In Russland ist die neue Synthetikdroge "Krokodile" schon bekannt. Die Droge ist ein billiger Heroin-Ersatz und daher beliebt, aber sie ist noch gefährlicher als das berüchtigte "Crystal Meth". In Russland wird mit "Krokodile" seit längerer Zeit gedealt und soll dort bereits Hunderte von Abhängigen getötet haben. Nun ist diese schnell abhängig machende Todesdroge, die in der Szene einfach "Krok" genannt wird, auch bei uns in Deutschland aufgetaucht. Ein Fall aus Bochum sorgt für Aufsehen.
Kein Fall in Schwaben
In Bayern ist noch kein Drogenkonsum dieser Art bekannt. "Bisher wissen wir nur von Fällen aus dem Ruhrgebiet," erklärte ein Sprecher des Augsburger Polizeipräsidiums auf Nachfrage von AZ Online. Aber man kenne "Krok" sowie seine schlimme Wirkung und werde die Entwicklung innerhalb der Drogenszene wachsam beobachten. "Diese Droge ist vielleicht billig, aber sie ist auch sehr, sehr gefährlich!", so der Sprecher.
Betäubungsmittel Desomorphin
Bei "Krokodile" handelt es sich um eine synthetische Droge, die extrem giftig ist. Das Rauschmittel - mit dem Betäubungsmittel Desomorphin - wird illegal aus dem in Russland frei erhältlichen Codein und weiteren Stoffen wie Benzin aufgekocht. Da die Produzenten die Verunreinigungen im Stoff nicht entfernen, kommt es schon nach wenigen Injektionen zu großflächigen Gewebeschäden: Die Haut wird schuppig und grün - daher auch der Name "Krokodile". Dann beginnt der Körper langsam von innen zu verfaulen, Arme oder Beine sterben rund um die Einstichstelle ab und müssen teils amputiert werden.
Nach russischen Medienberichten haben "Krok"-Abhängige in der Regel eine nur noch kurze Lebenserwartung. In manchen Fällen endet bereits der erste Kontakt mit der Droge tödlich.
"Es ist entsetzlich, wenn man liest, was diese Droge bei einem Menschen anrichtet," sagt Alexander Resch, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West. Man hoffe daher, dass "Krok" gar nicht erst in die Region kommt. "Es braucht immer Zeit, bis solch ein Trend von den Großstädten wie Frankfurt zu uns kommt," erklärt Resch. Aber der steigende Bekanntheitsgrad könne durchaus dazu führen, dass Süchtige mit Geldproblem auch aus den regional bekannten Heroin-Szenen beginnen, die Ersatzdroge zu konsumieren.
Fall aus Bochum sorgt für Aufsehen
Am Dienstag bestätigte der leitende Arzt der Krisenhilfe Bochum, Heinrich Elsner, dass vier Junkies in einem Bochumer Drogencafé die typischen Symptome des "Krok"-Konsums gezeigt haben. Offenbar sei der Stoff Abhängigen in der Bochumer Szene ohne ihr Wissen als Heroin verkauft worden, sagte ein Polizeisprecher.
Die Abhängigen sind der Meinung, Heroin genommen zu haben. Die erlittenen "katastrophale Haut- und Weichteilschäden" treten aber sonst bei Heroin kaum auf, meint Elsner. In der Bochumer Szene herrsche ein "Riesenaufruhr", erläuterte die Polizei. Auch das Landeskriminalamt ist eingeschaltet. AZ/dpa