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Ausgekifft!: Hollands Coffee-Shops schließen für Deutsche

Ausgekifft!

Hollands Coffee-Shops schließen für Deutsche

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    Coffee-Shops in Holland schließen für Ausländer.
    Coffee-Shops in Holland schließen für Ausländer. Foto: Symbolbild: Archiv

    Es ist aus und vorbei mit dem Drogen-Tourismus nach Holland: Niederländische Coffees-Sops dürfen ab 1. Mai 2012 keine Joints mehr an Kunden aus dem Ausland verkaufen. Lediglich wer in den Niederlanden seinen Wohnsitz hat, darf dort aber noch kiffen. Deutsche Freunde von Cannabis, Hanf und Co. sind geknickt.

    Coffee-Shops in Holland schließen für Ausländer

    Hendrik (23) und Julia (27) schwanken noch zwischen "Santa Maria" und "Bubble Gum". Das adrette Paar aus Trier steht vor einer leuchtenden blauen Menükarte. Aber sie suchen keine Pizzasorten aus, sondern Cannabisprodukte. 175 Kilometer haben sie zurückgelegt, um sich im "Easy Going" einzudecken, dem ältesten Coffeeshop von Maastricht im südlichsten Zipfel der Niederlande. Es dürfte wohl das letzte Mal sein, dass sie hier sind. Denn ab 1. Mai müssen die Haschisch-Cafés Ausländer abweisen.

    Jahrzehntelang sind Deutsche vor allem aus Nordrhein-Westfalen, aber auch aus anderen Bundesländern über die Grenze gefahren, um dort in Ruhe einen Joint zu rauchen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die rechtskonservative Regierung, die vor eineinhalb Jahren in Den Haag angetreten ist, will den Drogentourismus beenden.

    Schade sei das, seufzt Julia und blickt sich noch einmal um. "Dies ist ein so gemütliches Café." Und Hendrik fügt hinzu, als Deutscher sei man künftig wohl gezwungen, beim Straßendealer zu kaufen. "Aber das werde ich nicht machen. Das ist mir zu unsicher."

    Ab 1. Mai gibt es Marihuana nur noch für Menschen mit Wohnsitz in den Niederlanden

    Wenn im "Easy Going" auch dicke Luft herrscht - schon am frühen Nachmittag paffen ein Dutzend überwiegend junger Kunden ihren Joint - so ist es doch keineswegs eine Spelunke. Alles wirkt hell und pieksauber, hinter Glas ziehen tropische Fische ihre Kreise. Am Eingang befindet sich eine elektronische Schranke. Nur wer nachgewiesen hat, dass er volljährig ist, darf passieren. Was den Gästen vielleicht nicht bewusst ist: Jeder Tisch wird videoüberwacht. Damit soll ausgeschlossen werden, dass Fremd-Dealer den Gästen noch ganz andere Sachen aufschwatzen.

    Das niederländische Königshaus

    Das niederländische Königshaus Oranien-Nassau ist mehr als 600 Jahre alt und ist damit älter als die Niederlande, die es erst seit 1815 offiziell als Königreich und seit 1848 als parlamentarische Demokratie gibt.

    Seit mehr als 120 Jahren haben die Niederlande weibliche Staatsoberhäupter. 1890 starb Wilhelm III., der bis heute letzte König. Ihm folgten Königinnen auf dem Thron: Wilhelmina (1890-1948), Juliana (1948-1980) und Beatrix (seit 1980). Mit dem 1967 geborenen Kronprinz Willem-Alexander steht wieder ein männlicher Thronfolger bereit.

    Das niederländische Königshaus Oranien-Nassau geht auf Wilhelm von Oranien (1533-1584) zurück, den die Niederländer «Vater des Vaterlandes» nennen. Der auch «der Schweiger» genannte Adelige war der wichtigste Führer im Unabhängigkeitskrieg gegen den spanischen König. Er hatte von seinem Onkel René de Chalon 1544 das Fürstentum Orange in Südfrankreich geerbt und damit den bis heute gebräuchlichen Titel Prinz von Oranien für den ältesten Königssohn.

