben, teilte jetzt das Tierheim Suncoast Primate Sanctuary in Palm Harbor im US-Staat Florida mit. Dort hatte Cheetah den Angaben zufolge mehr als 50 Jahre lang gelebt.

    Falsche Fährte. Denn somit hätte das tierische Faktotum etliche Darsteller des Dschungelkönigs überlebt – den großen Johnny Weissmüller eingeschlossen, mit dem Cheetah 1932 in „Tarzan, der Affenmensch“ und 1934 in „Tarzans Vergeltung“ von Ast zu Ästchen gehüpft ist. Schon im Jahr 2008 flog der Schwindel mit dem Cheetah-Opa auf. Auch von seinen Nachfolgern lebt keiner mehr. Dennoch wird das Tier im Guinness-Buch der Rekorde mit seinen angeblich 80 Jahren immer noch als „ältester Schimpanse der Welt“ aufgelistet. „Dass ein Affe so alt geworden ist, habe ich allerdings noch nie gehört“, sagt etwa Barbara Jantschke, die Direktorin des Augsburger Zoos. Und sie ist mit ihren Zweifeln nicht allein.

    Lassie war meist ein Rüde, Babe gab es gleich 50 Mal

    Offensichtlich wollte das Tierheim alle Tarzan-Fans zum Affen machen. Denn wie in den allermeisten anderen Filmen wechseln sich auch in den Tarzan-Streifen verschiedene Schimpansen ab – je nachdem, welche Tricks für bestimmte Szenen angesagt sind.

    Weil das wenig werbewirksam ist, halten die Filmemacher sich mit genauen Informationen über die tatsächliche Zahl der Lassies, Babes und Flippers gern zurück. Der muntere Delfin etwa soll allein für die Fernsehserie mindestens in fünffacher Ausführung besetzt gewesen sein – das verriet zumindest Tiertrainer Ric O’Barry, der die Großen Tümmler einst in einem Aquarium in Miami für ihre Auftritte vor der Kamera trainierte.

    Für die Rolle des Schweinchen Babe, das für die Leinwand Abenteuer auf einem australischen Bauernhof erlebt, sollen unbestätigten Quellen zufolge fast 50 Darsteller-Ferkel ausgebildet worden sein. Und Lassie, die wohl bekannteste Fernsehhündin der Welt, wurde die meiste Zeit von Rüden gespielt.

    Dass mehrere Artgenossen sich eine Rolle teilen, sei völlig normal, sagt auch der Münchner Filmtier-Trainer Waldemar Hiltl: „Ein Hund springt gern, ein anderer mag Wasser und ein dritter legt besonders schön den Kopf schief. Deshalb haben wir auf Dreh meist mehrere Tiere dabei – einen Schmusehund, einen Actionhund und einen für die Nahaufnahmen zum Beispiel.“

    Hiltl lehrt seine Schützlinge etwa, ein Telefon oder einen Schraubenzieher zu bringen, Spuren eines vermeintlichen Diebes zu verfolgen oder durch Fenster zu springen. Damit ein Tier zum Fernsehstar werden könne, sei vor allem wichtig, „dass das Tier bei der Arbeit Spaß hat“. Außerdem sei Reinrassigkeit von Vorteil, sagt der Experte – „weil Mischlinge immer irgendein optisches Merkmal haben, durch das man sie von anderen Tieren unterscheiden kann“.

    Wenn es bei Tieren "menschelt"

    Filmtiere haben schon immer Illusionen transportiert. Und die leben weiter. Weil die Einspielergebnisse mit der Tierliebe des Menschen korrespondieren, was die Seele in positive Schwingungen versetzt. Vor allem, wenn Cheetah „menschelt“ und seine Kunststücke vorführt. Oder Lassie, die seit ihrem Kinodebüt 1943 in „Heimweh“ intuitiv verletzte Kinder aufspürt und Schurken stellt. Der Collie eroberte Deutschland erst in den 1950er Jahre mit der „Lassie“-Serie, bei der man sich nicht entscheiden konnte, wer nun süßer war: der Hund oder der kleine Großmutter-Schwarm Timmy. Die Liste der tierischen Kino- und TV-Lieblinge ist lang. Das Wiehern des edlen Pferdes Fury, die Sprungkraft des Orcas Willy, die applaudierende kalifornische Seelöwin Robbie. Da darf schon Rührseligkeit aufkommen. Wie auch beim herzensguten Schweinchen Babe, dem abgedrifteten Blick des Hundes Beethoven und dem Geschnatter des Delfins Flipper („Spaß will er machen, tolle Tricks, er bringt uns Stunden des Glücks“). Das Tier als Fiktion des besseren Menschen. So sieht das Erfolgsrezept aus.

    Was den verblichenen Cheetah-Nachfolger angeht, wollen wir ihm unseren Respekt nun doch nicht versagen. Auch wenn es Zweifel an seinem tatsächlichen Alter gibt, ist eines sicher: Er konnte mit einem Schmutzhaufen auf neun Meter Entfernung einen Tierheimbesucher sogar durch Gitterstäbe treffen. Und das ist doch, mal ehrlich, tatsächlich eine filmreife Leistung.

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