    Der nach der Burg Nassau in Hessen benannte andere Teil der Dynastie hat Wurzeln, die bis zu Walram von Laurenburg im 12. Jahrhundert zurückreichen. Die Verbindung zu niederländischem Gebiet entstand im Jahr 1403. Engelbert I., Graf von Nassau, Dietz und Vianden heiratete damals die wohlhabende Niederländerin Johanna von Polanen, Erbtochter von Breda im Herzogtum Brabant.

    Der Wiener Kongress begründete 1815 das Königreich der Niederlande. Bis dahin regierten Prinzen oder Statthalter. Zu dem neuen Reich unter Wilhelm I. gehörte zunächst auch Belgien, das sich aber 1831 zur selbstständigen parlamentarischen Monarchie erklärte. Ihre Arbeit erledigt Königin Beatrix seit 1984 im Palast Noordeinde in Den Haag, als Wohnsitz dient ihr der Palast Huis ten Bosch am nordöstlichen Rand der niederländischen Hauptstadt.

    Kronprinz Willem-Alexander löst Beatrix am 30. April an der Spitze der  niederländischen Monarchie ab. Erstgeborene der Königin wird der erste König der Niederlande  seit mehr als hundert Jahren sein.

    Die 75-jährige Beatrix hatte  Ende Januar nach 33 Jahren auf dem Thron ihre Abdankung  angekündigt.

    Marc Josemans (52) ist seit 29 Jahren Coffeeshop-Inhaber. Die Joints haben ihn reich gemacht. "Ich kann morgen aufhören zu arbeiten. Aber meine 40 Mitarbeiter müssen noch ihr Haus abbezahlen." Für sie wolle er Widerstand leisten gegen die "fremdenfeindliche Regierung" in Den Haag. Zurzeit läuft noch eine Klage von Coffeeshop-Betreibern - sie halten die neuen Vorschriften für diskriminierend. Aber auch falls das Gericht nächste Woche Freitag gegen sie entscheidet, will Josemans nicht nachgeben. Er werde am 1. Mai in jedem Fall weiter an Deutsche und Belgier verkaufen, auch wenn er dann zur Strafe schließen müsse.

    Deutsche haben in den Niederlanden nichts mehr zu kiffen

    Fast liebevoll streut Joyce (18) Cannabis-Krümel auf den Tabak ihrer selbstgedrehten Zigarette. Mit ihrem Freund Claudio (19) ist sie aus dem nahen Belgien gekommen. Allein die 14 Coffeeshops in Maastricht zählten bisher 2,5 Millionen Besucher im Jahr. 70 Prozent davon seien Ausländer, sagt Geertjan Bos, Sprecher des rechtsliberalen Bürgermeisters Onno Hoes. Die meisten kämen aus Belgien und Frankreich, Deutschland folge erst an dritter Stelle. Für die Anwohner bringe der Drogentourismus viele Probleme.

    Darüber kann sich Josemans aufregen: "Totaler Unsinn! Ein Teil meiner Kunden sieht vielleicht etwas lockerer aus als der Durchschnitt, hat schon mal einen Ohrring, aber wir haben hier auch Anwälte und Europaparlamentarier, und wenn die große Kunstmesse läuft, schauen hier Herren im Anzug vorbei. Mein ältester Kunde ist 86 Jahre alt - ein Deutscher!" Die Probleme kämen im Gegenteil, wenn die Straßendealer demnächst großen Zulauf erhielten. Auch in Deutschland werde man das merken.

    Die ersten Paare sagen ihren Urlaub bereits ab

    Hendrik und Julia, das Pärchen aus Trier, wird künftig wesentlich seltener nach Maastricht kommen - das steht für sie fest. Einen Abschiedsjoint genehmigen sich die beiden jedoch nicht - das Cannabis wird für zu Hause aufbewahrt. "Wir haben ja schließlich noch die lange Rückfahrt vor uns", sagt Julia. "Nee, so sind wir nun auch nicht drauf!" Josemans nickt: "Ich sag's ja: Ganz vernünftige Leute!" dpa/AZ

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